Das Liebeslied Gottes

Gesprächskonzert der in Burgkirche befasst sich mit Wirkung von Gesang und instrumentalen Stücken

Die Dekanatskantorei Friedberg unter Leitung von Kantor Ulrich Seeger berührt die Zuhörer mit eindringlichem Gesang. (c) Evang. Dekanat Wetterau
Die Dekanatskantorei Friedberg unter Leitung von Kantor Ulrich Seeger berührt die Zuhörer mit eindringlichem Gesang.
Mi 27. Mär 2019
Petra Ihm-Fahle

Friedberg - Wer weiß? Vielleicht sang Martin Luther bei seinem Besuch Friedbergs 1521 auch dort mit seiner Laute. Denn der Musik schuf Luther einen großartigen Platz, wie Kantor Ulrich Seeger beim Gesprächskonzert „Von Bachkantate bis Gospel“ erzählte. Bei der Veranstaltung, die jetzt in der Burgkirche terminiert war, erfuhren die Zuhörer viel über kirchliche Musik. Sie lauschten dem berührenden Gesang der Dekanatskantorei, sangen aber auch mit.

Klassik und Gospel

Mit der Motette „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy lieferte die Kantorei eindrucksvoll den Auftakt. „Vor eineinhalb Jahren fingen wir an, eine Reihe ‚Spiritualität in der Wetterau‘ zu planen“, schilderte Ökumene-Pfarrer Peter Noss vom Evangelischen Dekanat. Das Organisatoren-Team habe sich gleich gesagt: „Dazu gehört auch die Musik.“ Da die Vielfalt groß sei, entstand die Idee zu der Veranstaltung. Der Rosbacher Pfarrer Gerrit Boomgaarden ging auf ein Zitat ein: „Die Bibel ist der Liebesbrief Gottes an die Menschen.“ Musik spiele dabei eine Rolle, denn sie wecke Gefühle. Manche Dinge ließen sich nicht aussprechen, sondern nur in musikalischen Tönen umsetzen. Betrachte man die Bibel, fuhr Boomgaarden fort, finde sich dazu viel.

Während der Rosbacher Pfarrer das Gebiet Gospel abdeckte, war Kantor Seeger für den klassischen Part zuständig. Wie Seeger erklärte, habe die Kirchenmusik ihre Quellen im Alten Testament, beispielsweise bei König Salomon. Im Neuen Testament hingegen spielten die Psalmen eine Rolle, die gesungen werden können. In den Klöstern des Mittelalters bestimmte unter anderem die Musik den Tagesablauf, indem die Mönche die Stundengebete sängerisch umsetzten. Und nach wie vor wirke wohltuend auf Menschen, die alten Texte zu singen. Seeger ging auf Luther ein, für den klar gewesen sei, wieso die Vögel morgens zwitschern: „Sie stehen zwischen Erde und Himmel und musizieren.“

Musik bewegt

Pfarrer Boomgaarden erinnerte sich, wie er als Jugendlicher zum ersten Mal „Danke für diesen schönen Morgen“ hörte. Das habe ihn beeindruckt, denn es war etwas Neues. „Damit kamen immer mehr Lieder, die moderner waren oder aus anderen Ländern stammten.“ Dies seien die Gospels und Spirituals gewesen. Auch in Deutschland würden mittlerweile Gospels geschrieben, die Lobpreisungen und Anker in vielen Lebenssituationen seien.

Wie Kantorei-Sängerin Barbara Bieler aus Friedberg schilderte, begegnete sie der Kirchenmusik schon früh. „Das Besondere ist, dass das Singen von Chorälen Körper und Seele der Sänger und Zuhörer sensibilisiert.“ Sängerin Ilse Etzel aus Friedberg ging auf das burgundische Dorf Taizé ein, das Zentrum eines internationalen Ordens ist. Ein wichtiger Aspekt sei dort die Musik. „Sie bereitet den Weg zum Innehalten, mit sanften Melodien und reduzierten Texten, die von Vertrauen und Liebe handeln.“

Bei dem Gesprächskonzert wechselten Infos und Gesang einander ab. Zu hören war beispielsweise das „Kyrie“ des Komponisten Steve Dobrogosz, fulminant vorgetragen durch die Kantorei. Auch das gemeinsame Singen alter Psalmen und moderner Lieder berührte. Pfarrer Noss bekannte am Ende: „Ich kann mich nicht entscheiden, was mir in dem musikalischen Spektrum besser gefällt.“ Erfreulicherweise gebe es immer wieder Gelegenheit, Stücke wiederzuhören.

Veranstaltungsreihe der ACK: Freude an Gott - Spiritualität in der Wetterau erleben

In der Reihe „Spiritualität in der Wetterau erleben“ sind zwei weitere Veranstaltungen geplant: „St. Johannes Evangelist: Katholischer Nachkriegsbau und zeitgenössischer Kreuzweg“ (Donnerstag, 11. April, Einführung 18.30 Uhr, Meditation und Kreuzwegandacht 19 Uhr (Gartenstr. 22, Rosbach-Rodheim). „Mit Leib und Seele Gott loben: Hörende und Gehörlose feiern zusammen einen Gottesdienst“ (Sonntag, 12. Mai, 14 Uhr, Evangelische Stadtkirche Friedberg).

Überblick zur Reihe "Freude an Gott"