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Hl. Bardo Wetterau-Nord:Feierlicher Gründungsgottesdienst mit Bischof Kohlgraf

Der Mainzer Bischof Kohlgraf verliest die Gründungsurkunde.
Acht Gemeinden fusionieren zur neuen Pfarrei Heiliger Bardo Wetterau-Nord. Der Mainzer Bischof nennt es in einem feierlichen Gottesdienst in Bad Nauheim ein „Jahrhundertereignis“.
Datum:
Mi. 11. Feb. 2026
Von:
Anette Hausmanns
Dirigentin und Chorsänger*innen während des Gottesdienstes

Viele Schritte sind die Pfarrgemeinden in den vergangenen Jahren auf ihrem pastoralen Weg gegangen. In einem Pontifikalamt hat am Sonntag der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf mit Abordnungen und Gläubigen aus den acht Vorgängerpfarreien, aus der Nachbarschaft und der Politik die zu Jahresbeginn neu eingerichtete Großpfarrei Heiliger Bardo, Wetterau-Nord, gefeiert.

Aufbruchstimmung machte sich schon beim Einzug der Geistlichen und Ministranten in die gut gefüllte Pfarrkirche St. Bonifatius Bad Nauheim breit. Hunderte verfolgten den Gründungsgottesdienst im Livestream. Ein aus den ehemaligen Pfarreien zusammengestellter Chor hatte mit Regionalkantorin Eva-Maria Anton die freudig strahlende „Missa festiva“ von Robert Jones vorbereitet, begleitet von Martina Pungitore an der Orgel und einem vierstimmigen Bläsersatz.

Situation nicht nur schlechtreden

Von einem „Jahrhundertereignis“ sprach Bischof Kohlgraf in seiner Begrüßung. Zur Neugründung und zum Vorbild des Heiligen Bardo (980 geboren in Oppershofen, Erzbischof von Mainz 1031 bis 1051, Dombauherr) gratulierte er und sah neben der mühsamen Pflicht die Chancen in der Zusammenführung zu einer größeren Einheit. Gemeinsam sei man auf einem guten Weg.

In seiner Predigt führte der Bischof seine Gedanken zu den Vorteilen eines großen Gebäudes aus lebendigen Steinen auf tragfähigem Fundament aus. Er schaue hoffnungsvoll auf das gute Miteinander von Haupt- und Ehrenamt, auf Ergänzung und Inspiration im fortlaufenden Prozess des Zusammenwachsens in gegenseitiger Wertschätzung. Man möge die Situation nicht nur schlechtreden, bat der Oberhirte aus Mainz, sondern auch davon erzählen, was Kirche Gutes tue. „Die Gesellschaft erwartet etwas von uns.“ Die neue Pfarrei könne auch mit neuen Strukturen ein Ort der Nächstenliebe und Begegnung mit Gott in seiner Mitte werden. Seinen ausdrücklichen Dank richtete Kohlgraf an die koordinierenden und aufbauenden Kräfte im Pastoral-Team, insbesondere an Pfarrer Tobias Roßbach und an Koordinator Christoph Theobald, der Großes geleistet habe, auch in (Krankheits-)Vertretung für die nach wie vor vakante Stelle der Verwaltungsleitung.

Leitender Pfarrer ist Tobias Roßbach

Bischof Kohlgraf wünscht den offiziell benannten Mitarbeitenden der neuen Pfarrei Gottes Segen.

Zuvor hatte der Bischof die Gründungsurkunde für die Pfarrei Heiliger Bardo verlesen, in der die acht Pfarreien Bad Nauheim, Butzbach, Gambach, Münzenberg, Nieder-Mörlen, Ober-Mörlen, Oppershofen und Rockenberg aufgehen. Der Rechtsakt sei das eine, sagte der Bischof. Was trage, seien aber die Menschen, und so ermunterte er alle, sich einzubringen, „Salz der Erde und Licht der Welt“ zu sein. Den tragenden Säulen im neuen Großraum überreichte er die Personal-Dekrete: Leitender Pfarrer ist Tobias Roßbach, in den Gemeinden wirken außerdem Bad Nauheims Pfarrer David Rühl, der neue Koordinator und Gemeindereferent Patrick Wach, Kaplan Pater Febin Francis sowie die Gemeindereferentinnen Talisa Philipp und Stephanie Veith. Für die Schulseelsorge ist Juliane Weitzel im Einsatz, in der Gefängnisseelsorge Reiner Brandbeck, in der Klinik- und Seniorenseelsorge Birgit Kunz, Diakon Richard Graubert und Diakon Dieter Mackrodt.

