Das Glückskonto

Regina Röhrig (c) Regina Röhrig
Regina Röhrig
Fr 3. Jul 2020
Regina Röhrig, Schulseelsorgerin an der Sankt Lioba Schule, Bad Nauheim

Ein Mann war unzufrieden und ging zu einem Weisen. Dieser gab ihm einen Rat:

 “Stecke dir doch jeden Morgen 10 Bohnen in die linke Hosentasche, und immer dann, wenn du einen schönen Moment erlebst, nimm eine Bohne und stecke diese in die rechte Hosentasche - du wirst zufriedener leben.”
Er hielt sich an den Rat und lernte bald Kleinigkeiten wertzuschätzen, z.B. morgendliches Vogelzwitschern, eine gute Tasse Kaffee, ein kitzelnder Sonnenstrahl, ein schattiger Platz in der Mittagshitze, ein freundlicher Gruß auf der Straße. Je mehr er auf seinen Alltag achtete, umso mehr Glück bringende Situationen konnte er auf seinem ‚Bohnen-Konto‘ verbuchen und er ging jeden Abend glücklich ins Bett.

An diese Geschichte musste ich vor Kurzem denken, denn die Corona-Zeit führte mich genau zu dieser Erfahrung: Manchmal fiel mir ‘die Decke auf den Kopf’, und ich fühlte mich ziemlich einsam, so ohne direkte Kontakte, aber die Zeit im Garten mit Zwitschern, Käfersurren und selbst gebrühtem Cappuccino zauberten auch mir ein Lächeln ins Gesicht.

Vermutlich waren die Sorgen des Mannes nicht wie weggeblasen; es waren schließlich nur 10 Bohnen und keine 100, aber diese 10 reichten aus, um seinen Blick zum Glück umzukehren.

Es müssen auch keine Bohnen sein; kleine Einträge in den Kalender reichen aus, um dankbar zu erkennen, wie viele Dinge uns im Leben geschenkt werden - für mich sind dies Geschenke eines liebenden Gottes. Und sollte das Glück wirklich einmal schwer zu finden sein, dann hilft vielleicht das Nochmal-Lesen von alten täglichen Glückserlebnissen.

Regina Röhrig
Schulseelsorgerin an der Sankt Lioba Schule, Bad Nauheim

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