Wort zum Sonntag von Pfarrer Matthias Schmid

Liegen lassen geht nicht

Friedhof (c) Photo by <a href=https://unsplash.com/@derveit?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditCopyText>Veit Hammer</a> on <a href=https://unsplash.com/s/photos/friedhof?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditCopyText>Unsplash</a>
Friedhof
Datum:
Fr. 31. Dez. 2021
Von:
Kerstin Rehberg-Schroth

Schade. Sage ich ganz persönlich. Unsere Verstorbenen erhalten ihren Platz immer mehr in Wäldern. Friedwälder, sind en vogue. Die klassischen Friedhöfe in den Städten mit ihrem Gartendesign, das aus der Zeit des Barock stammt, seien zu teuer, sagen manche. Am Totensonntag, den die evangelischen Geschwister drei Wochen nach Allerheiligen und Allerseelen der Katholiken feiern, sind vielleicht ein paar Gedanken zu unserer Friedhofskultur zu machen. Ich gebe zu, als Autor dieser Zeilen, bin ich Angehöriger einer Generation die darüber sehr konservativ denkt. Anlaß zur Besinnung. Was tun mit den Toten? Diese Frage bewegt die Menschheit seit Anbeginn und immer war klar, einfach liegen lassen, geht nicht. Es braucht Zeremonien und Plätze und Gebete für sie. Das heißt, eigentlich für die Hinterbliebenen, also für uns. Die Toten sind im Himmel, brauchen also in Wahrheit keinen Platz hier auf Erden. Die Sache mit dem Himmel hat aber, spätestens seit den Pyramiden, niemand so richtig beeindruckt. Und so wollen wir unsere Lieben, Himmel hin, Himmel her, so nah wie es geht auch nach dem Versterben bei uns haben. Diese wundersame Herzensbewegung führte in allen Kulturen zu einer Gräbergestaltung, die heute verwirrt und staunend fragen läßt: und wir, heute? Es bleibt dabei, die Toten gehören zu uns und sie gehören auf den Friedhof bei der Stadt. Allein schon wegen dem Klimaausgleich, den überhitzten Mauern und Straßen. Als Ruhebereich. Wenige Orte, die die Stille bewahren. Die Friedhöfe sind Erholungszonen und Lehrgärten zum Leben. Siehe, wie kostbar dein Leben ist. Achte jene, auf deren Erbe wir dankbar blicken und unsere Welt hoffentlich sorgsamer und respektvoll weiterbauen.