Palmsonntag 2026 in Weiterstadt

Predigt von Peter Eckstein, Pfr.

Nach Matthäus stirbt Jesus mit einem lauten Schrei auf den Lippen. Das ist ganz außergewöhnlich. Gekreuzigte sterben in der Regel an Atemnot und völliger Erschöpfung.
Dieses für einen Gekreuzigten doch recht ungewöhnliche Sterben musste nach der Auffassung der Menschen um Jesus herum und auch aller Menschen im Altertum als etwas Besonderes, als Prodigium („Vorzeichen“) gewertet werden.
Ein Zeichen dafür, dass Jesus nicht einfach verröchelt, sondern bewusst sein Leben dem Vater zurückgibt, obwohl in ihm alles dunkel ist, er die Gegenwart dieses Vaters nicht mehr spürt.
„Vater in deine Hände lege ich meinen Geist“ oder bei Johannes „Es ist vollbracht!“ enthalten dieselbe Aussage: Jesus setzt den Schlusspunkt. Im Todesschrei Jesu liegt also etwas Markerschütterndes. Es ist wortloser Gebetsruf. –
Eine entsprechende Reaktion folgt auf dem Fuße:
Die Schöpfung antwortet mit dramatischen Zeichen. Nicht nur der Tempelvorhang zerreißt, sondern Erdbeben und gespaltene Felsen zeigen an, dass bei diesem Todesschrei die gesamte Materie reagiert.
Das Leben Jesu, das in einem erschütternden Tod endet, mündet in die Erschütterung des Todes selbst. In diesen Zeichen gibt Gott die Antwort: Der Tod muss längst Verstorbene freigeben, die in den Gräbern Eingeschlossenen kommen in Bewegung. Mit Jesu Tod wird die Schöpfung im Innersten verwandelt.
Wo sich zuvor der Tod eingenistet hat, ist jetzt das göttliche Leben eingedrungen.
„Das ist alles nur symbolisch“, sagen nicht wenige.
Nur symbolisch?
„Ich fühle mich wie im 7. Himmel!“
„Mir ist ein Licht aufgegangen!“
„Für mich ist eine Welt zerbrochen.“
Das alles sind symbolische Redewendungen, von denen wir aber sofort wissen, dass sie eine unsichtbare, tiefe Wirklichkeit zum Ausdruck bringen. Tiefste Wahrheiten kann man nur im Symbol beschreiben.
Ab jetzt ist der Tod nur noch Zubringer zum göttlichen Leben.
Diese Tür schauen wir uns heute nur von ihrer Eingangsseite an. Diese bleibt dunkel: Auf die andere Seite wechseln wir in einer Woche. An Ostern.
Derjenige, der bei alledem den Überblick behalten musste, setzt den Schlussakkord: der römische Hauptmann.

„Wahrhaftig, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“
Er hat jetzt nicht mehr nur den Überblick, sondern den Durchblick!
Möge es uns genauso ergehen!