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100 Jahre Kirchweihe der St.-Sebastian-Kirche

Datum:
Samstag, 12. September 2026 17:30
Art bzw. Nummer:
Gemeindeausschuss St. Sebastian Dietesheim
Ort:

Pfarrkirche St. Sebastian Dietesheim

Obwohl die katholische Kirche in Dietesheim bereits im Jahr 1893 erbaut wurde – und somit schon älter ist als 100 Jahre –, erhielt sie erst am 12.09.1926 ihre offizielle Weihe. Nachdem das 100-jährige Bestehen der damaligen Pfarrkiche bereits 1993 gefeiert wurde, soll nun auch das 100-jährige Weihejubiläum der Dietesheimer Kirche würdigend begangen werden.

Da die im Jahr 1752 erbaute (ehemalige) katholische Kirche im heutigen „Unterort“ aufgrund der wachsenden Bevölkerungszahl im Laufe der Jahre zu klein geworden war, musste eine größere her. Was vielen heute nicht mehr bekannt ist: Auch wenn Dietesheim eine eigene Kirche besaß, wurde es kirchlich von St. Markus, Mühlheim, mitbetreut. Bis ins Jahr 1840 wurden deshalb die verstorbenen Dietesheimer auf dem Mühlheimer Kirchhof beigesetzt. Erst danach erhielt Dietesheim einen eigenen Friedhof. Zudem wurde Dietesheim ab 1838 ein Kaplan zur Feier der sonntäglichen Gottesdienste zur Verfügung gestellt – gegen ein Entgelt von 200 Gulden im Jahr an die Mühlheimer Pfarrei. Bewilligt wurde dies durch den damaligen Bischof Petrus Leopold Kaiser – ein gebürtiger Mühlheimer.

Ab 1865 gab es erste Überlegungen, die vorhandene Kirche zu erweitern. Man entschloss
sich jedoch für einen Neubau – und zwar unmittelbar daneben –, wo heute das alte Schwesternhaus steht. Die alte Kirche sollte als Schulhaus verwendet werden, diente der Gemeinde Dietesheim jedoch von 1891 bis 1939 als Spritzenhaus. Seit 1940 wird sie als evangelische Gustav-Adolf-Kirche genutzt.

Mit dem Bau der neuen katholischen Kirche konnte jedoch erst 1872 nach dem Deutsch-Französischen Krieg begonnen werden. Wegen eines schlechten Untergrundes und schlechter Baumaterialien stürzte ein Teil der Kirche in der Nacht vom 11. auf den 12. November ein. Viele Jahre stand hier nun eine Kirchenruine. Bilder aus der damaligen Zeit sind leider nicht bekannt.

Im Jahr 1880 gab es schließlich erste Überlegungen für einen Kirchen-Neubau im sogenannten „Oberort“, der so nach und nach erschlossen wurde. Am 26. April 1891 wurde der Grundstein gelegt, die Fertigstellung erfolgte dann 1893. Teile der eingestürzten Kirche, die noch vorhanden waren, konnten als Baumaterialien mitverwendet werden.
Wegen der Erkrankung des damaligen Bischofs von Mainz wurde die Weihe jedoch verschoben, und auch ein später angesetzter Termin wurde verworfen. Die Kirche erhielt somit zunächst nur eine Benediktion (Segnung).

Die Erbauung der Kirche erfolgte im sogenannten neugotischen Stil: mit Spitzbögen im Gewölbe und bei den Fensterleibungen, einem höheren Mittelschiff und zwei flacheren Seitenschiffen – die Form einer Basilika. Sie erhielt einen etwa 35 Meter hohen Glockenturm mit Spitzhelm und einen kleineren runden Turm im Eingangsbereich mit dem Treppenaufgang zur Empore.
Im Jahre 1904 bekam Dietesheim mit Georg Wolf seinen ersten eigenen Pfarrer. Und in den Jahren 1925-1926 stand die erste größere Renovierung der Kirche unter Pfarrer Johannes Belz an. Die Empore erhielt elektrisches Licht und eine reichliche Bemalung mit etwa 14 Bildmotiven. Nach Abschluss der Arbeiten wurde dann am 12.09.1926 die eigentliche Weihe durch den Mainzer Bischof Ludwig Maria vollzogen, mit den Namenspatronen des Hl. Sebastian und des Hl. Wendelin.

