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St. Nikolaus - Unser Patron

Unser Patron St. Nikolaus
Datum:
Mi. 24. Dez. 2025
Von:
Martina Bauer

EIN HEILIGER MIT GESCHICHTE – UND ZUKUNFT

Für die Pfarrei Hl. Nikolaus Worms-Wonnegau haben wir einen Patron gewählt, der Generationen von
Christen inspiriert hat – und es bis heute tut: Nikolaus von Myra. Seine Gestalt steht für Solidarität,
Gerechtigkeit und Fürsorge – Werte, die wir auch in unserer neuen Pfarrei leben und stärken wollen.
Nikolaus war im 4. Jahrhundert Bischof von Myra in Kleinasien (heute Demre in der Türkei). Berühmt
wurde er durch seine Nächstenliebe, seine Hilfe für Notleidende und seine Fürsprache für die
Schwachen. Viele Erzählungen sind überliefert: etwa, wie er drei Mädchen vor einem Leben in Armut
bewahrte oder unschuldig Verurteilte rettete. Bis heute prägt sein Wirken das Bild eines christlichen
Lebens aus gelebter Barmherzigkeit.
Auch bei uns in der Region hat Nikolaus Spuren hinterlassen: Bereits im 10. Jahrhundert wurde eine
Nikolaus-Reliquie nach Worms gebracht, und eine der ältesten Nikolauskapellen nördlich der Alpen
entstand im Wormser Dom. Der Nikolauskult war also schon früh lebendig.
EIN GEMEINSAMER WEG ZUR ENTSCHEIDUNG
Die Wahl des neuen Pfarreipatrons war Teil des Weges, den wir als Pastoralraum in den letzten
Jahren gemeinsam gegangen sind. In zahlreichen Gesprächen, Treffen und Beratungen – vor allem in
der Pastoralraumkonferenz und in Projektgruppen – wurde überlegt: Wer könnte uns auf unserem
neuen Weg begleiten? Wer steht für das, was uns verbindet?

ST. NIKOLAUS

Zahlreiche Heilige wurden vorgeschlagen. Doch die Entscheidung für Nikolaus reifte langsam und mit
breiter Zustimmung. Denn er verbindet vieles, was uns wichtig ist:
ein Vorbild für kirchliches Handeln heute,
ein Patron mit regionalem Bezug und großer spiritueller Tiefe,
ein Heiliger, der uns ermutigt, für andere da zu sein.
Diese Wahl ist nicht zufällig, sondern Ausdruck eines gemeinsamen Prozesses, in dem Haupt- und
Ehrenamtliche mitgewirkt haben – aus allen Orten und Bereichen des Pastoralraums.

EIN PATRON, DER VERBINDET – EIN AUFTRAG, DER WEITERGEHT

Nikolaus wird der neue Patron unserer gemeinsamen Pfarrei. Dabei bleiben die bisherigen
Kirchenpatrone selbstverständlich erhalten – sie prägen die Identität vor Ort weiter. Nikolaus
kommt als verbindende Figur hinzu: als Brücke zwischen den Orten, als Zeichen unseres Aufbruchs
und als Einladung, gemeinsam Kirche zu gestalten. 
Sein Beispiel erinnert uns daran, wie gelebter Glaube aussehen kann: mit wachem Blick für die Not
anderer, mit Mut zur Tat und mit dem Vertrauen, dass unser Handeln etwas bewirkt.
Wir freuen uns, diesen Weg mit Nikolaus an unserer Seite weiterzugehen – gemeinsam, vielfältig und
mit dem Blick auf das, was uns verbindet

DER WEG VOM BISCHOF AUS MYRA ZUM PATRON NACH WORMS

DER BISCHOF AUS MYRA
Nikolaus war im frühen 4. Jahrhundert Bischof von Myra in Kleinasien. Heute heißt die Stadt Demre
und liegt in der Türkei, in der Provinz Antalya. Kein Mensch im westlichen Abendland interessierte
sich im Mittelalter zunächst für diesen kleinasiatischen Bischof. Hier hatte man ja den heiligen
Martin, der fast zeitgleich mit Nikolaus lebte, in Worms seine Waffen niederlegte und im Gefängnis
saß. Ihn hatten die fränkischen Könige zu ihrem Nationalheiligen gemacht. Sein Mantel, die „Capella“,
war die Reichsreliquie schlechthin.
Ganz anders in der byzantinischen Ostkirche: Für den Kaiserhof in Konstantinopel war der heilige
Nikolaus das, was bei uns Martin war – der Nationalheilige. Bis heute gibt es keine orthodoxe Kirche,
in der nicht in der Ikonostase, der Bilderwand vor dem Altar, ein Bild des heiligen Nikolaus zu finden
wäre.
DER WEG NACH WORMS
Dann kam das Jahr 974. Dreimal hatte der römisch-deutsche Kaiser Otto bereits Gesandtschaften
nach Konstantinopel entsandt, um für seinen Sohn Otto II. eine Braut aus dem kaiserlichen Haus zu
werben. Zweimal ließ man ihn abblitzen, beim dritten Mal aber war das Werben erfolgreich: Mit der
Heirat zwischen Otto II. und Theophanu, der Nichte des oströmischen Kaisers, wurde eine Brücke
zwischen dem byzantinischen Kaiserhof und dem weströmisch-deutschen Reich geschlagen.
Mit Theophanu zog die griechisch-byzantinische Hochkultur in das damals noch finstere Mittelalter
des Westens ein – in Kunst, Mode und Wissenschaft. Und Theophanu brachte auch den Haus- und
Hofheiligen des byzantinischen Kaiserhofs mit: den heiligen Nikolaus.

