Brannte uns nicht das Herz, als er unterwegs mit uns redete?

Pfr. Tobias Roßbach (c) Pfr. Tobias Roßbach
Pfr. Tobias Roßbach
Datum:
So. 1. Mai 2022
Von:
Pfr. Tobias Roßbach, Kath. Pfarrgemeinde Butzbach

Jedes Jahr in der Osterzeit steht eine besondere Kerze auf meinem Tisch. Sie ist schon etwas schief und auch das Motiv hat etwas gelitten. 

Es zeigt die beiden Jünger, die unterwegs nach Emmaus sind. Dieses Osterevangelium beschreibt, wie die enttäuschten Männer vor den Ereignissen in Jerusalem auf der Flucht sind und sich plötzlich der auferstandene Jesus zu ihnen gesellt. Er bewirkt in diesen zwei Menschen, dass ihr Herz, das vorher so niedergeschlagen war, wieder zu brennen anfängt: Sie spüren neue Hoffnung und erkennen Jesus als den Lebendigen.

Diese Kerze hat uns, eine Gruppe von 24 Männern unterschiedlichen Alters, bei einem neunwöchigen Aufenthalt in Israel 2009 begleitet. Diese Zeit war eine Zeit des Nachdenkens über unsere Berufung, die wir dort erfahren durften, wo Jesus gelebt hat. Es war die Zeit, sich die Frage zu stellen, ob man sich ganz von Christus in den Dienst nehmen lassen will.

Als Andenken an viele Erfahrungen hat sie mich seitdem begleitet. Oft ist sie schon mit mir umgezogen, kennt alle Stationen meines seitherigen Weges. Dieser Weg war oft nicht einfach: Anstrengungen, großer Einsatz von Arbeit und Energie, oft hat es auch Enttäuschung und Niedergeschlagenheit gegeben. Dazu kamen auch Zweifel und die Angst vor Fehlern und Misserfolg. Die Kerze erinnert mich aber vor allem an viele gute und lichtvolle Erfahrungen: an Menschen, die ich auf dem Weg kennengelernt habe und die mit mir im Glauben verbunden sind. Sie spricht von Freundschaften und Begegnungen, in denen ich die Nähe Gottes spüren durfte. Es waren Momente die neue Kraft gaben, in denen das Herz gebrannt hat.

In dieser Zeit, die von vielen Menschen als beängstigend empfunden wird, stehen wir vor der Herausforderung, viele neue Wege zu gehen: als Kirche, als Nation, als Weltgemeinschaft oder vielleicht im ganz privaten Bereich. Die Kerze mit ihrer Botschaft macht mir Mut, diese Wege zu gehen. Sie erinnert mich an die Zusage des Auferstanden, dass er alle Tage bei uns bleiben wird und dass wir seine Gegenwart erfahren dürfen, wenn ER in seinem Wort zu uns spricht und das Brot mit uns teilt. Lassen wir uns ein auf diesen Weg und gehen ihn gemeinsam: mit Zuversicht und einem brennenden Herzen.