Gemeindereferentin Stephanie Veith und eine Ministrantin stellen die Gruppen der neuen Pfarrei Heiliger Bardo vor.

Anhand eines Kirchen-Puzzles hatte Birgit Kunz zuvor die Aufgaben in der Pfarrei als lebendige Bausteine beschrieben und unterstrichen: „Es kommt auf jeden an.“ Neben den Hauptamtlichen seien es vor allem auch die vielen Ehrenamtlichen, die Kirche ausmachten: als Räte oder in der Kirchenmusik, Messdiener, Lektoren, Kommunionhelfer, Katecheten, Besuchsdienste, Klinik- und Altenheimseelsorger, in Kitas, in der Schulseelsorge, in Seniorenarbeit, Betriebsseelsorge, Gefangenenseelsorge, Trauerarbeit, Ökumene, Zusammenarbeit mit Kommunen und Vereinen, Büchereien, bei den Sternsingern, am Weltgebetstag, beim Frauenfrühstück, bei Gemeindefahrten und vielem mehr.

Anschließender Empfang

Kammermusiktrio mit Klavir, Cello und Posaune beim Konzert.

Aufbruchstimmung bestimmte auch den anschließenden Empfang in der Aula der St.-Lioba-Schule. Festliche und in dieser Kombination eher selten gehörte Stücke zwischen Charpentiers „Te Deum“ und dem „Song for Japan“ von Steven Verhelst steuerten Posaunist Tobias Reuter, Cellist Linus Ernst und Tobias Jüngel am Konzertflügel bei.

Erste Grußworte richtete Landrat Jan Weckler an die zahlreichen Gäste. Den Zusammenschluss zur Großpfarrei betrachte er als mutigen Schritt. Kirche müsse sich der Realität stellen; Religion und Glaube verlören an Bedeutung in der Gesellschaft. Hier brauche es ein starkes Signal. Dass sich Kirche bewege, sei ein gutes Zeichen und kontroverse Diskussionen allemal besser als Gleichgültigkeit. Dass Glaube über Grenzen hinweg verbinde, mache Mut.

Als hohes Gut der Demokratie würdigte Landtagsabgeordnete Annette Wetekam aus innerer Überzeugung gelebten Glauben. Kirche leiste einen wertvollen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Für die Bürgermeister aus den involvierten Gemeinden sprach Klaus Kreß (Bad Nauheim) Glückwünsche zu dem „historischen Tag für unsere Region und die Kirche“ aus. Die Städte freuten sich auf gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Der evangelische Wetterauer Dekan Volkhard Guth überbrachte Glückwünsche vom Synodalvorstand, betrachtete den Zusammenschluss als große Chance und zog Parallelen zu den evangelischen Nachbarschaftsräumen (Gründung am selben Nachmittag). Herausgeholt aus der bekannten Welt, werde man auf „weite Füße gestellt“, aber nie alleingelassen. „Lassen Sie uns entdecken, was uns vereint.“ Glück- und Kooperationswünsche überbrachten auch Jürgen Hofmann, Koordinator im Pastoralraum Wetterau Mitte, und St.-Lioba-Schulleiterin Astrid Finkeldey.

Gründungsgottesdienst im Video

Der Gründungsgottesdienst wurde aufgezeichnet und ist unter folgendem Link abrufbar: https://www.youtube.com/live/ZQCV6Gt4xAY

Aus acht wird eine

In der neuen Pfarrei Heiliger Bardo, Wetterau-Nord, haben sich die bisherigen Pfarreien Sankt Bonifatius (Bad Nauheim), Sankt Gottfried (Butzbach), Sankt Remigius (Ober-Mörlen), Maria Himmelfahrt (Nieder-Mörlen), Sankt Gallus (Rockenberg), Sankt Laurentius (Oppershofen), Mariä Himmelfahrt (Gambach) und Sankt Nikolaus (Münzenberg) zusammengeschlossen. Dem vorausgegangen war der Pastorale Weg im Bistum Mainz unter dem Leitwort „Eine Kirche, die teilt“.

Leitender Pfarrer für zunächst acht Jahre ist Tobias Roßbach, das zentrale Pfarrbüro ist in Butzbach angesiedelt, Kontaktstellen gibt es in den ehemaligen Pfarreien mit insgesamt fünf Pfarrsekretärinnen. Die Wahlen zum neuen Pfarrei- und zum Verwaltungsrat sind am 14./15. März.