Bei den nächsten Renovierungen zwischen 1952 und 1955 entfernte man – zum Unmut der Dietesheimer –sämtliche Wandmalereien und das bunte Glasfenster in der Mitte der Apsis. Der Hochaltar wurde durch ein farbiges Kreuzbild ergänzt, welches sich heute in einer Kirche in Grünberg befindet.

Durch den Einfluss des II. Vatikanischen Konzils (1962-1965) erhielt die Kirche in den Jahren 1978-1979 eine weitere Renovierung unter Pfarrer Josef Dienst. Hierbei wurde das farbige Chormittelfenster wieder freigelegt und der ursprüngliche Sandsteinhochaltar wurde als Zelebrationsaltar mehr zur Gemeinde hin nach vorne in den Chorraum verlegt.

In die Amtszeit von Pfarrer Helmut Rolke fällt die Errichtung des jetzigen Neuen Pfarrheims auf dem Nachbargrundstück, das noch unter Pfarrer Dienst erworben wurde. Die Einweihung fand am 29.09.1996 statt, das Neue Pfarrheim feiert also in diesem Jahr auch ein Jubiläum, den 30. Geburtstag.

Die nächste, umfassende Kirchenaußen- und Innenrenovierung stand dann unter Pfarrer Willi Gerd Kost in den Jahren 2014 – 2016 an. Federführend waren die Architekten Bernhard Noll (Bistum), Dominik Ohlig und Clemens Herold in Zusammenarbeit mit dem Bischöflichen Ordinariat und dem Bauausschuss der Gemeinde.
Im Rahmen der Innenrenovierung bekam der Künstler Hans Rahms den Zuschlag für die Gestaltung des Altarbereichs. Der bisherige Zelebrationsaltar aus Sandstein wurde wieder an seinen ursprünglichen Standort am Ende der Apsis verlegt, mit dem Tabernakel und einem neuen Altarretabel mit den beiden Kirchenpatronen.
Ein neuer kleinerer Zelebrationsaltar nebst passendem Ambo wurde angebracht. Der Eingangsbereich erhielt eine Glasabtrennung und der Taufbrunnen wurde unterhalb der Empore zusammen mit der Osterkerze platziert.
Der dreiteilige Anna-Selbdritt-Flügelaltar wurde neu in einer Nische paltziert, in der sich zuvor einer der Beichtstühle befand. Dieser stammt womöglich aus dem 15./16. Jahrhundert und befand sich vorher in der Wendelinuskapelle am Alten Friedhof.
Die Weihe des neuen Zelebrationsaltares und der Apostelleuchter erfolgte am 10.01.2016 durch Bischof Kardinal Karl Lehmann.

Auch die Glocken der Kirche haben eine wechselvolle Geschichte, wurden sie doch immer wieder Opfer des ersten und des zweiten Weltkrieges und zu Kriegsmaterial umgerüstet. Das aktuelle dritte, vierstimmige Glockengeläut wurde am 02.09.1951 geweiht und feiert somit sein 75-jähriges Jubiläum. Die Glocken sind geweiht auf die Namen Sebastian und Wendelin, Joseph, Maria sowie Herz-Jesu und wiegen zwischen 230 und 765 kg.

Die jetzige Orgel von Oehms mit ihren 1414 Pfeifen stammt aus dem Jahr 1983 und ist dringend
sanierungsbedürftig, wofür sich vor Kurzem ein Sanierungsausschuss gebildet hat.

Weitere Details zu den Renovierungen und der Geschichte der Kirche St. Sebastian können den diversen Chroniken sowie der Festschrift aus dem Jahr 1993, „Ein Haus voll Glorie schauet – 100 Jahre Sankt Sebastian, Dietesheim“, entnommen werden.

Die beiden Jubiläen werden mit einem Festgottesdienst am 12.09.2026 um 17.30 Uhr mit anschließendem Sektumtrunk gefeiert werden. Mitgestaltet wird der Gottesdienst durch den Kirchenchor und die Kita St. Sebastian sowie Pfarrer Willi Gerd Kost als Festprediger.