Workshoptag der Wetterauer Dekanate zum Pastoralen Weg

Intensive Beteiligung der rund 120 Teilnehmer/-innen

120 Engagierte beim Eröffnungslied (c) A. Münster
120 Engagierte beim Eröffnungslied
Mo 26. Aug 2019
Heike Mühlenbruch / Andreas Münster

Es wird Zeit, sich zu bewegen, höchste Zeit, dass was passiert“ – dieser Ausschnitt aus dem Lied „Aufstehn’n, aufeinander zugehn’n“ von Clemens Bittlinger zeigt, mit welcher optimistischen Ausrichtung der Workshoptag zum Pastoralen Weg der beiden Dekanate Wetterau-Ost und -West in der St-Lioba-Schule in Bad Nauheim startete. Fast 120 ehrenamtliche Pfarrgemeinderäte und Gemeindemitglieder sowie hauptamtliche Seelsorgerinnen Seelsorger aus beiden Dekanaten kamen unter dem Titel „Der Pastorale Weg in der Wetterau: Wenn schon, dann richtig“ zusammen.

Am Ende eines langen Tages waren sich alle aus dem Dekanat Wetterau West nur in einem Punkt einig – statt Clemens Bittlingers Optimismus dominiert Xavier Naidoos eher melancholisch-nachdenkliche Stimmung: „Dieser Weg wird kein leichter sein. Dieser Weg wird steinig und schwer“. Kein Wunder, denn das Ergebnis des Tages überraschte. Statt der Festlegung umfangreicher konkreter Maßnahmen blieben reichlich offene Punkte und kontroverse Meinungen, ein minimalistischer erster Trippelschritt auf dem Pastoralen Weg und ein desillusioniertes, irritiertes Leitungsteam.

Wie geht "Wahrnehmung schärfen"?

Gedacht war das anders. Die Organisatoren hatten im Vorfeld sehr viel dafür getan, diese Veranstaltung möglichst zu einem Erfolg werden zu lassen. Hochkarätige Experten rund zum Projekt „Pastoraler Weg“ in Person der Referenten Patrick Strosche (Pastoralassistent Wöllstadt/Rodheim), Prof. Harald Schwalbe (Pfarrei St. Ursula, Oberursel und Steinbach, Bistum Limburg) sowie Dr. Michael Hofmann und Michael Hack (Hl. Petrus, Bobenheim-Roxheim, Bistum Speyer) waren geladen. In einer gemeinsamen Begrüßung stimmten die Dekane Wolfram Schmitt und Stefan Wanske die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops auf den Tag ein und machten deutlich: „Wir wollen den Bistumsprozess im Auftrag des Bischofs mit Ihnen gemeinsam verantwortlich leiten und gestalten.“

Dr. Michael Hofmann bei seinem Einführungsreferat (c) A. Münster
Dr. Michael Hofmann bei seinem Einführungsreferat

Patrick Strosche informierte anschließend über „Sozialraumanalyse“. Prof. Harald Schwalbe referierte über die Interviewphase im Visionsprozess seiner neu fusionierten XXL-Gemeinde St. Ursula im Bistum Limburg. Aus dem Bistum Speyer berichteten Dr. Michael Hofmann und Michael Hack über die Gemeindebefragung in der neu entstandenen Großpfarrei Hl. Petrus in Bobenheim-Roxheim mittels der Umfrage „Wege in die Zukunft“. In entsprechenden Arbeitsgruppen machten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops je nach Interesse über die unterschiedlichen Vorgehensweisen kundig.

Auf der Suche nach einem gemeinsamen Weg

Am Nachmittag trennten sich die Dekanate, um jeweils für sich die nötigen Schlüsse und Beschlüsse für den Fortgang des Pastoralen Weges zu besprechen und festzulegen. Die beiden Prozess-Begleiter Martina Gessner und Bardo Zöller moderierten die Diskussionsrunde für das Dekanat Wetterau-West. Die von ihnen organisierte „Fish Bowl“ empfanden manche rasch als „Haifisch-Becken“ (andere waren froh, dass auch die Schwierigkeiten deutlich wurden), stand doch plötzlich das Thema Zuordnung der jetzigen Pfarreien zu den drei künftigen Verwaltungs-Einheiten massiv im Raum. Ein Punkt, der vielen wichtig war, der aber gar nicht auf der Tagesordnung stand.

Denn gedacht war der Workshop ganz konkret als praktische Arbeitshilfe. Auf der Agenda standen das Kennenlernen dreier Methoden damit die Gemeinden im Dekanat Wetterau West das nötige Handwerkszeug haben, um die Aufgabe bewältigen zu können, die bis zur nächsten Dekanatsversammlung Anfang 2020 ansteht, nämlich das Thema „Wahrnehmung schärfen“ mit den Punkten „Bestandsaufnahme“ und „Standort bestimmen“.

Wir müssen miteinander reden

Pausendiskussionen (c) A. Münster
Pausendiskussionen

Dieses Ziel wurde zwar in der Einladung formuliert, war aber dann in der Dynamik des Tages nicht mehr deutlich genug präsent. Vermutlich war allen im Organisations-Team durch die intensive tägliche Arbeit mit dem Pastoralen Weg klar, was gemeint war. Möglicherweise geriet dabei aus dem Blickfeld, dass ehrenamtliche Gremienmitglieder und erst Recht die Gemeindemitglieder nicht derart tief im Thema stecken. Ihnen daher gar nicht bewusst war, an welchem Punkt des Prozess-Fahrplans man mit dem Workshop stand und welche konkreten Aufgaben mit Hilfe der vorgestellten Methoden bis zu welchem Termin abzuarbeiten sind.

Schade. Sonst wäre die Diskussion um Grenzziehungen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht aufgekommen und man hätte bereits weitergehende Maßnahmen beschließen können als lediglich eine minimalistische Sozialraumerkundung mit einem vom Dekanat erarbeiteten Fragebogen.

Klar ist an diesem Punkt vor allem eines: Wir müssen reden. Und zwar so, dass alle verstehen, was gemeint ist. Und auf allen Ebenen. Damit dann ein drittes Lied gesungen werden kann: „Den Weg wollen wir gehen. Die Liebe geht mit uns auf dem langen und steinigen, auf dem weiten und unbequemen, auf dem Weg, der die Mühe lohnt.“