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St. Leonhard und St. Konrad in Beerfelden

12 Bilder

Information und Orientierung

Datum:
23. Dez. 2025
Von:
© Dr. Jutta Reisinger-Weber M.A. (Kunsthistorikerin-Historikerin), 2025

Lage

64743 Oberzent, Mümlingtalstraße 31

Datierung

Grundsteinlegung 23. Oktober 1955, Konsekration der Kirche 17. Mai 1957

Architekt

Konnte bislang nicht ermittelt werden.

 

Beschreibung

St. Leonhard und St. Konrad in Beerfelden

Die Kirche hat ein rechteckiges Schiff, an das sich eine Apsis mit 7/12 Schluss anschließt. Der Turm ist seitlich im Übergang zwischen Schiff und Apsis mit einem leichten Vorsprung eingeschlossen.

Das Schiff hat eine gewölbte Decke mit Balkenkonstruktion, während die Apsis mit einer sieben spitzbogigen Fensterreihe halbrund geschlossen ist. Die abstrakt gehaltenen Fenster sind von der Grundfarbe her in Blautönen gehalten.

In der Apsis ist mittig der Tabernakel zu sehen. Der Altar besteht aus einem trapezförmigem Unterbau und einer großen Platte aus rotem Sandstein. Auf der Vorderseite ist ein vergoldeter Stein aus der ehemaligen Kapelle des Leonhardhofes in Falken-Gesäß angebracht (in Erinnerung an die alte Kapelle, die zur Beerfelder Pfarrei gehörte). Über dem Altar hängt ein Kruzifix, bestehend aus einem Metallrahmen, an dem ein Korpus befestigt ist.

Vor dem Altar rechts steht der Taufstein aus Sandstein mit einer halbrunden Messingabdeckung, die als Knauf eine Taube mit Wasserlinien als Zeichen des Hl. Geistes besitzt. Auf der anderen Seite steht der bronzene Ambo mit der Darstellung der vier Evangelisten um das Christusmonogramm im Zentrum. Der Altarraum ist mittels zwei Stufen vom Kirchenschiff getrennt.

Rechts und links der Apsis steht an der Stirnwand des Kirchenschiffes je ein Altar. Beide Altäre sind vom Aufbau her gleich ausgeführt.

Links der Marienaltar auf einer Mensa aus rotem Sandstein, der bei dem Brand 1938 gerettet werden konnte. Ein Brandfleck weist noch darauf hin. Die Mitteltafel zeigt Maria mit dem Kinde von einem Strahlenkranz umgeben vor einer Landschaft. Auf den Flügeln sind die beiden Patrone der Kirche, der hl. Leonhard als Mönch und Einsiedler sowie der Kapuzinerlaienbruder, der hl. Konrad von Parzham, dargestellt. Der Altar entstand wohl in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre, da Konrad von Parzham 1934 heiliggesprochen wurde.

Der rechte Seitenaltar zeigt drei Szenen aus dem Leben des hl. Martin von Tours: In der Mitte die Mantelteilung, bei der der hl. Martin hoch zu Ross seinen Umhang als Soldat teilt und eine Hälfte davon einem Bettler reicht. Der rechte Altarflügel zeigt Martin als Mönch mit Gänsen, sowie auf der anderen Seite den hl. Martin, der sein Gewand einem nackten Mann gab und sich mit einem Stück Stoff begnügte.

Auf der Rückwand des Kirchenschiffs hängt links ein modernes Gemälde in Brauntönen. Es zeigt den Kapuzinerlaienbruder, den hl. Konrad von Parzham (1818–1894), wie er fünf Kindern, zwei Mädchen und drei Jungen ein Stück Brot reicht. Ein Junge hat ein Steckenpferd dabei. Konrad zeichnete sich durch Gebetseifer, stete Dienstbereitschaft und aufopfernde Liebe aus, was das Gemälde gut zum Ausdruck bringt.

Auf der rechten Seite der Rückwand ist eine farbig gefasste Madonna mit Kind angebracht. An den Seitenwänden ist ein 14–Stationen Kreuzweg zu sehen.

Orgel

Die einmanualige Orgel mit vier Registern wurde von der Orgelbaufirma Förster & Nicolaus aus Lich gebaut und durch Spenden finanziert.

Glocken

Das Geläut der Kirche besteht aus vier Glocken mit einem „Salve-Regina-Motiv“.

Bemerkenswertes

Seit 1897 durften mit Erlaubnis des Grafen von Erbach-Fürstenau die Katholiken einmal monatlich in der evangelischen Kleinkinderschule Gottesdienst feiern. Am 27. Dezember 1929 konnte eine Holzkapelle dem hl. Leonhard geweiht werden, die in der Hl. Nacht 1938 durch einen Brand zerstört (nur der Marienaltar wurde gerettet) und bereits renoviert am 16. Juli 1939 wieder geweiht wurde. Während des Zweiten Weltkriegs kamen Flüchtlinge aus den Städten, aber mehrheitlich nach dem Krieg Heimatvertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten nach Beerfelden und die Gemeinde wuchs. Am 15. Dezember 1952 wurde in Beerfelden eine eigenständige Pfarrei errichtet.

Literatur

Quelle: Pfr i.R. Richard Benner, 2002 – Phillipjosef Molitor: Zur Geschichte des katholischen Glaubens in Beerfelden, in: Festschrift zur 650-Jahr-Feier der Stadt Beerfelden, 1328–1978, hg. vom Magistrat der Stadt Beerfelden, Beerfelden [1978], S. 63-67 – Wilhelm Berger: Beerfelden die Stadt am Berge. Aus 1000jähriger Geschichte, Beerfelden o.J., S. 6f. – Die Kapelle St. Leonhard.

© Dr. Jutta Reisinger-Weber M.A. (Kunsthistorikerin-Historikerin), 2025