Palmsonntagsprozession in Jerusalem

Pfr. Tobias Roßbach (c) Pfr. Tobias Roßbach
Pfr. Tobias Roßbach
Fr 3. Apr 2020
Pfr. Tobias Roßbach, Kath. Pfarrgemeinde Butzbach

Hatten Sie schon einmal die Gelegenheit, die Palmsonntagsprozession in Jerusalem mitzufeiern?

Vor einigen Jahren konnte ich dieses Ereignis in einer Pilgergruppe miterleben. Wir hatten uns echte Palmwedel geschnitten und waren gespannt auf die Feierlichkeiten. Was sich dann dem Besucher bot, hatte so überhaupt nichts mit der ernsten und getragenen Atmosphäre zu tun, die wir in hierzulande bei den Gottesdiensten in der Karwoche erleben. Bei dieser Prozession herrschten ein reges Getümmel und eine ausgelassene Stimmung. Die arabischen Christen mit ihrer orientalischen Lebensfreude prägten diesen bunten Zug, der sich durch die Straßen und Gassen über den Ölberg hinweg nach Jerusalem schlängelte. Nicht lange, und man wurde mitgerissen vom Singen und vom Rhythmus der feiernden Menge.

So ähnlich, dachte ich mir, musste es damals gewesen sein, als Jesus auf seinem Esel reitend nach Jerusalem gezogen war. Und mitten in der Masse feiernder Menschen war er mir plötzlich ganz gegenwärtig: vom Jubel der Menge getragen – aber in dem Wissen, dass er seinem Tod entgegen ging. Was mag in jenem Moment in ihm vorgegangen sein?

Mir wurde plötzlich seine tiefe Einsamkeit bewusst, eine angstvolle Einsamkeit, obwohl seine Jünger und Sympathisanten ihn umringten. Diese Einsamkeit ist eine Grunderfahrung, die wir Menschen immer wieder machen: Die Erfahrung, alleine zu sein mit meinen Ängsten und Zweifeln, meinen Sorgen und Schwächen. Selbst die Nähe und Gegenwart geliebter Menschen kann diese tiefe Einsamkeit oft nicht heilen, nicht überbrücken und nicht trösten.

Letztlich konnte Jesus diesen Weg nur zu Ende gehen, weil er sich in seiner Einsamkeit ganz von Gott getragen und gehalten wissen durfte. Diese Erfahrung in Jerusalem kann auch mich trösten und lässt mich Hoffnung schöpfen, dass ich in meiner Einsamkeit nicht alleine bin, weil Jesus sie mit mir geteilt hat.

Vielleicht hat er sich an den Worten des Psalmes 63 festgehalten, an denen auch ich mich festhalten darf: Gott, meine Seele hängt an Dir, Deine rechte Hand hält mich fest! So konnte er seinen Weg weitergehen.