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Ein Ereignis am Rande

Weiterstädter Osterkreuz 2025
Wer die großen Massenszenen gesehen hat, mit denen die Jesusfilme des 20. Jahrhunderts die Passionsgeschichte ausgestattet haben, bekommt einen falschen Eindruck. Hier ziehen noch ganze Scharen zum Prätorium des Pilatus und begleiten Jesus auf seinem Weg nach Golgotha, so wie sie in jener Zeit auch noch die Kirchen füllten.
Datum:
1. Apr. 2026
Von:
Dr. Peter Eckstein, Pfr.

Die Wirklichkeit jedoch war anders.

Abendrot

In den Tagen, in die Tod und Auferstehung Jesu fallen, war Jerusalem eine Stadt voller hektischer Betriebsamkeit. Es waren die Tage um Pessach / Pascha.  Da das Paschamahl nur in Jerusalem gefeiert werden konnte, strömten dort Pilgerscharen aus aller Welt zusammen. Die Stadt, die vielleicht 40.000 Einwohner hatte, musste mehr als 100.000 Besucher irgendwie unterbringen; die Häuser in der Stadt und der Umgebung platzten aus allen Nähten. Für das Fest waren Besorgungen zu machen und Räume herzurichten. Man kann sich das chaotische Gedränge lebhaft vorstellen.

In seinem lesenswerten Buch „Der letzte Tag Jesu“ fasst es Willibald Bösen so zusammen: „Jesu letzter Tag spielt in einem übervollen Jerusalem, in dem jeder seine Not hat, sein Ziel zu erreichen. Die Wege und Straßen... sind hoffnungslos überfüllt. Wer sich im Osten aufhält, weiß nicht, was im Westen geschieht. Für Jesus haben in diesen Stunden nur wenige Eingeweihte einen Blick. Sein Schicksal geht in der Menschenmasse und in ihren persönlichen Nöten unter“ (Seite 96).

Heute ist es (wieder) ähnlich. Worum es an Ostern geht, weiß nur noch eine Minderheit. Das Gedränge findet auf den Autobahnen, in den Urlaubsquartieren oder in heimischen Supermärkten statt. Und auch im Fernsehen ist die Zeit der großen Jesus-Filme vorbei. Stattdessen können Sie sich am Karfreitagabend an „Lets dance“ (RTL), „Sissi“ (Vox), „Das Krokodil und sein Nilpferd“ (Kabel 1) oder „Johnny English“ (Super RTL) ergötzen. Hoppala: Der BR bringt um 21.10 Uhr doch tatsächlich „Karfreitag in Rom“. Ein Ausnahme, die man mit der Lupe suchen muss.

Da könnte man doch den Karfreitag oder Ostern als Feiertage eigentlich streichen, oder? - Nein! Man sollte sich für Wesentliches Zeit nehmen können. Und was ist wesentlicher als Tod und Auferstehung? Viel wichtiger als eine proppenvolle Kirche ist die Ausdrucksstärke der Gottesdienste mit ihren Texten, ihren Symbolen und ihrer Musik. Möglichst viele sollten und können dabei Gelegenheit haben, mitzuwirken! Das geht mit Sorgfalt und ganz ohne Show. Und keine Sorge: Es kommen noch  immer genügend Leute. Innerlichkeit statt Masse. Das passt. Spiritualität ist eben kein Massenphänomen. Ostern bedeutet für die noch verblieben Christen eine Chance, wieder zu lernen, wer sie sind. Dann können sie für die Gesellschaft auch wieder Wesentliches beisteuern.