Eine Lehre vom A………r!

P. George Arul Jeganathan ISch (c) P. George
P. George Arul Jeganathan ISch
Datum:
So. 6. März 2022
Von:
P. George Arul Jeganathan ISch, Pfarrer im Pfarreienverbund Erlenbach-Eschbach

Liebe Mitchristen!

Ich beginne mit einer kurzen Frage. Stellen Sie sich bitte vor, was Sie alles in Ihrem Büro oder Arbeitszimmer haben!

Es gibt verschiedene Gegenstände. (z. B. Geschenke, riesiger Tisch mit PC, Bücher, Ordner, Sessel, Blumen, Masken, Desinfektionsmittel usw.) So viele Sachen werden gedanklich vor Augen kommen!

Hat jemand über einen Abfalleimer nachgedacht? Wahrscheinlich nicht! Wir haben ihn in fast allen Zimmern, jeweils einen.

In Indien hatte ich 5 Jahre lang einen Abfalleimer unter meinem Tisch stehen. An einem Tag wurde mein Abfalleimer das Wichtigste der Welt. Er war mir plötzlich sehr wichtig geworden.

Wie kam das? Ja, ich hatte versehentlich einen kleinen Zettel mit einer wichtigen Adresse verloren. Er war aus einem geöffneten Umschlag herausgerutscht. Es war ein sehr kleines Papier. Aber ich brauchte es unbedingt. Was habe ich gemacht? Folgende Rituale begann ich!  Ich stand von meinem Stuhl auf, kniete mich neben meinen Abfalleimer und hob vorsichtig alle Abfälle heraus, um diese wichtige Adresse zu finden. Für einige Zeit bekam der Eimer eine Sonderwürde und Wichtigkeit.

Normalerweise enthält der Abfalleimer ja nur den Müll oder erledigte Sachen, was wir nicht benötigen. Nun plötzlich enthält er etwas sehr Wichtiges oder etwas Verlorenes. Das ist der Punkt: Es gibt eine Differenz zwischen dem, was abgelehnt oder nicht notwendig ist, und dem was verloren ist.

Dieser Akt zeigt mir oder öffnet meine Augen, wie er in unserem alltäglichen Leben vorkommt. Es zeigt sich ein Hinweis unserer innewohnenden Werte: nämlich, wenn wir keinen Wert für Gott und seinen Dienst sehen oder ihn absichtlich ablehnen. Gott sieht uns nicht als unnötige, abgelehnten Sachen, sondern nur als Verlorene: wie verlorene Schafe, Münzen oder den verlorenen Sohn. Wenn der Hirte total übermüdet nach Hause kommt und merkt, dass ein Schaf verloren ist, geht er sofort hinaus, um dieses Schaf zu finden.  

Vergleichen wir nun die Welt mit einer großen Mülltonne, prall gefüllt mit viel Unrat. Aus Gottes Sicht aber sind wir wichtig. Es gibt in dem riesengroßen Behälter irgendwo den Sohn oder die Tochter, die er liebt. Sie sind für Gott so wichtig, wie mein kleiner Adresszettel es für mich war und ich ihn angestrengt und besorgt suchte. Er weiß, ich kann nur verloren sein oder nur versteckt sein, nicht ewig verloren gehen. Wenn wir uns verloren oder leider unerkannt fühlen, denken wir an mal den Abfalleimer. Der Respekt vor meinem Abfalleimer ist noch größer!