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St. Johannes d. Täufer in Bad König

Datum:
23. Dez. 2025
Von:
Dr. Jutta Reisinger-Weber M.A. (Kunsthistorikerin-Historikerin), 2025

Lage

64732 Bad König, Jahnstraße 12

Datierung

Grundsteinlegung 30. März 1928, Konsekration 27. August 1929

Architekt

Erwin Mühlhäuser, Bad König

Renovierungen

1947 Verputz-/Ausgestaltungsarbeiten, 1973, 1992 neuer Parkettboden, 1995 Windfang

Beschreibung

Johannes der Täufer, Bad König

Die Kirche wurde als blockhafter, mit Sandsteinrustika verblendeter Baukörper mit wuchtigem rechteckigen Westturm und eingezogenem, gerade endenden Chorraum im Osten errichtet. Das Kirchenschiff weist schmale Fenster im oberen Drittel der Nord- und Südwand auf. Von außen ist die Wandfläche mit durchgehenden Lisenen zwischen den Fenstern unterbrochen und lockert das Blockhafte auf. Der Turm erhebt sich nur wenige Meter über dem Kirchenschiff. Auf dessen Dach befindet sich ein großes Christusmonogramm. Unterhalb des Glockenstuhls mit Schalllamellen ist an der Westseite des Turm eine große Kreuzigungsgruppe aus Keramik nach dem Entwurf des Hanauer Bildhauers Reinhold Ewald (1890–1974) angebracht, die in der traditionsreichen Kunst-Töpferei Walther in Bad König gebrannt wurde.

Der Haupteingang leitet den Blick vom Kirchenschiff mit flacher holzverkleideter Decke zum Chor, der durch einen Spitzbogen vom Kirchenschiff sowie drei Stufen getrennt ist. Altar, Taufbecken (1997), Ambo (1989) und die Wand mit dem Tabernakel sind aus rotem Marmor gefertigt und korrespondieren miteinander. Über dem Altar hängt ein großes Bronzekruzifix (1994). An der Langhausstirnwand wurden 1951 links eine Herz-Jesufigur und rechts Maria mit Kind aus Lindenholz vom Künstler Josef Jägerbauer aus Würzburg aufgestellt. Darüber sind zwei Darstellungen von Johannes dem Täufer, dem Patron der Kirche, als Wandgemälde zu sehen (links Johannes weist auf Christus, den Messias und rechts die Taufe Jesu). An den Seitenwänden befinden sich je sieben Stationen des Kreuzwegs.

Gemälde

An der Rückwand der Orgelempore ist auf jeder Seite ein großes Gemälde angebracht:

Rechts: Eine Kopie der Pietà von Willem Key (um 1515–1568) eines unbekannten Malers, vor/nach 1900 angertigt. Maria sitzt auf einer Bodenerhebung und beugt sich über ihren toten Sohn, der auf ihrem Schoß ruht. Ihr Blick ist schmererfüllt. Im Hintergrund ist Jerusalem (rechts) sowie der Berg Golgatha mit den drei Kreuzen zu sehen. Seit 1627/30 ist das Gemälde von Fey im Inventar der Kammergalerie Kurfürst Maximilians I. von Bayern nachweisbar. Neben dem Original von Key kannte der Maler auch die Kopie von Alessandro Abondio (um 1570–1648), der diese als Wachsrelief 1632 in München schuf, da dem Bad Königer Gemälde der Landschaftsausschnitt von Abondoi zugrundeliegt.

Links: Das Gemälde der hl. Cäcilia geht auf eine Kopie der hl. Cäcilia von Raffael aus dem 17. Jahrhundert zurück, die sich in München in der Alten Pinakothek befindet. Cäcilia hält ein Portativ in den Händen, während sie verklärt gen Himmel schaut. Cäcilia ist allein zu sehen und nicht wie bei Raffael inmitten anderer Heiliger.

Beide Gemälde sind Kopien älterer Meister, die wohl während des Studiums/Aufenthaltes des unbekannten Malers in München, vor/nach 1900, entstanden.

Mosaik

Aus der am 13. August 1922 profanierten katholischen Kirche in Kirchbrombach stammt ein Mosaik, das nun in der Kirche St. Johannes der Täufer eine neue Heimat gefunden hat. Es zeigt Maria in Orantenhaltung auf der Mondsichel und den hl. Alban von Mainz und wurde vom Maler und Bildhauer Georg Hieronymi (1914–1993) aus Oberursel geschaffen.

Orgel

Die Orgelbaufirma Hey aus Urspringen/Rhön baute 1992 eine Orgel mit 17 Registern. Die Register:

Manual I: Principal 8', Gems-Rohrflöte 8', Octave 4', Quinte 2 2/3', Waldflöte 2', Terz 1 1/5', Mixtur IV 1 1/3'. Manual II: Gedackt 8', Salicional 8', Koppelnflöte 4', Principal 2', Quinte 1 1/3', Krummhorn 8', Tremulant. Pedal: Subbass 16', Octavbass 8', Trompete 8'. Koppeln: I/II, I/P, II/P. Als Besonderheit besitzt die Orgel ein Glockenspiel.

Glocken

Die Kirche hat ein Geläut mit „Tedeum-Motiv“ mit drei Glocken und wurde auf das Geläut der Evangelischen Schlosskirche abgestimmt. Die drei Glocken wurden 1966 von Friedrich Wilhelm Hans Kurt Schilling (1914–1971) in Heidelberg-Bergheim gegossen. Hl. Dreifaltigkeit/Angelusglocke (Ton fis', 740 kg), Hl. Johannes d. T.-Glocke (Ton a', 448 kg) und Hl. Maria, Ave-Glocke (Ton h', 305 kg).

Bemerkenswertes

Im Jahre 1905 wurde die Pfarrkuratie König-Vielbrunn gegründet und somit von der Pfarrei Neustadt abgepfarrt. Nachdem 1907 König und Vielbrunn getrennt wurden, trafen sich nun die katholischen Gläubigen aus 16 Orten in König: König, Birkert, Böllstein, Etzen-Gesäß, Fürstengrund, Gumpersberg, Hembach, Krumbach, Mittel-, Nieder- und Ober-Kinzig, Kirch- und Langenbrombach, Momart, Mümling-Grumbach und Zell. Seit 1903 fand im Gasthaus „Zur schönen Aussicht“ zunächst unregelmäßig, später sonntags eine katholische Messe statt.

Literatur

http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/11796  [Abruf: 2025-07] – Karl Heinz Winter: Heimatbuch Bad König, o.O. 1999, S. 6f. – Koenraad Jonckheere: Willem Key (1516-1568). Portrait of a humanist Painter, Turnhout 2011, Kat. Nr. A86, S. 167, Abb. S. 166. – Pietà (Relief), URL: https://www.bayerisches-nationalmuseum.de/sammlung/00108704  – Raffael (Kopie nach), Die hl. Cäcilia, 17. Jh., Alte Pinakothek München, URL: https://www.sammlung.pinakothek.de/de/artwork/53470Y5x9e  (Zuletzt aktualisiert am 23.07.2024) [Abruf: 2025-07].

© Dr. Jutta Reisinger-Weber M.A. (Kunsthistorikerin-Historikerin), 2025