„Zeremonien bereiten uns den Weg, auf dem wir uns daran erinnern können, uns zu erinnern.“

Dörr, Dr. Bernhard (c) C. Brandt
Dörr, Dr. Bernhard
Datum:
So. 7. Nov. 2021
Von:
Diakon Dr. Bernhard Dörr, Klinik- und Altenheimseelsorge Bad Nauheim

Robin Wall Kimmerer, eine Angehörige der nordamerikanischen Potawatomi-Nation, hat folgendes bedenkenswerte Wort ausgesprochen:

„Zeremonien bereiten uns den Weg, auf dem wir uns daran erinnern können, uns zu erinnern.“

Die Autorin spricht von den Zeremonien ihrer Nation, die ihr helfen, sich daran zu erinnern, wieviel sie der Natur und anderen Menschen verdankt. Gerade die Natur gibt ihr so vieles aus freien Stücken, dass sie sich genötigt sieht, zu fragen, was sie im Gegenzug der Natur und anderen Menschen zu geben bereit ist. Dankbarkeit und Freude über die vielfältigen Gaben der Natur und anderer Menschen erachtet sie als den Schlüssel dafür, selber ein „spendables“ und gelingendes Leben führen zu können.

Wie halten wir es mit Zeremonien? Wie steht es mit unserem Verhältnis zur Natur? Und damit mit unserem Verhältnis zu uns selbst?

Wenn wir uns im November an unsere geliebten Verstorbenen erinnern, dann ist damit immer die Erinnerung daran verbunden, dass auch wir endlich und sterblich sind.

Die zurückliegenden 1 ¾ Jahre der Corona-Pandemie haben uns zu spüren gegeben, dass wir keineswegs unangefochten und allen Widrigkeiten enthoben durch das Leben schreiten können. Und dass wir ohne die gelebte, unmittelbare Beziehung mit anderen allmählich leb- und lieblos werden können. Weil uns etwas fehlt, was wir zutiefst brauchen, die Berührung durch andere und die unmittelbar erfahrbare Gemeinschaft mit anderen. Wir verdanken uns wesentlich anderen Menschen und der Natur, in der wir leben. Nur zusammen mit der Natur und anderen Menschen kann unser Leben gelingen.

Erinnern wir uns also nach einer entbehrungsreichen Zeit mit Dankbarkeit und leiser Freude an unsere Verstorbenen, die für uns gelebt und geliebt haben. Kultivieren wir eine Haltung der Dankbarkeit und Freude über den Reichtum und die Fülle, welche – christlich gesprochen – Gott, unser Schöpfer, uns, seinen Geschöpfen, Tag für Tag zu schenken gewillt ist.

Und: Pflegen wir unsere gemeinschaftlichen Zeremonien, denn diese „bereiten uns den Weg, auf dem wir uns daran erinnern können, uns zu erinnern“, wer wir sind und was uns wirklich gut tut.