Unser Einsatz geschieht mit ansteckender Freude

Aus Wetterau-West in den Katholikenrat

Dekan Wanske (Mitte) beglückwünscht die Neugewählten
Dekan Wanske (Mitte) beglückwünscht die Neugewählten
Di 4. Feb 2020
Andreas Münster

In der konstituierenden Dekanatsversammlung am 29. Januar in Bad Vilbel wurden zwei „neue Gesichter“ als Vertreter/innen des Dekanats in den Katholikenrat des Bistums gewählt. Frau Dr. Sylvia Kerbel aus Bad Vilbel-Heilsberg und Herr Andreas Wilmers aus Friedberg. Grund genug, die beiden hier in ihren Antworten auf drei Fragen vorzustellen.

Was motiviert Sie, sich für das Dekanat im Katholikenrat zu engagieren?

Kerbel: Mein Glaube war und ist mir bis heute  mein ganzes Leben lang  eine lebenswichtige Kraftquelle, die mich auch durch schwierige Lebenssituationen und Schicksalsschläge gut getragen hat. Umso schlimmer ist für mich, dass der Glaube dies durch das Erscheinungsbild der Kirche heute für immer weniger Menschen sein kann.

Wenn es mir durch mein Engagement im Katholikenrat gemeinsam mit anderen gelingt, einen noch so kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass die Kirche wieder an Glaubwürdigkeit und Vertrauen gewinnt und den Menschen den Weg des Glaubens ebnet und nicht erschwert, dann wäre das alle Zeit und Arbeit wert. Dafür bete ich, denn mit Gott an der Seite geht alles, ohne ihn nichts.

Wilmers: In einem Satz aus dem Leitbild des Katholikenrates wird dies wunderbar auf den Punkt gebracht. Wir wollen mitdenken, mitreden und mitgestalten.

Ich halte Veränderungen in unserer Kirche für unabdingbar, wenn wir Glaubwürdigkeit wiedergewinnen und damit verbunden eine echte Zukunft haben wollen. Mein Ziel ist es, dass wir im Katholikenrat (und nicht nur dort) einen deutlichen Beitrag dazu leisten.

Was fasziniert Sie eigentlich grundsätzlich am Evangelium Jesu Christi?

Wilmers: Im Kern ist dies die unendliche Liebe Gottes zu uns Menschen – verbunden mit einem Auftrag an uns. Dieser ist im ersten Teil des Gleichnisses mit dem barmherzigen Samariter für mich gut zusammengefasst. Also die Hinwendung zu Gott und vor allem auch zu unserem Nächsten, um in dieser Welt für Menschlichkeit zu sorgen.

Im Hinblick auf die notwendigen Veränderungen in unserer Kirche können wir uns immer wieder fasziniert ansehen, wie tolerant Jesus im Grunde ist. Kein Status, weder in der Religionsgemeinschaft noch im Staat imponiert ihm. Frauen, Männer, alle Menschen sind gleichberechtigte Gesprächspartner.

Kerbel: Diese Frage lässt sich für mich kurz und ganz eindeutig beantworten. Es ist die frohe Botschaft von der niemals endenden, alles verzeihenden Liebe Gottes zu jedem einzelnen Menschen.

Wenn man daran glaubt, kann einem doch gar nichts mehr passieren. Man weiß Gott in allen Lebenslagen bei sich.

Um eine Frage des Bischofs aufzugreifen: Wo oder wie sehen Sie die Kirche im Jahr 2030?

Kerbel: Ich gebe mich keinen Illusionen hin. Es wird nicht gelingen, innerhalb von nur zehn Jahren ein Machtgefüge, das sich über zwei Jahrtausende etabliert hat, von Grund auf zu verändern, den Zölibat völlig aufzugeben und Frauen zu allen Weiheämtern zuzulassen.

Wenn aber die Kirche nicht immer weiter an Einfluss in der Gesellschaft verlieren will, wird sie selbst einsehen, dass sie  sich verändern muss. Und diese Situation ist aus meiner Sicht unsere Chance als Gläubige auf Veränderung. Wenn sich immer weniger junge Männer zum Priesteramt berufen fühlen, wird man nicht umhinkommen den Zölibat aufzuweichen oder auf Frauen als Diakone zurückzugreifen.

Ich hoffe also gar nicht so sehr auf ein Umdenken in der Kirche, sondern sie wird sich aus  rein pragmatischen Gründen verändern, wenn sie nicht in der Bedeutungslosigkeit versinken will, was ich als überzeugte Katholikin für eine Katastrophe hielt.

Wilmers: In meiner Vorstellung haben regionale Kirchen deutlich mehr Freiraum um zu entscheiden, wie z.B. mit dem Zölibat umgegangen wird oder wie die Rolle der Frau definiert wird. Wobei nicht über die Köpfe der Frauen hinweg entschieden wird, sondern diese umfänglich und gleichberechtigt eingebunden sind.

In jedem Fall wünsche ich, dass Frauen bei uns zum Priesteramt zugelassen werden und das es keinen Pflichtzölibat mehr gibt. Dies wird eine enorme Bereicherung bringen.

Da wir uns 2030 nicht mehr so sehr mit uns selbst beschäftigen müssen und wieder an Glaubwürdigkeit gewonnen haben, können wir wieder deutlicher machen was Nachfolge bedeutet. Die Kirche mischt sich dann auch stärker in politische und gesellschaftliche Debatten ein.

Bei all dem sind wir zuversichtlich und unser Einsatz geschieht mit ansteckender Freude.