Stille Reserven

Anette Bill, Ev. Pfrin (c) Ev. Dekanat
Anette Bill, Ev. Pfrin
Datum:
Sa. 29. Mai 2021
Von:
Pfrin. Anette Bill, Evangelische Klinikseelsorge Bad Nauheim

Jetzt geht es wieder los. Wenn die Erdbeersaison beginnt, muss ich aufs Feld und einen großen Korb Erdbeeren pflücken.

Frisch schmecken sie am besten – pur oder auf dem Kuchen. Und ich koche immer auch Marmelade, sie duftet im ganzen Haus. Nach den Erdbeeren kommen dann die Johannisbeeren, Himbeeren und Brombeeren dran. Auch Aprikosen und wilde Pfirsiche kommen bei mir ins Marmeladenglas.

Mir gefallen diese vollen Marmeladengläser in der Vorratskammer, stille Reserven für Zeiten, in denen keine Früchte wachsen. Ich öffne ein Glas im Winter und es schmeckt und duftet wie ein sonniger Sommertag.

Auch unsere Seele hat die wunderbare Fähigkeit, in guten Zeiten stille Reserven anzulegen. Ganz selbstverständlich sammelt sie Vorräte für Zeiten, in denen wir eine Extraportion Energie brauchen.

All unsere Erfahrungen, wo wir Hilfe, Freundschaft und Liebe erfahren haben, wo wir Glück im Unglück hatten, wo wir Probleme gelöst und Krisen überstanden haben, alles wofür wir Gott und anderen Menschen dankbar sind, sammelt und speichert die Seele in unserem Inneren.

Diese konservierten Schätze, auch unsere gesammelte Lebensweisheit und Welterfahrung, sind aufgehoben in inneren Vorratskammern. Aus diesen stillen Reserven nähren wir uns im täglichen Leben ganz selbstverständlich. Gerade in schweren Zeiten tut es gut, die Türen zu den inneren Reserven aktiv zu öffnen und sich die Bilder unseres gelungenen Lebens vor Augen zu führen. Das gibt Körper und Seele neue Kraft.

Darüber hinaus können wir sogar noch auf manche Vorräte zurückgreifen, die unsere Vorväter und Vormütter gesammelt und von Generation zu Generation weitergegeben haben.

In der Bibel sind solche Vorräte aufgehoben, stille Reserven aus drei Jahrtausenden - ohne Verfallsdatum.

Sie machen Mut, das Schwere bei Gott abzulegen, und darauf zu vertrauen, dass Gott für uns sorgt (1. Petrus 5,7).