Computersegen und afrikanische Klänge

Angebotsvielfalt bei der zweiten Wetterauer Nacht der Kirchen

ACK Wetterau: Vor Ort - Ökumenisch - Einladend (c) ACK Wetterau
ACK Wetterau: Vor Ort - Ökumenisch - Einladend
Mi 19. Jun 2019
Kerstin Rehberg-Schroth + Andreas Münster

Keine 100 Meter liegen zwischen der hochgotischen evangelischen Stadtkirche und der neugotischen katholischen Marienkirche in Friedberg, die beide mit einem musikalischen Angebot an der Nacht der Kirchen teilnahmen, zu der die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in der Wetterau am 14. Juni zum zweiten Mal einlud.

Orgelkonzert ...

Die illuminierte Stadtkirche während des Orgelkonzerts
Die illuminierte Stadtkirche während des Orgelkonzerts

In der Stadtkirche bot Dekanatskantor Ulrich Seeger den Besuchern eine lange Nacht an der Orgel. Zwischen bunt beleuchteten Säulen konnten die Besucher den Klängen lauschen, die Organisten der Orgel entlockten. Im Kontrast zum stillen Angebot innerhalb der Kirche lud außen vor der Kirche Bless-U-2, der Segensroboter der EKHN, liebevoll genannt „Blessie“, dazu ein, sich mit Fragen rund ums Segnen auseinanderzusetzen.

... und afrikanische Klänge

Tanz und Musik aus Kamerun in der Marienkirche
Tanz und Musik aus Kamerun in der Marienkirche

In Sichtnähe zu diesen beiden zwar unterschiedlichen, jedoch eher meditativ stimmenden Angeboten ging es in der Marienkirche eher laut zu: Kamerunische Studierende der Technischen Hochschule sangen, trommelten und tanzten Loblieder in langen andauernden Blöcken und zogen die Besucher der Kirche, die teilweise mitklatschten und tanzten, in ihren Bann. Die Freude an Gott wurde hier erfahrbar. In den kurzen Musikpausen las Hochschulseelsorgerin Dr. Kerstin Rehberg-Schroth, die den Abend mit Studierenden der noch jungen Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) in Friedberg in Kooperation mit dem Kamerunischen Verein an der Hochschule (KHFried) organisiert hatte, Texte vom Weltgebetstag der Frau aus dem Jahr 2010, der damals von Frauen aus Kamerun vorbereitet worden war. Außerdem boten die Studierenden vor der Kirche kamerunische Spezialitäten vom Grill und aus der Fritteuse an.

Vielfältig und eins in Christus

Diese Nähe der Orte mit der Unterschiedlichkeit ihrer Angebote (von klassischer mitteleuropäischer Orgel bis zur afrikanischen Musik mit Tanz) ist ein Sinnbild für das, was die Wetterauer Nacht der Kirchen bezwecken will: Sie lädt ein zu erleben, wie vielfältig Christentum in der Wetterau gelebt wird und wie sich die Menschen in dieser Unterschiedlichkeit doch ihrer Einheit und Gemeinschaft bewusst sind. Diese Gemeinsamkeit fand ihren Ausdruck im Eröffnungsgebet, das in allen 32 teilnehmenden Kirchen nach dem Eröffnungsläuten um 19 Uhr gebetet und gesungen wurde. „Strahlen brechen viele aus einem Licht. Unser Licht heißt Christus“, so tönte es im Lied (Evangelisches Gesangbuch EG 268), das in den Kirchen zu Orgel- oder Trommelbegleitung, aber überall mit lauter Stimme gesungen wurde.

Wir sind vielfältig und eins in Christus, sind unterschiedliche Strahlen desselben Herrn. Das zeigt sich in der Wetterau nicht nur durch inhaltliche und konfessionelle Vielfalt, sondern auch in einer (räumlichen) Weite und in einer großen Diversität der Kirchengebäude. Um die Wetterauer Nacht der Kirchen zu erleben, legten Menschen daher weite Strecken zurück: Es sind gut 50 km Autofahrt zwischen den teilnehmenden Kirchen in Butzbach und Büdingen oder 40 km zwischen Eichelsdorf und Büdesheim, den „äußersten“ Kirchen, die sich an der zweiten Wetterauer Nacht der Kirchen beteiligt haben. Jede dieser Gemeinden und 28 andere „dazwischen“ haben den Rahmen genutzt, ihre Kirche von 19 bis 23 Uhr offen zu halten und je besondere Angebote zu gestalten, ihre Kirchen und Gemeinden vorzustellen.

