... persönlich: Peter Hähn

Ja, ich trete für die katholische Kirche ein!

Peter Hähn (c) Peter Hähn
Peter Hähn
Datum:
Fr. 14. Mai 2021
Von:
Peter Hähn

Peter Hähn ist PGR Vorsitzender von Friedberg und auf dem Pastoralen Weg unter anderem ehrenamtlicher Projektleiter für die künftige Pfarrei Mitte. Für den Fragebogen hat er sich Zeit für ausführlichere Antworten genommen, die einen schönen Einblick in seine Motivation und seinen Glauben ermöglichen.

Persönlich: Name, Alter, geboren/aufgewachsen in....

  • Name, Peter Hähn
  • 65 Jahre
  • Einsatzgebiet, seit 30 Jahren in versch. Funktionen im PGR Friedberg, z.Zt. PGR Vorsitzender, Mitglied im Dekanatsprojektteam, ehrenamtl. Projektleiter
  • geboren in Frankfurt, seit meinem 6.Lebensjahr aufgewachsen in Friedberg

Wenn Sie sich nicht für die Kirche engagieren würden, was würden Sie sonst mit Ihrer Zeit machen?

Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Seit meiner Erstkommunion bin ich bei den Pfadfindern (DPSG). Dort hat mich der Zusammenhalt und das Eintreten des Einen für den Anderen fasziniert. So wurde ich, als ich das nötige Alter erreichte, Gruppenleiter und habe mich später für die Ausbildung von Gruppenleiter*innen auf Diözesanebene engagiert. Nach dem Wehrdienst bei der Bundesmarine und der Berufsausbildung im Saarland und in Niedersachsen war ich über einige Jahre hinweg wenig interessiert an Kirche. Erst später wurde es für mich wichtig, das Engagement innerhalb der Gemeinde weiter zu führen, halt nicht mehr bei den Pfadfindern, sondern auf anderen Ebenen. Allerdings ist mein Interesse an Pfadfinderarbeit bis heute immer noch sehr stark (Einmal Pfadfinder-immer Pfadfinder!).

Charakterisieren Sie Ihre Gemeinde in höchstens 5 Stichworten!

Bunt und tolerant, sehr hilfsbereit, großes Engagement, stets um Interessenausgleich bemüht, starke Ökumene.

Was ist Ihre innere Motivation, dass Sie glauben, dass Kirche lebendig bleibt?

Die Menschen, für die diese Kirche steht, sind lebendige Individuen mit den unterschiedlichsten Interessen, Fähigkeiten, Talenten, Charismen und auch mit den unterschiedlichsten Problemen, Fragen und Ängsten. Für diese Menschen muss eine Kirche da sein, und das funktioniert nur, wenn diese Kirche es zulässt, dass diese Fähigkeiten, diese Charismen eingebracht werden und zeitgemäße, also lebendige Antworten auf die Fragen und Ängste der Menschen hat.

Was ist für Sie persönlich Ihre Berufung?

Eine schwierige Frage, kann ich für mich von einer Berufung sprechen? Das klingt ziemlich „selfish“. Ich habe mir zur Aufgabe gestellt, den Pastoralen Weg in oder für unsere Gemeinde zu begleiten und, soweit dies gewünscht wird, im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten, ein wenig mit-zu-gestalten. Ich weiß jedoch nicht, ob dies meine „Berufung“ ist.

Was hat sich in den letzten 20 Jahren in der Kirche geändert?

Kirche ist zum einen das, was man landläufig die „Amtskirche“ nennt; Kirche sind aber vor Allem die Menschen in den Gemeinden, die eine gewisse Erwartungshaltung an die Amtskirche haben. Diese Erwartungshaltung hat sich über Generationen entwickelt und verfestigt: Man erwartet kirchliche, katholische, seelsorgerische oder geistliche Dienstleistungen, die man mehr oder weniger passiv an-, bzw. hinnimmt: Die sonntäglichen Eucharistiefeiern, die (handels-)üblichen Sakramente von der Wiege bis zur Bahre. Aufgrund der mittlerweile allenthalb bekannten Entwicklungen setzt die Amtskirche nun auf die Arbeit von ehrenamtlich tätigen „Laien“. Damit umzugehen, müssen sowohl die Menschen in den Gemeinden, als auch die bisher tätigen, oft noch alleine agierenden Hauptamtlichen lernen.

Ich kann nur das beurteilen, was ich innerhalb der Bistumsgrenzen sehe. Informationen aus anderen Bistümern bekomme ich nur aus den Medien oder von Freunden und Bekannten, die natürlich nur subjektive Eindrücke schildern. Ich kann daher nur meine persönlichen Erfahrungen innerhalb der Bistumsgrenzen widerspiegeln: Nach meinem Dafürhalten beginnt die Amtskirche, daran zu arbeiten, ein gutes Stück transparenter und damit glaubwürdiger zu werden, auch um die Arbeit dieser Laien zu ermöglichen. Es kostet eine Menge Energie, diesen Prozess erst mal anzuschieben. Man stelle sich vor, einen riesigen Felsbrocken ins Rollen zu bringen, das braucht eine Menge Kraft. Wenn er dann erst mal im Rollen ist, geht es etwas leichter. Leider besteht dann jedoch auch das Risiko, dass das Rollen des Felsbrockens nur schwer oder gar nicht zu kontrollieren ist. Ich denke, dass das Wissen um diesen Umstand die Dynamik in diesem Prozess zusätzlich erschwert. Zusätzlich kommt die vorhin genannte Erwartungshaltung vieler Gemeindemitglieder hinzu, die sich an die Mitwirkung von engagierten Menschen aus ihren Reihen gewöhnen, bzw. lernen müssen, diese zu akzeptieren; z.B., dass eine Wort-Gottes-Feier von einem Mitglied aus der Gemeinde anstatt einer Eucharistiefeier von einem Priester stattfindet.

