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St. Sophia in Erbach

20 Bilder

Information und Orientierung

Von:
Dr. Jutta Reisinger-Weber M.A. (Kunsthistorikerin-Historikerin), 2025

Lage

64711 Erbach, Hauptstraße 40

Datierung

Grundsteinlegung 1842, Konsekration der Kirche 15. Mai 1843

Architekt

Bautechniker Sylvester Stockh (1774–1855), Erbach

Renovierungen

1938, 1958, 1968, 1998 Außenrenovierung, 2010 Innenrenovierung

Beschreibung

St. Sophia, Erbach

Die Kirche wurde im Rundbogenstil als schlichter Putzbau mit Werkstein-Rundbögen und einem vorgelagerten Glockenturm mit quadratischem Grundriss errichtet. Der Turm besitzt über der Eingangstür ein Rundfenster, sein oberes Geschoss mit Glockenstuhl ist achtseitig ausgeführt und schließt mit einem oktogonalen Spitzhelm ab.

Über dem Hauptportal ist die Patronin, die Hl. Sophia von Rom mit ihren drei Töchtern Fides (Glaube), Spes (Hoffnung) und Caritas (Liebe) dargestellt.

Ein Blick in den 1958 von Kurt W. Zöller (1921–1995) aus Miltenberg neu gestalteten Altarraum zeigt den wiederkommenden Christus inmitten eines vielfältig gebrochenen Strahlenkranzes, der motivisch die ganze Apsiswand einnimmt inklusiv der Glasfenster. Begleitet wird er von Engeln mit Posaunen, die ihn ankündigen.

Rechts und links der Apsiswand laufen senkrecht zwei durchgehende Bänder in mattem Rostrot mit einer Darstellung der Madonna im Strahlenkranz (rechts) und der Hl. Sophia (links).

Der Tabernakel wurde 1975 von der Goldschmiedemeisterin Päule Jelich aus Iserlohn gestaltet unter Verwendung von Turmalin und Bergkristallen, die auf die Offenbarung des Johannes deuten sowie ein Elfenbeinkreuz, welches auf Erbach als Elfenbeinstadt hinweist.

Zwei Statuen sind im Langhaus zu sehen, die des Hl. Antonius und der Hl. Elisabeth von Thüringen, die 1920 der Bildhauer Peter Valentin (1877–1962) aus Offenburg schuf, während die Pietà unter der Empore zeitgleich in St. Ulrich im Grödnertal/Tirol entstand. Der Kreuzweg mit 14 Stationen an Nord- und Südwand gehört zum Inventar, das Zöller Ende der 1950er Jahre schuf.

Eine Kopie der Madonna aus Fatima, ein Geschenk der portugiesischen Gemeindeglieder, ist an der Langhauswand zum Altar hin angebracht

Glasfenster

Die Fenster wurden 1958 von Kurt Zöller neu gestaltet, der die Herkunft der Gemeindeglieder aus den ehemaligen deutschen Siedlungsgebieten thematisierte und so allen eine Heimat gab: den Erbachern mit dem Erbacher Wappen und ehemaliger Kapelle im Brudergrund und den Hinzugekommenen aus Schlesien (Dominsel von Breslau mit Wappen Schlesiens), der Iglauer Sprachinsel (Iglau mit Iglauer Wappen), aus Pommern (Ruine von Kloster Hoff und Wappen von Pommern und Mecklenburg), dem Banat, Batschka, Wolynien, der Ukraine (Pußtalandschaft und Wappen, Häuserzeile eines Dorfes, Wappen mit Stephanskrone), dem Sudetenland (Sprudel als Symbol der westböhmischen Bäder Karlsbad, Marienbad und Franzensbad sowie Industrielandschaft Nordböhmens und das Wappen der Sudetendeutschen), aus Ost- und Westpreußen (Marienburg und Wappen mit Ordenskreuz und Elchschaufel).

Orgel

Die Orgel ist mit 13 Registern auf zwei Manualen und Pedal sowie Schleifladen mit mechanischer Traktur ausgestattet und wurde 1970 von der Firma Oberlinger aus Windesheim (Rheinland) geliefert. Teile der alten Orgel wurden wiederverwendet. Nach der Jahrtausendwende wurde die Orgel von der Darmstädter Orgelbaufirma Eichler komplett überholt und erhielt ein Trompeten-Register im Pedal, welches dem Orgelklang ein kräftiges Bassfundament verleiht.

Glocken

Die vier Glocken erklingen im „Salve Regina–Motiv“ (a-h-cis-e; Dur ausgefüllt) und sind abgestimmt auf das Geläut der evangelischen Stadtkirche. Drei Glocken wurden 1960 gegossen: Josefs-Glocke (160 kg), Marienglocke (300 kg), Christus-Glocke (400 kg). Die Martinsglocke (700 kg) kam 1964 anlässlich der Verschwisterung der Städte Erbach und Pont de Beauvoisin/Frankreich als Glocke der Versöhnung hinzu, da der hl. Martin, Bischofs von Tours und Patron der Diözese Mainz ist

Bemerkenswertes

Graf Eberhard zu Erbach-Erbach (1818–1884) stiftete das Grundstück. Fürstin Sophia von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (1784–1848) gab 3.000 Gulden. Aus Dankbarkeit erhielt die Kirche den Namen ihrer Namenspatronin St. Sophia.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Heimatvertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten nach Erbach, wodurch die Gemeinde um 75 Prozent wuchs.

Literatur

http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/10991  [Abruf 13.07.2025] – Textvorlage der alten Homepage „Pfarrkirche St. Sophia“, URL: https://bistummainz.de/pfarrei/erbach/informieren/unsere-pfarrkirche/  [Abruf 2025-07].

© Dr. Jutta Reisinger-Weber M.A. (Kunsthistorikerin-Historikerin), 2025