DIE RELIQUIE

Ganz buchstäblich kam der Heilige in unser Land: Theophanu schenkte dem Dom zu Worms einen
Fingerknochen des heiligen Nikolaus, ebenso wie eine ähnliche Reliquie an den Kölner Dom. Von
Worms aus verbreitete sich die Verehrung dieses Heiligen allmählich im ganzen westlichen
Abendland.
Besonders Schiffer und Fischer waren von Nikolaus fasziniert – dem Heiligen, der Seeleute in Not
gerettet oder in Zeiten des Mangels mit Schiffsladungen Korn geholfen hatte. Nikolaus wurde ihr
Patron, und sie trugen seine Verehrung entlang von Rhein und Main weiter in das Reich. Schnell
entstanden überall Kapellen und Kirchen, die ihm geweiht waren. Auch das aufstrebende Bürgertum
entdeckte ihn als seinen Patron und ließ große Kirchen zu seinen Ehren errichten.
Der Ausgangspunkt aber war Worms mit seiner Nikolausreliquie.

DIE NIKOLAUSKAPELLE

Die erste Nikolauskapelle am Wormser Dom wurde bald zu klein und um das Jahr 1280 durch eine
große, gotische Nikolauskapelle ersetzt. Pilger aus aller Herren Länder kamen, um den
Fingerknochen des Heiligen zu verehren. Wunder wurden berichtet, und Nikolaus wurde auch zum
Patron der Schüler und Studenten. Die Domschule zu Worms – in der spätere Kaiser und Päpste
ausgebildet wurden – war ihm geweiht. Ein Portal, das Nikolaus als Lehrer inmitten seiner Schüler
zeigt, ist heute noch im Dom erhalten.
Die ursprüngliche Reliquie ging 1689 verloren, als die Franzosen Worms plünderten und
niederbrannten. Doch seit 1980 befindet sich in der Nikolauskapelle wieder eine neue Reliquie: eine
Ampulle mit „Nikolauswasser“ aus Bari, wo sich seit 1087 die Gebeine des Heiligen befinden – von
italienischen Kaufleuten einst aus Myra nach Italien gebracht.
Der Sarkophag in Bari schwitzt auf wundersame Weise ein klares Wasser aus, das im Grab
aufgefangen und als Reliquie verehrt wird. Eine kleine Ampulle dieses Wassers befindet sich heute
im modernen, schiffsförmigen Reliquiar der Nikolauskapelle – ein sichtbares Zeichen dafür, dass der
Heilige seinen Weg von Myra bis an den Rhein gefunden hat.

NIKOLAUSGEBET

Heiliger Nikolaus, 
Du Hirte Deiner Kirche, 
Du Freund der Armen, 
Du Kämpfer gegen das Böse.
In all den Unsicherheiten und Veränderungen unserer Tage 
rufen wir zu Dir und bitten Dich:
Sei Du unser Patron, 
unser Fürsprecher im Himmel, 
unser Wegbegleiter auf unserem Weg 
zu einer neuen Form des Kircheseins.
Wir bitten Dich
um Stärke und Klarheit gegen alles Böse, 
um Leidenschaft für die Gerechtigkeit, 
um Liebe zur Wahrheit,
um ein großes Herz für die Armen, Schwachen und Kleinen,
um Hoffnung auch in stürmischen Zeiten.

Hilf uns,
dass wir uns gegenseitig stützen auf dem Weg,
dass wir einen Blick füreinander haben 
und für die Menschen, die Gott uns an den Weg stellt.
Lass uns mit Leidenschaft und Freude 
die Frohe Botschaft vom Reich Gottes 
in die Welt tragen,
die Botschaft von der Hoffnung und der Liebe, 
die diese Welt so nötig braucht.
Lass uns glaubwürdige Zeugen sein für die Liebe Gottes, 
die uns in Jesus Christus aufgeleuchtet ist.
Sei Du unser Patron, unser Fürsprecher, unser Wegbegleiter.
Heiliger Nikolaus, bitte für uns!
Amen!