Mitteilungen vom 21.Februar bis 22.März 26

Abgründe, Zivilisationsbrüche und Dschungelerlebnisse…
In diesen Tagen lesen wir von dem Machenschaften des Jeffrey Epstein. Sein Netzwerk ist voll mit Prominenten: Trump, Clinton, Musk, Prinz Andrew… Es geht um Sex und Macht und die unfassbare Verkommenheit einer sog. Elite, die sich anmaßt alles bekommen zu können. Die Opfer sind junge, zum Tatzeitpunkt oft noch minderjährige Frauen und deren Familien.
Von einem Zivilisationsbruch im Nahverkehr spricht die FAZ. Es geht um die epidemisch zunehmende Gewalt gegen Zugbegleiter und dem Phänomen, dass auch dann noch getreten wird, wenn das Opfer am Boden liegt. Das Nachtreten gegen Hilflose war früher eine rote Linie, die selbst Bösewichte respektiert haben…
Demgegenüber ist das Dschungelcamp, in dem C-Promis 17 Tage aufeinander losgelassen werden deutlich harmloser. Trotzdem ist das eine Art Sittengemälde unserer Gesellschaft. Extrovertiertheit, Angeberei, Lügen, Unterstellungen und Seitensprünge sind geballt vorhanden. In diesem Jahr hatte das Camp zusätzliche Brisanz durch die Teilnahme von Gil Ofarim. Der hatte einen Hotelmitarbeiter in Leipzig fälschlich beschuldigt, ihn antisemitisch beleidigt zu haben. Nicht ganz klar, warum Ofarim an der diesjährigen
Staffel teilnahm: Ob ihm das Geld ausgegangen ist oder ob er sich „reinwaschen“ wollte oder beides zusammen? Manche seiner Mitbewerber wollten von ihm ein Schuldeingeständnis- vor den Augen und Ohren einiger Millionen Zuschauer. Aber Ofarim lavierte herum – ein Schuldeingeständnis gab es nicht. Höchstens eine Art „Absolution“, wenn man das Votum der Zuschauer, ihn zum Dschungelkönig zu wählen, so sehen möchte.
Mit alldem sind wir mittendrin in der Wirklichkeit. Wir könnten jetzt sagen: Geht mich alles nichts an. Mein Name steht nicht in den Epstein Akten, auf Wehrlose habe ich nicht eingeprügelt und das Dschungelcamp ist nur harmlose Ablenkung. Das alles mag sein: Doch Macht und Sex sind Einfallstore für viele Sünden und Versuchungen; dem physischen Nachtreten geht oft das verbale voraus und die C-Promis sind uns vermutlich viel näher als wir denken. Der Mensch ist ein angefochtenes und schwaches Wesen und schon Paulus mahnt: Wer sich moralisch erhebe, achte gut darauf, dass er im nächsten Moment nicht fällt.
Die Fastenzeit beginnt nicht umsonst mit dem Ruf Jesu „Kehrt um“! Manche übersetzen auch: „Denkt um“! Es geht um unseren Mindset: Was bestimmt unser Leben? Wo sind unsere Prioritäten, wo die Schwachstellen? Es gilt sich an die eigene Brust zu klopfen, damit wir neu von der Gnade Gottes belebt werden können.
Martin Weber, Pfr.