Schmuckband Kreuzgang

Gedanken zu Weihnachten 2021

Gedanken zu Weihnachten von Pastoralreferent Norbert Albert

Norbert Albert (c) Norbert Albert (Ersteller: Norbert Albert)
Norbert Albert
Datum:
Do. 23. Dez. 2021
Von:
Norbert Albert

Wir lassen uns Weihnachten nicht vermiesen. Das lese ich so und ähnlich als Schlagzeile. Was wollen wir da eigentlich retten, inmitten dieser aufgewühlten Zeit der Pandemie und dem ungezählten Alltagsleid? Es muss mehr als die Begegnung mit der Familie, das Weihnachtsessen und die Bescherung, das Umarmen der alten Eltern sein. Und auch mehr als der Gottesdienstbesuch. Es ist die Hoffnung, dass uns in diesem Jahr wenigstens etwas bleibt, das uns eine Heimat in dieser Zeit gibt. Die Hoffnung, dass wir uns noch irgendwo festmachen können, wenn uns schon sonst so vieles unter den Fingern zerrinnt.

Dabei ist die Botschaft von Weihnachten zumindest dem Christen klar: Gott wird Mensch und zeigt uns damit unsere Einmaligkeit aber auch unsere Ver-antwortung darauf.

Schon das Alte Testament zeigt in der Schöpfung von Frau und Mann das Geschöpf Mensch als zur Freiheit berufen, frei um selbst sogar sich gegen den Schöpfer stellen zu können mit allen Konsequenzen. Wenn Jesus im Neuen Testament Menschen begegnet, so enden seine Gespräche in der Verantwortung zum eigenen Tun, zur Änderung des bisherigen Verhaltens.

Gott wird Mensch in der Tiefe und Stille der Weihnacht, die uns anrührt. Diese Ebenbildlichkeit Gottes, wie sie die Bibel nennt, zeigt uns aber auch die ganze Bedeutung unseres eigenen Verhaltens. Konsequenzen, die sich aus diesem Ruf zur Menschwerdung für uns ergeben. Das Christentum ist eine unbequeme Religion und dies ausgerechnet zu Weihnachten.

Die Pandemie ist eine große menschliche Herausforderung und sie macht keine Schonpause zu Weihnachten, auch wenn viele Politiker dies gerne suggerieren möchten und gleichzeitig den Knüppel im Sack für das Nachher andeuten. Weihnachten heißt vielmehr: Gott gibt uns die Kraft und die Vollmacht zu eigenem Handeln. Wir handeln frei an uns und damit auch an unseren Mitmenschen. Das bedeutet konkret: Nicht die Abstimmung mit den Füßen auf den Straßen und die Meinung der Anderen, wie skurril sie noch daher kommen, können uns einen entlastenden Grund für unser Verhalten geben, noch ein blinder Glaube an Wissenschaft und Politik, ohne selbst für die Fakten einzustehen mit denen ich mich auseinander gesetzt habe.

Wir haben es in der Hand uns als Menschen zu erkennen und selbst anzuerkennen. Wir kennen die Mittel Verantwortung in der Begrenzung des Unheils, Nähe zum Nächsten durch Distanz, Schutz durch Hygiene und Medizin aus eigenem Verstehen und Toleranz gegenüber denen, die nicht diesen Weg sehen.

Die Symbolik der Weihnachtsgeschichte, die frühe Christen durch die Erfahrung von Tod und Vollendung in Jesus Christus hier wiedergeben, zeigt die Tiefe und Radikalität der Rettung in der Menschwerdung. Ihnen wurde die Bedeutung dieser Botschaft vom Heil erst durch Karfreitag und Ostern bewusst und so ist Weihnachten ein Zeichen für inneren Frieden geworden, der in die Welt getragen werden will und zur Verantwortung des Menschseins ruft. Deshalb: Machen wir es wie Gott, werden wir Mensch!

 

Norbert Albert, Pastoralreferent im Dekanat Wetterau-Ost