Angebote in Ost und West, Nord und Süd

Der Glaube will wachsen
Der Glaube will wachsen

Plastisch erfahrbar wird in der Stadtmission in Butzbach, was es bedeuten kann, Schwerter zu Pflugscharen zu machen: Die Gemeinde nutzt seit nun 16 Jahren ein Gebäude, dass rund ein Jahrhundert lang militärisch genutzt wurde. Jetzt befinden sich hierin die Gottesdienst- und Gemeinderäume, und als Zeichen des Friedens wächst inmitten des Gebäudes ein Baum und erstreckt sich über mehrere Stockwerke. Kunst und Kultur war in anderen Kirchengebäuden, die sonst meist nur während der Gottesdienstzeiten geöffnet sind, ein Abend zu bestaunen.

Altarbild und Lichteffekte in Ober-Mörlen
Altarbild und Lichteffekte in Ober-Mörlen

Erlebbar wurden Friede, Stille, Lebendigkeit aber eben nicht nur in den reinen Gebäuden, sondern auch in den jeweils unterschiedlichen Angeboten, die von ganz unterschiedlichen Menschen vorbereitet wurden. So waren es teilweise hauptamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger, die die Angebote organisiert haben, oft waren es ehrenamtliche Gemeindemitglieder, denen es wichtig war, ihre Kirche an dem Abend offen zu halten. So haben z.B. in Ober-Mörlen Ministranten durch ihre Kirche geführt, sie vorgestellt und haben dies mit Musik und Lichtelementen verstärkt.

Es gab Angebote der Stille, wie z.B. in St. Bonifatius Büdingen; es gab Besinnliches wie z.B. Taizé-Gesänge in evangelischen Marienkirche in Büdingen oder ein begehbares Labyrinth in St. Bonifatius in Karben; es gab sogar einen zehn Kilometer lange Pilgerwanderung, die unter dem Titel „Pilgerweg – Lebensweg“ einlud, zu Fuß die zu einem Pfarramtsverbund gehörenden Kirchen in Wolf, Aulendiebach und Rohrbach zu besuchen und sich unterwegs der eigenen Taufe, der Stärkung durch Abendmahl (bzw. Eucharistie) und schließlich unserem Weg hin zur Auferstehung bewusst zu werden. Daneben gab es Angebote, die stärker die Lebendigkeit von Kirche in den Vordergrund rücken wollten, wie z.B. der bereits erwähnte kamerunische Gesang in der Friedberger Marienkirche oder die Einladung zum Lobpreis für Jugendliche, organisiert von der selbst noch jungen Freien Evangelischen Gemeinde in Friedberg. Überall gab es Gespräche. Viele überraschende Begegnungen machten diese Stunden zu einer ganz besonderen Zeit. Der von der ACK gewünschte Austausch über Konfessions- und Gemeindegrenzen hinweg ist dabei voll geglückt. Einziges Manko sieht Kerstin Rehberg-Schroth darin, dass man leider nicht an allen 32 Orten dabei sein konnte, erst recht nicht, wenn man selbst in einer Kirche für ein Angebot verantwortlich war. Denn so sagt sie: „Jedes einzelne Angebot hat Lust gemacht, dort den Abend zu verbringen.“ Daher verwundert es nicht, dass viele Menschen das Angebot genutzt haben und sich die jeweiligen Veranstalter vor Ort daher dauerhaft über Gäste freuen konnten. Deshalb ergänzt sie: „Aber es war schon großartig, die kamerunische Begeisterung beim Singen zu erleben. In vielen Gesprächen mit ganz unterschiedlichen Menschen, die in Kirche gekommen sind, konnte ich hören, dass dieser Funke auf viele übergesprungen ist.“ Auch Dekanatsreferent und ACK-Vorsitzender der Wetterau Andreas Münster ist dankbar für den gelungenen Abend und betont: „Ich freue mich sehr, dass wir zum zweiten Mal gezeigt haben, dass das Format der offenen Kirchen nicht nur etwas für Großstädte ist, sondern auch im ländlichen und kleinstädtischen Bereich viel Anklang findet und Kreativität freisetzt.“

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