Schmuckband Kreuzgang

Gedanken zu Fronleichnam 2021 von P. Thaddäus Vos OSB Altenstadt im Kreisanzeiger

Hochfest Fronleichnam

Datum:
Do. 3. Juni 2021
Von:
Norbert Albert

Fest der Begegnung

 

 

Das Fronleichnamsfest (offiziell: „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“) ist nicht nur auf den ersten Blick sicher ein sehr „katholisches“ Fest. Katholische Gemeinden feiern es im beginnenden Sommer oft mit Gottesdiensten unter freiem Himmel, die mit Prozessionen verbunden sind, bei denen das „Allerheiligste“, also eine in der Messe geweihte Hostie durch Orte und Fluren getragen wird. Spirituell wird das mit dem Segen begründet, den die so wahrnehmbare Präsenz des in der Eucharistie verehrten Herrn den Menschen und der Natur vermitteln soll – wobei freilich eine solche „Präsenz“ immer auch eine „Manifestation“ darstellt: Nicht nur der Herr ist sichtbar da, sondern wir, die Katholiken, sind es auch!, und so war die Fronleichnamsprozession oft auch eine Demonstration gegen Andersdenkende und -glaubende und damit ganz sicher nicht gerade ein Hochfest des ökumenischen Dialogs.

Aber – vielleicht geht das ja auch anders? Wer auf die Entstehung dieses Festes schaut, sieht schnell, dass es nicht als antiprotestantische Aktion entstanden ist, denn es ist viel älter und geht auf Visionen einer Nonne des 13. Jahrhunderts zurück: Juliana von Lüttich berichtete – ganz im Sinne damaliger Frömmigkeitsbewegungen – von Erscheinungen, in denen Christus selbst sie auf das Fehlen eines eigenen Festes zur besonderen Verehrung der Eucharistie hinwies, Papst Urban IV führte das Fest im Jahr 1264 offiziell ein, und Thomas von Aquin schrieb eigens für das neu geschaffene Fest Hymnen und andere liturgische Texte.

Im Laufe der Reformation entwickelte sich das Fest zu einer Art „Kristallisationspunkt“ im Streit um die Bedeutung des Abendmahls, vor allem: der eucharistischen Gaben. Verkürzend zusammengefasst kann man sagen: Während die katholische Lehre davon ausgeht, dass das Brot und der Wein in der Eucharistiefeier zu Leib und Blut Christi „gewandelt“ werden und dies auch über die Feier hinaus bleiben – weswegen sie aufbewahrt und verehrt werden –, sieht die lutherische Auffassung die „Realpräsenz“ während der Feier gegeben, aber nicht dauerhaft den Gaben anhaftend, und reformierte Gemeinden erkennen in ihnen lediglich Symbole, die an Christus erinnern.

Aus diesen unterschiedlichen Auffassungen musste man natürlich auch ganz verschiedene Sichtweisen auf einen religiösen Brauch ziehen, der eine dauerhafte Verehrung Christi in den „gewandelten“ Hostien und sogar deren Präsentation in Monstranzen bei Prozessionen vorsah – verbunden mit den vielfach auch emotionalen Antagonismen zwischen den Konfessionen „mussten“ daraus veritable Konflikte und Streitigkeiten entstehen.

Wenn wir nun heute auf dieses so sehr „katholische“ Fest schauen, könnten wir doch vielleicht gewissermaßen „von hinten“ anfangen: Die beschriebenen gegenseitigen Antagonismen und Konflikte haben wir (doch hoffentlich!) nicht mehr nötig, und wenn wir Katholiken – sofern und sobald es die Pandemie überhaupt wieder zulässt – unsere Prozessionen durchführen, können wir uns getrost von allem „Gegen …“ in unserer Motivation verabschieden und das feiern, was eigentlich gemeint ist: Gottes Präsenz unter uns, bei und in uns – ein Fest der Begegnung.

Und vielleicht können wir ja beim Feiern sogar die Lehrunterschiede einmal für den Moment hintanstellen: Wir wissen, dass es sie gibt, und dass sie mit theologischen Positionen zusammenhängen, die sich in langen Entwicklungen herausgebildet haben und beim besten Willen nicht „einfach so“ aus der Welt zu schaffen sind, und sie einfachhin ignorieren zu wollen, wäre auch nicht ehrlich, aber: Ob Christus nun in realpräsenter sakramentaler Gegenwart bei uns ist oder eher in der gemeinsamen Erinnerung an das Letzte Abendmahl, seinen Tod und seine Auferstehung – das könnte doch in diesem Moment einmal weniger wichtig sein, aber dass wir ihn gemeinsam im Herzen haben und daraus unser Leben miteinander gestalten, das wäre ein echter Grund zum Feiern: Fronleichnam als Fest der Begegnung, der Begegnung Gottes mit uns Menschen und der Begegnung zwischen uns.

Katholisch-traditionelle Prozessionen wird es aufgrund der Situation kaum geben können, aber sowohl die Pandemielage als auch die Wettervorhersage könnten kleine Begegnungen am Grill unter freiem Himmel möglich und zu echten Glaubenszeichen werden lassen, gern auch garniert mit dem Gebet, das uns über alle Grenzen hinweg immer verbindet: Vater unser

Pater Thaddäus Vos OSB, St. Andreas Altenstadt