Schmuckband Kreuzgang

Impuls zum  12. Sonntag im Jahreskreis 2020 von Pfarrer Hippolyte Nsunda Mantuba , Ranstadt-Stockheim/Ortenberg

Corona Beschränkungen: Seelsorgerinnen und Seelsorger aus dem Dekanat schreiben ihre Gedanken

Sa 20. Jun 2020
Norbert Albert
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  • Halten Sie den notwendigen Abständen von anderen Menschen in diesen Tagen und bleiben Sie dennoch verbunden in der christlichen Gemeinschaft
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  • Gedanken um sie auch an andere Menschen zu verschenken

             „Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben“ (Sach 12,10 bzw. Joh 19.37)

Pfarrer Hippolyte Mantuba (c) Mantuba
Pfarrer Hippolyte Mantuba

                           Impuls zum  12. Sonntag im Jahreskreis 2020

 

                   „Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben“

                                             (Sach 12,10 bzw. Joh 19.37)

 

Liebe Mitchristen,

 

Blut und Wasser, Knüppel und Lanze sind sicher nicht „der Stoff, aus dem die Träume sind“, und der Blick auf einen Durchbohrten ist nicht gerade die Erfüllung der menschlichen Sehnsucht nach Heil und nach dem Gelingen des Lebens. Und doch lädt uns die Kirche ein, am 2. Freitag nach dem Dreifaltigkeitssonntag bzw. am Sonntag danach, auf unseren durchbohrten Herrn und Meister Jesus Christus zu schauen.

Das Hochfest des Heiligsten Herz Jesu lässt uns noch einmal auf unseren gekreuzigten Heiland zurückblicken. Seine Hingabe auf einem Folterinstrument erinnert uns daran, dass die Liebe stärker ist als die Bosheit und Torheit der Menschen, weil die Liebe Gottes einfach nicht umzubringen ist.

In einer Welt, in der oft genug Egoismus und Machtdenken, Krieg, Neid und Rachegefühle im öffentlichen und persönlichen Bereich herrschen, ist die Sehnsucht nach Barmherzigkeit und Liebe sehr groß. Im Bild vom durchbohrten Herzen Jesu findet diese Sehnsucht eine Antwort und in der langen Tradition der Herz-Jesu-Verehrung einen lebendigen Ausdruck. Im geöffneten Herzen Jesu haben wir ein Symbol jener Sorge und Liebe Gottes, die sich aufmacht, die Verlorenen zu suchen, die Vertriebenen zurückzubringen, die Verletzten zu verbinden, die Schwachen zu kräftigen und die Starken zu behüten. Gott hat ein Herz für die Menschen, das ist sein innerstes Geheimnis und seine größte Offenbarung. Dieses Herz ist uns ganz zugewandt in Jesus Christus; er ist das Menschgewordene Herz Gottes. Als er in Galiläa und Judäa das Reich Gottes verkündete, hat er sich aller Menschen in Liebe angenommen. Auf seine Wanderungen sah er, wie sie lebten, arbeiteten, Gutes und Böses taten. Und er hatte Mitleid mit ihnen, denn sie waren wie eine Herde ohne Hirte. Jesus ist durch seinen Tod und seine Auferstehung der gute Hirte der Menschheit geworden. Der Stoß der Lanze in das Herz des Gekreuzigten will uns enthüllen, dass Jesus in seinem Einsatz für uns das Letzte hingegeben hat.

Gläubig auf den Durchbohrten zu schauen heißt folglich für uns, die Liebe Gottes zu erkennen, die ausgegossen ist in unsere Herzen durch den Heiligen Geist. Dann kann uns daraus Kraft erwachsen zu einem Leben, in dem es nicht um das Festhalten an Ansprüchen geht, sondern um die Bereitschaft, sich für einen größeren Sinn einzusetzen und zu verschenken. Der Weg der Kirche durch die Zeit ist flankiert vom Zeugnis solcher Menschen, die wir als die Heiligen verehren.

 

Pfarrer Hippolyte Nsunda Mantuba

 Ranstadt-Stockheim/Ortenberg