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Geistliches Wort: Hie Schlott – Helau – Alaaf – Ahoi – Die Zeit der Narren ist erstmal vorbei.

Wüste
Datum:
18. Feb. 2026
Von:
Lydia Haun

Der Kehraus ist gehalten, der Faschingsschmuck ist abgeräumt, das Kostüm wird noch gewaschen, dann verstaut. Nach dem Katerfrühstück kehrt der Alltag zurück.

So oder so ähnlich mag es für manchen Närrinnen und Narren in dieser Woche gewesen sein. An Aschermittwoch war das närrische Treiben vorbei. Die Fastenzeit hat begonnen – 40 Tage der Vorbereitung auf das Osterfest.

Für viele ist diese Zeit verbunden mit dem Verzicht auf Süßigkeiten, Fleisch und Alkohol. Manche weiten das Fasten aus auf Genussmittel aller Art oder nehmen sich vor, schädliche Gewohnheiten zu durchbrechen. Vorbild für die Fastenzeit und das Fasten ist die biblische Erzählung, dass Jesus vor seinem öffentlichen Wirken 40 Tage in der Wüste gefastet hat.

Bedeutsam ist dabei die Zeitspanne von 40 Tagen. In der Bibel begegnet uns diese Zahl immer wieder: Zur Sintflut regnet es 40 Tage. Das Volk Israel wandert 40 Jahre durch die Wüste auf dem Weg ins Gelobte Land. Mose verbringt 40 Tage auf dem Berg Horeb, um die 10 Gebote zu empfangen. Jesus ist vor seinem öffentlichen Wirken 40 Tage in der Wüste. Und nach seiner Auferstehung begegnet er den Jüngern 40 Tage lang, bevor er in den Himmel aufgenommen wird.

Vierzig Tage oder vierzig Jahre – beides steht für eine begrenzte, aber bedeutungsvolle Zeit, die überschaubar ist und dennoch ausreichend Möglichkeit zu Entfaltung und Wachstum gibt.

Auch der Ort ist bedeutsam: die Wüste.

Meine eigenen Erfahrungen mit Wüste beschränken sich auf einen Urlaub in Tunesien. Unvergessen bleibt die endlose Weite und die lebensfeindlichen Bedingungen: Sand bis zum Horizont, kein Wasser, kein Schatten, sengende Hitze. In der Wüste zu leben ist eine Herausforderung.

Die Wüste steht für Abgeschiedenheit und Reduktion auf das Notwendigste. Sie ist der Ort, an dem ich mir selbst nicht ausweichen kann. In den biblischen Erzählungen ist die Wüste der Ort der Gottesbegegnungen – und zugleich der Prüfung. Mose begegnet Gott am brennenden Dornbusch in der Wüste. Jesus widersteht dort den Versuchungen des Widersachers.

Fastenzeit als Wüstenzeit ist also eine Einladung sich für einen begrenzten Zeitraum auf Verzicht und Besinnung einzulassen. So kann diese Fastenzeit heilsam sein für den Körper, der entschlackt und entgiftet, und für die Seele, die in der reizreduzierten und stilleren Zeit empfänglicher wird für Gott. Das Fasten ist dann zuerst eine geistliche Übung. Es unterscheidet sich von einer Diät: Nicht der Gewichtsverlust steht im Mittelpunkt, sondern das Achtsam-werden dafür, dass ich Nahrung, Schlaf und Bewegung brauche und darüber hinaus auf ein Du hin geschaffen bin, das mit mir in Beziehung sein will.

Aus dieser Beziehung kann ich die Kraft schöpfen, mich den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen und unsere Welt zum Guten mitzugestalten.

Ich wünsche Ihnen eine Fastenzeit, in der Sie spüren, dass Sie nicht alleine auf dem Weg sind, sondern mit anderen, sei es in der Familie, sei es in der Gemeinde, sei es mit den

vielen Menschen guten Willens – und nicht zuletzt mit Gott an Ihrer Seite.