Sich treiben lassen

Spirituelle Tage auf dem Main bei Münsterschwarzach

Getragen sein
Getragen sein
Do 19. Sep 2019
Andreas Münster

Über viele Lebensthemen kann man referieren, Vorträge hören, Bücher lesen. Ganz anders ist der Eindruck, wenn man die Themen unmittelbar erlebt. So ging es den Teilnehmer/-innen, die sich mit Kajaks auf der Volkacher Mainschleife treiben ließen.

Auf dem Main (c) Andreas Münster
Auf dem Main

Vom 29. August bis 1. September ließ sich eine kleine Gruppe darauf ein: sich treiben lassen und einmal nichts tun. Also wirklich nichts: Man saß eine Dreiviertelstunde im Boot und setzte sich der Strömung aus ohne einzugreifen. Das ist durchaus eine interessante Erfahrung, wenn man gut vorankommt, obwohl man gar nichts macht. Und umgekehrt ist es auch nicht leicht auszuhalten, wenn man im Dickicht des Ufers festhängt und gar nichts mehr geht. Ein Sinnbild für den einen oder anderen Lebensabschnitt, so wie auch viele andere Erfahrungen in diesen Tagen. Neben diesem ausdrücklichem Erlebnis des Sich-treiben-lassens wurde aber auch ganz normal gepaddelt. Es gab dazu Impulse für das Beten auf dem Fluss, die Gruppe machte einen Abstecher zur Wallfahrtskirche Maria im Weingarten, man hatte Gelegenheit an den Gebetszeiten der Benediktiner von Münsterschwarzach teilzunehmen und zum Abschluss gingen alle im Steinlabyrinth den Weg zur Mitte.

Sinnbild des Lebens

Am Ende des Weges liegt ein Lächeln
Am Ende des Weges liegt ein Lächeln

In den angeleiteten wie den spontanen Gesprächen spielten immer wieder scheinbar vertraute Redensarten eine Rolle: Vom Sich treiben lassen zur Treibjagd, von dem, was einen so umtreibt über das sich getrieben fühlen bis zum ruhigen Fahrwasser, das man sich für sein Leben wünscht. Und was für den einen der Beginn von wirklicher Ruhe und Entspannung ist, wird für den anderen schon zum Beginn von Langeweile und man möchte lieber im oder gegen den Strom schwimmen. Es war für alle ein wertvolles Einüben der individuellen Balance von Ruhe und Bewegung.