Schmuckband Kreuzgang

Endlich Ferien! von Matthias Görtz /Diakon mit Zivilberuf in der katholischen Gemeinde St. Andreas, Altenstadt/Hessen

Corona Beschränkungen: Seelsorgerinnen und Seelsorger aus dem Dekanat schreiben ihre Gedanken

Sa 11. Jul 2020
Norbert Albert
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      Endlich Ferien!   

Endlich Ferien!

Am vergangen Montag haben die hessischen Sommerschulferien begonnen. Sommerferien bedeuten 6 Wochen lang keine Schule, kein frühes Aufstehen, keine Hausaufgaben, keinen Nachmittagsunterricht, keine Klassenarbeiten.

Schöne Aussichten für die kommenden Wochen. 6 Wochen ohne. Zeit zum Durchatmen, Spaßhaben, Verreisen, neues Sehen, raus aus allem, besonders dem Alltag. Ich erinnere mich daran: Als Schüler kamen mir 6 Wochen unendlich lange vor. Ein unerschöpfliches Reservoir und eine große Verheißung.

Auch viele sonst richten sich am Termin des Sommerferienbeginns aus, obwohl sie selbst der Schule längst entwachsen sind: Familien mit schulpflichtigen Kindern, Lehrer und Angestellte in Schule und Kita. Sommerferienzeit ist Urlaubszeit, Freizeit, Zeit zum Luftholen, Sport, Lesen, Theater, Konzert, im Garten sein, Dinge tun, zu denen man sonst nicht kommt. Weg von beruflichen Verpflichtungen.

Für andere geht nun die Arbeit richtig los. Menschen in den Urlaubszielen, in der Gastronomie, diejenigen, die für Ihre Kollegen die Urlaubsvertretung übernehmen. In der Landwirtschaft ist die Sommerzeit eine Haupterntezeit.

Es gibt auch diejenigen, die es in den Sommerferienwochen vermeiden, im Urlaub zu sein. Das Büro ist weitestgehend leer und dazu noch angenehm klimatisiert. Was gibt es schöneres, als Sommerferien im Büro?

Und für manchen schließlich ist die Zeit der Sommerferien einerlei und gar nicht wichtig: Arbeitsuchende, Senioren, Kranke, Wohnsitzlose, Alleinstehende. Manchem steht wirtschaftlich das Wasser bis zum Hals und die Frage ist, wie geht es finanziell weiter? Für sie ändert sich nicht viel, dadurch, dass die hessischen Schulen ihre Tore geschlossen halten. Für sie ist anderes wichtig, als die Frage, ob jetzt noch ein Urlaubsquartier zu finden ist, in letzter Minute.

Ferien werden dieses Jahr anders sein, als in den vergangenen Jahren. Wegen des Lockdowns waren seit März das öffentliche Leben stark eingeschränkt, Kitas und Schulen geschlossen. Vieles, was sonst dazu führt, dass mit dem nahen Ferienbeginn das Gefühl, urlaubsreif zu sein, einhergeht, gab es so nicht. Ausgenommen bei denjenigen vielleicht, die „Homeschooling“ und „Homeoffice“ unter einen Hut zu bringen hatten.

Der Lockdown, das Herunterfahren ist mittlerweile ein Auslaufmodell. Das gesellschaftliche Leben beginnt hier und da wieder möglich zu sein. Heiß ersehnt, vehement gefordert von einigen gar: Rückkehr zur „Normalität“. Für manchen höchste Eisenbahn, bevor finanziell die Lichter ausgehen. Sind wir nun weniger urlaubsreif als in vergangenen Jahren? Beginnen wir die Ferien ausgeglichener als sonst? Oder im Gegenteil: pandemiegeschädigt. Es scheint, Ferien sind wie ein Versuchsballon, ob endlich wieder mehr von der alten Normalität zurück ist. Ferien, wie immer. Same procedure.

Ganz generell tut es gut, von Zeit zu Zeit, kürzer zu treten, weniger zu tun, Verpflichtungen in Frage zu stellen und wenn sie nicht notwendig sind, zu beenden. In der Krise ist Angst ist ein schlechter Ratgeber. Das wissen wir alle. Nur zu oft handeln wir wider besseres Wissen.

Die Ferienzeit kann allen, die sich beruflich oder schulisch zu stark eingebunden fühlen, ein neues Gefühl der Freiheit vermitteln. Freiheit von. Freiheit für. Es wäre schön, wenn dieses Urlaubserlebnis, der Geschmack der Freiheit und das Gefühl der Gelassenheit, gleichgültig wo wir sind, uns wieder zukäme.

Auch für diejenigen, die – aus welchen Gründen auch immer - keine Ferien haben, ist die Erholung, die Pause, vielleicht eine längere Auszeit in der Krise lebensnotwenig. Für tägliche und wöchentliche Erwerbsarbeitszeit gibt es gesetzlich festgelegt Höchstgrenzen. Aus gutem Grund. Darin wird der Tatsache Rechnung getragen, dass der Mensch -  jeder Mensch - die freie Zeit braucht. Zeit die nicht verzweckt ist. Zeit, die nutzlos ist. Und dadurch von einer anderen Qualität, einfach schön.

Darum gibt es wöchentlich die Kultur des wiederkehrenden freien Tages, Sonntag, Samstag oder Freitag. Eine gesellschaftliche Errungenschaft von allergrößter Bedeutung. Für alle – ob Arbeitnehmer, Schüler oder wen auch immer muss und darf gelten: Komm her, ruh Dich etwas aus, damit Du wieder zu Kräften kommst, bevor Dich dein Alltag und deine Sorten ganz und gar erdrücken. (MK 6,30-32)

Matthias Görtz ist Diakon mit Zivilberuf in der katholischen Gemeinde St. Andreas, Altenstadt/Hessen