Die Welt retten

P. Georg-D. Menke (c) Menke
P. Georg-D. Menke
Sa 1. Aug 2020
P. Georg-D. Menke op, Pfarrer an der JVA Butzbach
Dominikaner des Mainzer Klosters

Schon lange begleitet mich das Wort des Schriftstellers Bruce Marshall: „Nur zwei Dinge können die Welt retten: Das Beten und das Denken. Nur leider verhält es sich so, dass die Beter nicht denken und die Denker nicht beten.“

In der Pandemie erhält ein solch provokantes und zugleich verblüffendes Wort eine besondere Brisanz. Denn wir merken, wie sehr uns alles zwischen den Fingern schwindet, wie sehr sich Unsicherheit breitmacht, dass Furcht und Unmut uns erfüllen. Menschliche Nähe, selbstverständliche Treffen und eine Perspektive fehlen uns – und sie sind so lebensnotwendig.

Die Welt zu retten, liegt nicht gerade auf der Hand. Dazu sind wir viel zu sehr mit den ständigen Veränderungen und vor allem mit den Einschränkungen beschäftigt. Aber die künftige Normalität könnte tatsächlich neu sein.

Da hilft Bruce Marshall mit seinem Hinweis auf die Zusammengehörigkeit von Beten und Denken, um die Welt zu retten, möglicherweise ebenso neu.

Beten können wir beispielsweise um die antiquiert und angestaubt scheinende Demut. Denn in der Pandemie haben wir herb und deutlich erfahren, dass wir eben nicht alles machen können und unser Leben zerbrechlich ist.

Denken können wir beispielsweise, dass Profit und ewiges Wirtschaftswachstum nicht das ausschließlich Wichtigste sind. Denn die Pandemie drängt uns, neu über unsere absoluten Werte nachzudenken.

Ein „Desto mehr – desto besser“ sollte am besten nicht zur künftigen Normalität gehören. Nicht, dass ich das „mehr“ nicht jedem gönne. Es könnte aber sein, dass dieses „mehr“ auf Kosten anderer geht und letztlich gar nicht die erhoffte Erfüllung bringt.

Das sind bescheidene Aussichten und naive Überlegungen?

Möglicherweise bringen solches Beten und Denken am Ende Erfüllung und Glück – und machen Freude.

P. Georg-D. Menke op,
Pfarrer an der JVA Butzbach
Dominikaner des Mainzer Klosters