Schmuckband Kreuzgang

„Gedanken zum Sonntag“  1. Advent 28.11.2021

Gedanken zum Advent von Pater Bobin Joseph, Echzell/Wölfersheim

Pater Bobin Joseph Foto (c) Pater Bobin Joseph
Pater Bobin Joseph Foto
Datum:
Fr. 26. Nov. 2021
Von:
Norbert Albert

„Gedanken zum Sonntag“  1. Advent 28.12.2021

Die Spannung bei den Kindern ist heute schon riesig.  Nur noch wenige Tage, dann öffnet sich das erste Türchen am Adventskalender. Oft kommt uns diese Frage vor, warum es die Adventszeit überhaupt gibt und was die Zeichen dieser Zeit bedeuten. Die Kinder fragen sich, warum sie mit dem ersten Türchen am Adventskalender anfangen und nicht gleich alle aufmachen dürfen.  Sie stellen zwar einen Adventskranz oder ein Adventsgesteck auf, aber sie verstehen vielleicht nicht,  warum wir am 1. Advent, nur  eine Kerze anzünden und nicht gleich alle auf einmal.  

Advent bedeutet für so viele nur noch Hetze, Stress, Eile, Nicht-mehr-warten-können.  Aber die äußere Zeichen des Advents, wie verführerische Dekorationen, gemütliche Adventsfeiern mit Glühwein und hektische Einkaufsrummel in dieser Zeit lassen uns oft vergessen: Advent ist vor allem eine spirituelle Zeit. Lasst euch durch all dies, durch all diese Aktivitäten und all die damit zusammenhängenden Mühen und Sorgen ja nicht verwirren, ja nicht vom wesentlichen abbringen. Diese Mahnung stellt das Evangelium an den Anfang der Adventszeit. 

Richtig! Die Pandemie hat die Geschwindigkeit unseres Lebens verringert, die zuvor durch unsere Pläne, Wünsche, unseren Ehrgeiz und Hochmut immer mehr beschleunigt worden waren. Das Virus brachte viele Menschen dieser Welt in Ängste und Unsicherheit. Das Leben erstickt noch immer unter der Maske.

Auf der anderen Seite brachte diese Coronakrise anstelle von Hektik Ruhe und Gelassenheit. Diese Pandemie hat uns geholfen, das Leben aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Wir sollten nicht vieles für selbstverständlich nehmen, sondern mehr Bewusstsein für das Wesentliche entwickeln und dankbar sein – uns zusammenreißen und auf eine infektionsfreie Morgenröte hoffen.

Der Advent könnte da eine Hilfe sein, wenn wir uns besinnen auf das, was uns diese Zeit wieder neu sagen will.  Wir warten auf die Erlösung, auf den Retter, auf die Ankunft des Herrn. Jahr für Jahr feiern wir Weihnachten, den Geburtstag Jesu, und jedes Jahr geht diesem Fest die Zeit des Wartens, Advent voraus. Aber erwarten wir eigentlich mehr? Der Franzose Teilhard de Chardin hat das einmal sehr kritisch auf den Punkt gebracht: „Immer noch fahren wir fort zu behaupten, dass wir wachen und auf den Meister warten. Doch wollten wir wirklich ehrlich sein, so müssten wir zugestehen, dass wir überhaupt nichts mehr erwarten.“

Doch der Advent möchte keine leere Wartezeit sein, die wir totschlagen. Wir sollen ganz bewusst warten und erwarten. Advent ist die Zeit des aufmerksamen Wartens auf den, der zum Leben befreit. Machen wir uns in diesen Tagen klar, dass unser Leben Gottes Wille ist und dass er es gut meint mit uns. Er hat seinen Sohn in diese Welt gesandt, um uns daran zu erinnern. Helfen wir ihm, bei uns anzukommen.

Der erste Advent stößt die Tür auf zur Adventzeit und in ein neues Kirchenjahr. Nicht nur bei den Kindern aber auch bei uns erwachsenen ist die Adventszeit eine Zeit zum Türen öffnen, nicht nur die Türchen am Adventskalender, nicht nur Türen zu anderen Menschen, zu nahen oder auch fernen. Es ist sehr wichtig, dass wir über die notwendige soziale Distanzierung während der Pandemie unsere menschliche, innerliche Nähe nicht verlieren.

Jetzt ist die Zeit, die Türen zu mir selbst zu öffnen.  Vielleicht liegt es da und dort ja nur an uns, Menschen, denen eine Tür versperrt ist, beim Hindurchschreiten zu helfen. Vielleicht wartet jemand genau darauf, dass ich eine Türe öffne, die ihm allein zu öffnen einfach verwehrt ist. Und jetzt ist Zeit durch solche Türen hindurchzugehen, andern - und auch mir selbst - wieder aufs Neue zu begegnen, andere - und mich selbst - neu kennen, neu verstehen und vielleicht neu lieben zu lernen. Die Adventszeit kann eine Zeit sein, in der verschlossene Türen neu geöffnet werden können.

Gesegnete Adventzeit !