... persönlich: Pfr. Sebastian Goldner

Goldner, Sebastian, Pfr. (c) S. Goldner
Goldner, Sebastian, Pfr.
Datum:
Di 13. Okt 2020
Von:
Pfr. Sebastian Goldner

Wenn wir als Christen Gott wirklich als Fundament und Ziel unseres Lebens sehen, dann bleibt auch Kirche lebendig.

Pfr. Sebastian Goldner ist seit gut einem Jahr als Pfarrer (streng genommen Pfarradministrator) der Pfarrgruppe Harheim / Nieder-Eschbach im Süden des Dekanats tätig. Zuvor war er schon von 2011 bis 2014 zur Ausbildung als Kaplan in Friedberg. Grund genug ihm unsere Fragen zu schicken.

Persönlich: Name, Alter, geboren/aufgewachsen in....

  • Name: Sebastian Goldner
  • (Alter), 38
  • Pfarradministrator der Pfarrgruppe Nieder-Eschbach/Harheim mit den Frankfurter Stadtteilen Nieder-Erlenbach, Harheim und Nieder-Eschbach. Vor allem Harheim und Nieder-Erlenbach würde ich augenzwinkernd als „Frankfurt-Land“ bezeichnen.
  • Ich bin gemäß meinem Personalausweis Frankfurter Bürger, geboren in Offenbach. Wenn ich mit meinem Auto in die Rodgauer Heimat fahren, dann kommen mir gelegentlich ironische Fragen entgegen, ob ich jetzt was Besseres wäre, statt mit dem OF jetzt mit dem F auf dem Kennzeichen herumzufahren. – Selbstverständlich! :-)
    Meine Heimatgemeinde ist St. Marien in Rodgau-Dudenhofen, im ursprünglich „evangelischen“ Stadtteil von Rodgau. Die Kirche wurde von Vertriebenen und Flüchtlingen Anfang der 50er Jahre erbaut. Zu meiner Zeit hatten sonntags nach uns die syrisch-orthodoxe Gemeinde ihren Gottesdienst in unserer Kirche. Somit ist mir von jungen Jahren an das Miteinander der christlichen Konfessionen ganz praktisch vertraut.
    Ein Osterfest ist mir da in besonderer Erinnerung: Alle Konfessionen feierten damals an einem Termin. In der Nacht waren die syrisch-orthodoxen in unserer Kirche und früh morgens, die Kirche wurde noch vom orientalischen Weihrauch entlüftet, kamen wir, um unsere Osternacht vorzubereiten. Die Feier begann am Osterfeuer vor unserer Kirche mit der evangelischen Gemeinde, die anschließend den Auferstehungsgottesdienst mit dem gemeinsam entzündeten Licht in ihrer Kirche feierten.

Wenn Sie nicht Seelsorger/in geworden wären, was wären Sie sonst?

Ein früherer Wunsch von mir war es Ingenieur zu werden – vor allem die Frage nach umweltschonender Mobilität fasziniert mich bis heute. Können wir mobil sein, ohne unserer Welt Schaden zuzufügen.

Charakterisieren Sie Ihr Aufgabengebiet/Ihre Gemeinde in höchstens 5 Stichworten!

Kindergartenträger, Gottesdienstvorsteher, Ansprechpartner

Was ist Ihre innere Motivation, dass Sie glauben – dass Kirche lebendig bleibt?

Wenn Gott das Fundament unseres Lebens ist und das Ziel, dann bleit seine Kirche lebendig. In unserer Gesellschaft, wo wir uns rechtfertigen müssen, warum wir glauben, ist es eine Herausforderung sich für Gott, für Jesus Christus zu entscheiden. Bisher her habe ich es erlebt, dass aus jeder schwierigen Situation es irgendwie einen Ausweg gegeben hat – er ist da.
Eines Tages wird es der letzte Tag sein, was kommt dann? Wenn er das Fundament meines Lebens ist, dann ist er auch mein Ziel!
Die Dinge des Lebens, Besitz, Beruf, persönliche Ziele, die alleine machen für viele schon den Sinn des Lebens aus. Ich glaube, da gibt es mehr.
Daher meine ich, wenn wir als Christen Gott wirklich als Fundament und Ziel unseres Lebens sehen, dann bleibt auch Kirche lebendig.

Was haben Sie gemacht, bevor Sie ins Dekanat kamen?

Ich war drei Jahre Pfarrer in Rheinhessen bei Alzey.

Wie erleben Sie die Wetterau / das Dekanat?

Heterogen.

Was macht Ihnen die größte Mühe?

Kindergartenträgerschaft.

Was macht Ihnen die größte Freude?

Seelsorgegespräche und Eucharistiefeier.

Wer oder was hat Sie geprägt?

Meine Familie, vor allem meine Eltern und Großeltern – und mein damaliger Heimatpfarrer!

Was fasziniert Sie an Jesus Christus?

Seine Botschaft, für mich am besten zusammengefasst mit: „Liebe Gott und liebe deinen Nächsten, wie dich selbst.“

Was fasziniert Sie an der (römisch-katholischen) Kirche?

Internationalität, soziales Engagement, Riten

Wenn Sie Jesus wären …?

  • Bei welchem „Tempel“ würden Sie sich eine Geißel aus Stricken machen, um diesen zu reinigen?
    Sitzungen! Ich hätte es nie für möglich gehalten, auf wie vielen Sitzungen die Anwesenheit eines Pfarrers vorgesehen ist. Wenn ich meine Gebets- und Gottesdienstzeiten gegenüber den Sitzungszeiten innerhalb einer Woche gegenrechne, erhalte ich gelegentlich ein erschreckendes Verhältnis. Problematisch finde ich, sobald ein Pfarrer noch eine Pfarrei dazu bekommt, steigert sich automatisch die Zahl der Sitzungen. Sitzungen mit Tagesordnung und Protokoll gehen meinem Kenntnisstand nach nicht auf die Botschaft Jesu zurück.
  • Wen würden Sie heilen wollen?
    „Dich und mich.“ Diese Antwort wird von Mutter Theresa überliefert, als sie gefragt worden sein soll, was sie in der Kirche als erstes ändern würde.

Wenn für Sie ein Sabbatjahr möglich wäre, was würden Sie in diesem Jahr tun?

Eine Weltreise.

Was soll man Ihnen bei Ihrem Abschied sagen? Was würden Sie gerne hören?

Auf Wiedersehen :) !