Aufmerksam werden für’s Wesentliche

Dekan Stefan Wanske (c) Pfr. Stefan Wanske, Dekan
Dekan Stefan Wanske
Datum:
Sa 29. Feb 2020
Von:
Pfr. Stefan Wanske, Friedberg, Dekan des kath. Dekanates Wetterau-West

Die ausgelassenen Fastnachtstage, an denen es rundgegangen ist, sind am Aschermittwoch zu Ende gegangen. Die Fastenzeit hat angefangen.

Statt Ausgelassenheit ist nun Besinnung angesagt. Aus dem „Außer-Sich-Sein“ im Faschingskostüm soll ein „In-Sich-Verweilen“ werden, ein Nachdenken darüber, was im eigenen Leben wirklich wichtig und wesentlich ist. Ich bin immer froh, dass das nicht von heute auf morgen passieren muss. Vierzig Tage bis Ostern sind mir dafür geschenkt. Der Aschermittwoch und auch der Sonntag danach sind der Auftakt dazu.

Das Aschenkreuz, mit dem wir uns in der Kirche bezeichnet haben, ist ein starkes Zeichen dafür. Im Alltag kommt sie heute kaum mehr vor. Zur Zeit meiner Großeltern war das noch anders: bevor in den siebziger Jahren die Zentralheizung ins Haus kam, begann noch jeder Tag mit dem Feuermachen in der Küche, und die Asche vom Vortag musste rausgetragen werden. Ein Teil davon war auch noch weiter zu benutzen: Manche Dinge wurden mit Asche saubergemacht und poliert, ein Teil davon konnte auf bestimmten Beeten im Garten als Dünger verwendet werden.

Da konnte man noch in der Alltagsarbeit erahnen, wieso schon seit alten Zeiten die Asche als Zeichen der Reinigung und als Zeichen für neues Leben steht.

So will ich die Fastenzeit verstehen: Als Einladung, mit meinem ganzen Leben an Leib und Seele neu zu werden. Für mich heißt das, aufmerksam werden fürs Wesentliche: Für Gott, der mich trägt und begleitet, für meine Mitmenschen, die zu meinem Leben gehören und die ich doch immer wieder zu wenig beachte, und nicht zuletzt für mich selbst und all das, was im eigenen Leben wichtig ist, was mir gut tut aber immer wieder zu kurz kommt.