Wo oder wie wird die Kirche in 12 oder 20 Jahren sein?

Ich möchte mich hier nicht festlegen, aber ich erinnere hier gerne an die Predigt unseres Bischofs Peter Kohlgraf, die er anlässlich der am 29.03. stattgefundenen „Missa Chrismatis“ im Mainzer Dom hielt: „Eine uns geläufige Gestalt von Kirche stirbt, so drastisch muss man es sagen. Und eine neue Gestalt, die tragfähig ist, hat noch nicht Gestalt angenommen.“ Diesen Worten muss ich mich anschließen; schon zu Beginn der Diskussionen um den Pastoralen Weg sprach ich davon, dass wir eigentlich nur den Untergang der katholischen Kirche verwalten, hier fühle ich meine Worte bestätigt, auch wenn ich mir zum damaligen Zeitpunkt noch nicht im Klaren darüber war, was danach kommt. Heute bin ich sicher, es wird eine Kirche danach geben. Das Gesicht dieser Kirche wird ein anderes sein und es wird an uns und den Generationen nach uns sein, dieses Gesicht zu gestalten. Als Grundlage oder Fundament wird uns die Bibel dienen und der Geist Gottes wird helfen, das Richtige zu tun, wenn wir ihn hören.

Wo sehen Sie Ihre persönlichen Stärken?

Ich kann zuhören.

Was macht Ihnen die größte Mühe?

Irgendwo, irgendwann pünktlich zu sein.

Wer oder was hat Sie geprägt?

Pfarrer Walter Benirschke, er war Religionslehrer. Er war ein charismatischer Geistlicher und einer, der sich viel Zeit genommen hat für Gespräche über Gott und die Welt. Meine Frau und ich waren oft, wenn wir übers Wochenende wieder mal unsere Familien in Friedberg besuchten, Samstagsabends bis spät in die Nacht zu tollen und sehr erhellenden Gesprächen bei ihm zu Gast. Wir wurden Freunde und durch diese Gespräche fand ich wieder zur Kirche zurück.

Was fasziniert Sie an Jesus Christus?

Ich bewundere seine Standhaftigkeit allen Versuchungen zum Trotz, seinen Weg, den er ja wohl kannte, zu gehen und seiner Berufung zu folgen.

Was fasziniert Sie an der (römisch-katholischen) Kirche?

Von einer Faszination kann ich nicht sprechen, eher von Eintreten oder auch von Begeisterung. Ja, ich trete für die katholische Kirche ein und ich begeistere mich dafür, dass sie, wenn auch unter äußerem Druck, der den Umständen geschuldet ist, bereit ist, Veränderungen zuzulassen. Ich begeisterte mich für unseren Papst, der den Namen Franziskus auch als sein Programm führt, ich denke, dass er mit vielen Widerständen kämpfen muss, was ihn manchmal zu Äußerungen zwingt, die er besser nicht getan hätte. Auch begeistere ich mich sehr für unseren Bischof Peter, nicht weil er mein Namensvetter ist, sondern weil ich das Ringen beobachte, in dem er sich befindet, um einerseits den Bedürfnissen der Menschen gerecht zu werden und andererseits den Richtlinien der römischen Kurie Rechnung zu tragen. Bedenken muss man immer wieder, dass die Menschen, die mit der Leitung unserer Kirche betraut sind, schlussendlich nur Menschen sind. Einer meiner Berufsschullehrer prägte den Satz: „Wo Menschen sind, das menschelt‘s“. Diesen Satz sollte man sich hin und wieder ins Gedächtnis rufen.

Haben Sie eine besondere Leidenschaft z. B. für eine bestimmte Musik, eine Kunstrichtung, ein Hobby?

Ich liebe alles was die Sinne anspricht, bildende Kunst, Barockmusik, aber auch Musik von Tschaikowsky, Mendelssohn, Liszt, Brahms Grieg, bis Gershwin. Ich koche gerne, auch kreativ.

Ich konnte für wenige Monate mit einem Fischkutter fahren, der leider wegen Baufälligkeit und Pilzbefall abgewrackt werden musste. Wenn ich es mir wieder leisten könnte, würde ich so etwas gerne wieder machen. Es ist einfach schön, Landschaften und Küsten vom Wasser aus zu sehen.

Was soll man Ihnen bei Ihrem Abschied sagen? Was würden Sie gerne hören?

Eine gute Frage, auf die ich keine Antwort weiß. Vielleicht einfach nur „Tschüss“. Wenn noch ein „gut gemacht“ hinterherkommt, bin ich sehr zufrieden.