Schmuckband Kreuzgang

Geistliches Wort zu Sonntag, 9.08.2020; Pfr. Hippolyte Mantuba, Pfarreien Stockheim/Ortenberg und Ranstadt

Corona Beschränkungen: Seelsorgerinnen und Seelsorger aus dem Dekanat schreiben ihre Gedanken

Datum:
So 9. Aug 2020
Von:
Norbert Albert
  • Geistliche Texte aus unserem Dekanat finden Sie jetzt wöchentlich neu
  • Halten Sie den notwendigen Abständen von anderen Menschen in diesen Tagen und bleiben Sie dennoch verbunden in der christlichen Gemeinschaft
  • Impulse zum Mitdenken und Zeit nehmen
  • Gedanken um sie auch an andere Menschen zu verschenken

Worte…

Pfarrer Hippolyte Mantuba
Pfarrer Hippolyte Mantuba

                                  Gedanken zum Sonntag (09. 08. 2020)

    „Als er … die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen“ (Mt 14,14)

Meine Damen und Herren,

es ist Urlaubszeit in Deutschland. Zeit zum Unterbrechen des Alltags mit seinen festen Abläufen und vielen Terminen. Man möchte einfach leben, ausruhen und die geschenkte Zeit genießen.  Wandern, Schwimmen, neue Erfahrungen sammeln in fremden Städten und Ländern, Ruhe suchen und Stille finden, einmal nicht erreichbar sein! Der Wunschzettel ist sehr vielfältig. Wer würde nicht davon träumen?

Aber es gibt auch die vielen unerwarteten Ereignisse im Leben vieler von uns, die dazu führen können , dass die schönsten Pläne buchstäblich durchkreuzt werden. Mal sind es die  Kinder, mal der Ehepartner, der Chef, die Firma, die uns zu verstehen geben, sie gerade jetzt nicht sitzen zu lassen, weil sie uns dringend brauchen. Dann stellt sich einem die Frage: „Was soll ich nun tun?“

Eine ähnliche Situation aus dem Jesu berichtet uns das 14. Kapitel des Evangeliums nach Matthäus. Kurz nach der Enthauptung des Täufers Johannes durch den launischen König Herodes Antipas, wollte Jesus erst einmal weg aus der ganzen Schlamassel und allein sein. Niemanden sehen und von niemanden angefragt und erst recht nicht aufgefordert zu werden: einfach weg an einem einsamen Ort!

„Aber die Leute in den Städten hörten davon und liefen ihm zu Fuß nach.“ Dieses schreckliche „aber“! Und was macht Jesus? Er sieht die Menschen und hat Mitleid mit ihnen. Er lässt sich auf sie ein und nimmt sich Zeit für sie. Er lässt sie alle ihre Sorgen in Ruhe aussprechen und heilt alle mögliche Krankheiten. Die Sorge um diese Menschen in Not wird nun zum Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit, ja es hat von nun an Vorrang.

Als es dann Abend wurde und seine Jünger ihm den gut gemeinten Rat geben, er möge doch die Leute wegschicken, damit sie sich in den umliegenden Dörfern etwas zu essen kaufen konnten, fällt er nicht darauf ein. Er sagt vielmehr, dass die Leute es nicht brauchen, die Jünger sollten selbst ihnen zu essen geben. Aus dem Wenigen, was sie haben entsteht die Speisung der Viele. Sie brauchen es nur in die Hand Jesu zu legen. Er gibt es ihnen nach dem Lobpreis zurück und sie dürfen es unter die Menschen verteilen.  Am Ende heißt es, dass alle satt wurden und Reste eingesammelt wurden.

Dieser Text zeigt wie sooft in der Bibel, dass Jesus die Not der Menschen sieht, auch die verborgene, nicht ausgesprochene Not, und er hat Mitleid. Was er sieht berührt ihn. Und im gleichen Augenblick entsteht eine Beziehung zwischen ihm und den Menschen in Not. Durch die Augen dringen die Menschen in sein Herz, denn sehen ist ja nicht gleich sehen. Um es mit Antoine de Saint-Exupéry  zu sagen:“Man sieht nur mit dem Herzen gut.“ Was Jesus sah, was ihn berührte, das setzte ihn in Bewegung, das wurde zu helfende Liebe.

Angesichts der vielfältigen Not in unserer Umgebung und in der ganzen Welt liegen das „Ich will meine Ruhe“ und das „Ich habe so wenig“ den meisten näher als, dass man sich die Mühe gibt , mit dem Herzen hinzuschauen. Dazu kommt, dass das Wissen, nicht helfen zu können, machtlos zu sein angesichts von so viel Not und Leid, eher abschreckend wirkt. Wie einfach wäre doch, nicht hinsehen zu müssen! Aber gerade die Begegnung mit dem Menschen in Not ist so wichtig, denn sie hat die Kraft, dem anderen zu vermitteln: „Jemand sieht dich in deiner Not. Du bist nicht ganz allein.“ Mit dem Sehen fängt das Wunder an. Ich wünsche uns, dass wir mit offenen Augen durch unsere Welt gehen, dass wir die Nöten erkennen lernen und den Mut haben zu handeln, wo wir können. (Pfr. Hippolyte Mantuba)