Schmuckband Rad

Der Schritt der "Pastoralen Bestandsaufnahme"

Herz_Kirchorte (c) Dekanat Rüsselsheim

Eine wichtige Grundlage für den Pastoralen Weg ist der Ist-Stand in den Gemeinden und Gruppen im Dekanat: Was ist die Ausgangssituation, wie stellt sich im Moment das kirchliche Leben dar? Die Phase der Wahrnehmung ist in zwei Teilen angelegt: der pastoralen Bestandsaufnahme und der gesellschaftlichen Wahrnehmung.

Der Schritt der pastoralen Bestandsaufnahme – also der Blick in die Gemeinde oder den Kirchort – erfolgte mittels zweier unterschiedlicher Instrumente. Die Visitationsberichte, die im Rahmen der Visitation von Weihbischof Udo Markus Bentz im Jahr 2019 entstandenen waren, stellten eine erste Quelle dar: Sie dokumentieren in einer wegen der vorgegebenen Gliederung ähnlichen Art und Weise die Aktivitäten in den Gemeinden, aber auch die relevanten Daten und Fakten. Als zusätzliche Quelle wurden in den Gemeinden und Kirchorten vier Fragen diskutiert und beantwortet: Was sind Schätze in den Gemeinden? Was sind weiße Flecken? Gibt es Angebote in Ihrer Gemeinde, die früher sehr gut angenommen wurden, die aber heute nur noch (künstlich) aufrechterhalten werden? Welche Kirchorte gibt es? Mit Hilfe dieser Fragen sollte aus einem anderen Blickwinkel ein Bild über die Gemeinden und Kirchorte gewonnen werden.

Die Rückmeldungen wurden ausgewertet. Die wesentlichen Ergebnisse der pastoralen Bestandsaufnahme wurden dann in der konstituierenden Dekanatsversammlung am 6. Februar 2020 vorgestellt.

Die Ergebnisse der pastoralen Bestandsaufnahme

Büttelborn, 06. Februar 2020: Christine Breser im Gespräch mit Dekan Karl Zirmer (Pfarrer Mainspitze). (c) Markus Schenk

In der Dekanatsversammlung am 6. Februar 2020 stellte die Vorsitzende des Dekanatsrats, Christine Breser, die Ergebnisse der "pastoralen Bestandsaufnahme" vor. Die Analyse der  Visitationsberichte der Pfarreien, Gemeinden und kategorialen Einrichtungen lässt sich in 10 zentralen Aussagen zusammenfassen:

1. Orte ermöglichen Begegnung.

2. Es gibt eine starke Konzentration auf die Gemeinde vor Ort.

3. Kooperationen schaffen neue Möglichkeiten.

4. Viele Zeichen der Ökumene werden gelebt.

5. Die Erwartungen der Menschen verändern sich.

6. Das ehrenamtliche Engagement bildet das Rückgrat der Gemeinden.

7. Die Teilnahme an der Sakramentenspendung verliert an Stellenwert.

8. Leere Kirchenbänke setzen unübersehbare Zeichen.

9. Kinder und Jugendliche entwickeln keine Bindung an ihre Gemeinde.

10. Die Vernetzung über Gemeindegrenzen hinaus ist begrenzt.

Die Ergebnisse sollen aufbereitet und dann den Gemeinden zur Verfügung gestellt sowie an dieser Stelle veröffentlicht werden. 

Nachgefragt

Büttelborn, 06. Februar 2020: Christine Breser beim Austausch mit Markus Kiefer (Gemeindereferent Gernsheim). (c) Markus Schenk

Im Anschluss wurden in drei Interviews weitere Ergebnisse der Pastoralen Bestandsaufnahme beleuchtet. Dabei befragte Christine Breser Dekan Karl Zirmer (Pfarrer Mainspitze), Antonino Blanda (Pfarrgemeinderat St. Walburga Groß-Gerau) und Markus Kiefer (Gemeindereferent in Gernsheim). Im Mittelpunkt standen nun die Antworten auf die Fragen, die vorher alle Gemeinden und viele Kirchorte beantwortet hatten: Was sind Schätze in den Gemeinden und Kirchorten? Was sind weiße Flecken? Gibt es Angebote in Ihrer Gemeinde, die früher sehr gut angenommen wurden, die aber heute nur noch (künstlich) aufrechterhalten werden?

Es gebe viele Schätze in den Gemeinden, die von den Gemeindemitgliedern in Eigenverantwortung getragen und vorangebracht werden, so ein Ergebnis der Befragung. Als weiße Flecken wurden Themen wie fehlende Kinder- und Jugendarbeit, aber auch Angebote für Menschen im "Mittelalter", die sowohl in Familien mit Kindern, aber auch als Paare ohne Kinder oder Singles leben. In allen Gemeinden gibt es Angebote, die nur von wenigen noch angenommen werden. Hier wurde aber auch deutlich gemacht, dass Seelsorge nicht mit Zählsorge verwechselt werden darf.

Überraschend für viele waren die Aussagen zu den unterschiedlichsten Kirchorten im Dekanat, die von Kapellen über die Wallfahrtskirche in Maria Einsiedel, Kitas, Treffen in unterschiedlichen Gruppen reichen, um nur einige wenige der rund 150 Nennungen aufzuzählen.

Im nächsten Schritt ist die gesellschaftliche Wahrnehmung in den Pfarreien zu führen, was durch verschiedene Interviews erfolgt. Diese Ergebnisse werden beim Ratschlag am 7. März 2020 auf Dekanatsebene vorgestellt. Aus den vielfältigen Interviewergebnissen aus den Pfarreien werden Trends für die zukünftige Ausrichtung und Aufgabenstellungen abzuleiten sein.