Hoffnung auf ein gewendetes Los

Weitzel, Juliane (c) Juliane Weitzel
Weitzel, Juliane
Datum:
So. 24. Okt. 2021
Von:
Juliane Weitzel, Gemeindereferentin in Friedberg, Mariä Himmelfahrt und in der Pfarrgruppe Wöllstadt/Rodheim

Die Bibel ist ein faszinierendes Buch – bis heute. Ich weiß nicht, wie vertraut Sie mit den Texten sind, in denen jahrtausendealte Wahrheiten gesammelt sind. Ich selbst lese und bete immer wieder gerne in und mit der Bibel.

Besonders nah ist mir das Buch der Psalmen. Hier findet sich eine Sammlung von Gebeten und Liedern, die etwa um das Jahr 1000 v. Chr. entstanden sind, als David König von Israel war. Und obwohl diese Texte so alt sind, empfinde ich vieles, was die Menschen damals gebetet haben, auch für mein Gebet heute passend.

In Psalm 126 heißt es zum Beispiel: „Als der Herr das Los der Gefangenschaft Zions wendete, da waren wir alle wie Träumende. Da füllte sich unser Mund mit Lachen, und unsere Zunge mit Jubel…“

Nach einer langen Zeit, die von Angst, Gewalt und Unsicherheit geprägt war, von Trauer und Sorge, wendet sich das Los: Es ist wieder möglich, zu träumen und auf Verbesserung zu hoffen. Mund und Zunge sind mit Lachen und Jubel gefüllt, was sie sicher während der Gefangenschaft nicht waren. Der Blick geht nach vorn, und ein neues Gemeinschaftsgefühl wird im Volk spürbar.

Es steckt die menschliche Erfahrung darin: Lebensgeschichte ist immer wechselhaft. Es gibt gute Jahre, Zeiten von Jubel und Lachen, und es gibt Durststrecken, Gefangenschaft, Mutlosigkeit und Traurigkeit.

Der Psalm schließt mit den Worten: „Die mit Tränen säen, werden im Jubel ernten.“ Und diese Hoffnung dürfen wir Heutigen mit den Betern des Psalms damals teilen: Auf ein gewendetes Los. Auf ein Ende der Gefangenschaft und Angst. Auf einen Mund voll Lachen und eine Zunge voll Jubel, selbst wenn uns das manchmal unerreichbar weit weg zu sein scheint.