Manchmal muss ich mich suchen gehen - Wie schön, wenn man etwas findet.

Hauchdünnes Blattgold wird mit dem Pinsel aufgetragen (c) Andreas Münster
Hauchdünnes Blattgold wird mit dem Pinsel aufgetragen
Di 29. Okt 2019
Andreas Münster

Es war ein ganz eigenes Bild, wie die sechs Teilnehmer/innen am Samstagvormittag, den 19. Oktober, mit Gummistiefeln in dem Flüsschen Usa standen und sich nach Steinen bückten. Zumal alle in einem Alter waren, wo man in der Regel nicht mehr mit Gummistiefeln durch die Pfützen hüpft.

Spirituell-kreativer Workshop "Wegsteine" in Wetterau-West

"Goldfinger" ganz ohne James Bond

Aber was wie eine Erinnerung an die Kindheit wirkte, war ein wichtiges Element in einem spirituell-kreativen Workshop mit dem Titel „Wegsteine“, den Restauratorin und Künstlerin Christiane Kunz-Weiß zusammen mit Dekanatsreferent Andreas Münster zum ersten Mal anbot. Die Idee dahinter: Sich mit Hilfe des Symbols Stein und dem praktischen Tun des Vergoldens mit dem eigenen Leben zu beschäftigen und dieses zu „vergolden.“

Symbol für das Leben

Herz aus Gold (c) Andreas Münster
Herz aus Gold

Eine Vielfalt von Anregungen führte am Vormittag zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensweg. Zunächst das schon erwähnte praktische Suchen, anschließend musste man einige Steine auswählen, die dann zu reinigen waren. Überraschend: Durch das „Putzen der Steinen“ wurden auf einmal Farben und Strukturen sichtbar, die vorher noch verborgen waren. Jede der Tätigkeiten ist Symbolbild für das Leben. Das wurde verstärkt durch Impulse aus der Bibel über Steine und Steinmale, Beispiele der Verwendung von Steinen im Alltag und Anregungen aus Redensarten: Von den Steinen, die mir vom Herzen fallen über die Steintafeln als feste Erinnerung oder Wegmarkierungen bis hin zu den Grabsteinen, die etwas Bleibendes angesichts von Vergänglichkeit ausdrücken.

Goldene - persönliche - Mitte

Wegspuren (c) Andreas Münster
Wegspuren

Am Nachmittag stand das tatsächliche Vergolden eines gefundenen Steins im Mittelpunkt. Die Referentin Christiane Kunz-Weiß verstand es gekonnt, die Informationen über die Techniken des Vergoldens mit der symbolischen Bedeutung von Gold in den unterschiedlichen Kulturen zu verbinden. So vorbereitet und eingestimmt, war dann die Motivation groß, einen ausgewählten Stein mit Blattgold zu überziehen. Der technische Prozess spiegelte auf unterschiedliche Art und Weise die persönliche Reflexion wieder: Zum Beispiel, dass man das Herz vergoldete oder sich mit der Frage auseinandersetzte, wo das Leben glatt läuft oder wo Ecken und Kanten gefordert sind.

Schließlich wurde der vergoldete Stein zusammen mit anderen zu einer Lebensspur gelegt. Das gemeinsame Betrachten der Wegspuren und der Segen beschlossen den Tag.

Jede der Teilnehmer/-innen hatte ihren individuellen Gewinn aus diesem Tag mitgenommen, gemeinsam war die Erkenntnis, wie wichtig es ist, sich immer mal wieder Zeit für sich selbst zu nehmen: Manchmal muss ich mich suchen gehen.