Über die „politische Liebe“

Prof. Dr. Peter Kohlgraf, Bischof von Mainz (c) Bistum Mainz
Prof. Dr. Peter Kohlgraf, Bischof von Mainz
Datum:
Fr. 1. Jan. 2021
Von:
Prof. Dr. Peter Kohlgraf, Bischof von Mainz

Peter Kohlgraf, Bischof der Diözese Mainz zu der auch die Wetterau gehört, hat im Dezember in der Kirchenzeitung die Gläubigen zum Respekt gegenüber den Politikern aufgefordert. Diese Forderung betrifft nicht nur Gläubige, sondern alle Menschen guten Willens.

Lesen Sie hier Auszüge aus seinem Text als Inspiration oder guter Vorsatz für das neue Jahr.

„… An den schuldigen Respekt gegenüber denen, die in unserem Land Verantwortung tragen, will ich im Anschluss an Papst Franziskus erinnern. Politikerinnen und Politiker, angefangen auf der kommunalen Ebene bis hin zu Mitgliedern der Bundesregierung sind – so zumindest die Wahrnehmung der jüngsten Vergangenheit – Beschimpfungen und Respektlosigkeiten ausgesetzt. Ich erinnere dabei an sogenannte Querdenker-Demonstrationen, bei denen Menschen sich nicht schämen, unser Land mit grausamen Diktaturen gleichzusetzen; ich erinnere an die Szenen im Bundestag, die zeigen, wie Politiker beschimpft und verbal angegriffen werden. … Ein angemessener Ton ist auch denjenigen entgegen zu bringen, deren politische Positionen man nicht teilt. …

Es mag manchem seltsam anmuten, dass der Papst von der „politischen Liebe“ spricht (Fra­telli tutti 186). „… Es ist Liebe, einer leidenden Person nahe zu sein; aber auch all das ist Liebe, was man ohne direkten Kontakt mit dieser Person zur Veränderung der gesellschaft­lichen Bedingungen, die ihr Leiden verursachen, tut. Während jemand einem älteren Menschen hilft, einen Fluss zu überqueren – und das ist wahre Liebe –, so erbaut der Politiker ihm eine Brücke, und auch dies ist Liebe. (…).“

Derzeit üben viele der Verantwortlichen in diesem Sinne ihren Dienst aus, wenn sie das Mög­liche tun, um Leben zu schützen. Für Menschen, die sich zu Christus bekennen, sollte eine konstruktive Haltung selbstverständlich sein. Wir schulden den Verantwortlichen nicht nur Dank, Unterstützung oder konstruktive Kritik, sondern auch das Gebet. Dies sollten wir ihnen in diesen Tagen schenken.

Ihr Bischof Peter Kohlgraf“