Verbunden mit den Verstorbenen

von Diakon Jürgen Hofmann

Jürgen Hofmann (c) J. Hofmann
Jürgen Hofmann
Fr 1. Nov 2019
Jürgen Hofmann

„Mit dem Tod ist alles aus! Wer glaubt denn noch an ein Leben nach dem Tod?“ Solche Behauptungen und Fragen höre ich oft. Meistens mit einer negativen Bewertung jeder Form von Glauben.

Schon die Materialisten des 19. Jh. waren der Ansicht, dass der Glaube an ein ewiges Leben jenseits unseres Lebens in dieser Welt, „Opium für das Volk“, also ein Beruhigungsmittel für alle sei, die im Leben zu kurz kommen. Und sie hatten nicht ganz unrecht: die Mächtigen dieser Welt haben zu allen Zeiten und in allen Völkern den jeweiligen Glauben dazu missbraucht, die Armen ruhig zu halten und zu vertrösten. Aber Trost war das keiner, eben nur Vertröstung.

Jesus Christus gehört zu diesen Armen und er steht sein Leben lang an ihrer Seite. Er kümmert sich um die im Leben zu kurz Gekommenen, so z.B. um seinen Freund Lazarus, den er mit Gottes Hilfe aus dem Tod herausreißt. Aber er vertröstet niemanden. Was er sagt und tut, ist wahrer Trost. Er richtet die Gebeugten auf (so die Frau, der man Ehebruch vorwirft und die man steinigen will). Er sorgt sich um die aus der Gesellschaft Ausgestoßenen, die Aussätzigen, die vor den Toren der Städte außerhalb der Gesellschaft leben müssen. All dies tut er aus seinem festen Glauben an die Liebe und an das kommende Reich seines himmlischen Vaters heraus. Am Ende seiner Lebens wird er deshalb von den Mächtigen am Kreuz ermordet. Das Ende eines Unverbesserlichen?

Nein, Gott lässt ihn nicht im Tod. Er ruft ihn in ein neues und ewiges Leben. Jesus bleibt den Seinen für immer über Tod und Auferstehung hinaus eng verbunden. „Stark wie der Tod ist die Liebe“, heißt es im Hohen Lied. Jesu Liebe ist sogar stärker als der Tod. Der Tod ist nicht das Ende sondern der Anfang eines neuen und unvergänglichen Lebens. In dieser Hoffnung haben Christen in 2000 Jahren gelebt. Diese Hoffnung verbindet uns an Allerseelen in Liebe mit unseren Verstorbenen. Glaube, Hoffnung und Liebe sind bei allem Leid, das uns beim Verlust eines geliebten Menschen trifft, ein wahrer Trost, keine Vertröstung.

Jürgen Hofmann, Diakon
St. Johannes Rodheim, St. Stefanus Wöllstadt