Die Priesterweihe ist ein Sakrament, das den Kandidaten in besonderer Weise mit Christus verbindet. Ein Priester handelt nicht aus eigener Autorität, sondern „in persona Christi“ – in der Person Christi und im Namen der Kirche. Seine Aufgabe umfasst drei grundlegende Dienste: das Evangelium zu verkünden (Lehramt), die Sakramente zu spenden (Priesteramt) und die Gläubigen zu leiten (Hirtenamt). Damit unterscheidet sich das besondere Priestertum von dem allgemeinen Priestertum aller Getauften, das das Zweite Vatikanische Konzil neu betont hat.
Die Weihe erfolgt im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes durch den Bischof. Zeichenhaft wird der Heilige Geist auf den Kandidaten herabgerufen durch die Handauflegung des Bischofs und der anwesenden Priester sowie das Weihegebet. Das Sakrament der Weihe kennt drei Stufen: Diakon, Priester und Bischof. Die erste Heilige Messe eines neu geweihten Priesters wird traditionell „Primiz“ genannt und meist in seiner Heimatgemeinde gefeiert.
Nach dem Kirchenrecht kann nur ein getaufter Mann zum Priester geweiht werden. Er muss das 25. Lebensjahr vollendet haben und unverheiratet sein. Das Versprechen der Ehelosigkeit (Zölibat) wird bereits bei der Diakonenweihe abgelegt. Die Ausbildung erfolgt im Priesterseminar, wo die Kandidaten während ihres Theologiestudiums wohnen und geistlich begleitet werden. Anschließend folgt eine praktische Seelsorgsausbildung. Im Bistum Mainz werden die Priesteramtskandidaten im Priesterseminar ausgebildet und durch geistliche Begleiter sowie praktische Einsätze in Gemeinden auf ihren Dienst vorbereitet.
Umgangssprachlich werden die Begriffe „Priester“ und „Pfarrer“ oft gleichgesetzt. Tatsächlich trägt ein Priester den Titel „Pfarrer“ nur dann, wenn er von seinem Bischof mit der Leitung einer Pfarrgemeinde beauftragt wird. Neu geweihte Priester beginnen ihren Dienst in der Regel als Kapläne, zur Unterstützung und Vertretung eines Ortspfarrers. Darüber hinaus können Priester auch in der kategorialen Seelsorge (z. B. Krankenhaus-, Jugend- oder Gefängnisseelsorge) oder in der Verwaltung tätig sein.
Die Gemeinsame Synode der Bistümer in Deutschland (1975) beschreibt die Sendung des Priesters so: „Durch Verkündigung, Spendung der Sakramente, Bruderdienst, Auferbauung und Leitung der Gemeinde und nicht zuletzt durch sein persönliches Zeugnis soll der Priester die anderen zu ihrem eigenen Dienst bereit und fähig machen.“ Damit wird deutlich: Der Priester ist nicht nur Seelsorger, sondern auch Wegbegleiter, der andere befähigt, ihren Glauben zu leben und weiterzugeben.
