St. Luzia und St. Odilia in Hesselbach
Information und Orientierung
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Lage |
64760 Oberzent, Limesstraße 12 |
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Datierung |
Baubeginn 1765, Konsekration der Kirche 1766 |
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Architekt/Bauherr |
Abt Hyazinth Breuer OSB (1712-1794) und Abtei Amorbach |
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Renovierung |
1995–1997 Renovierung |
Beschreibung

Kleiner Saalbau mit eingezogener Apsis, flachgedecktem Saal und Haubendachreiter auf dem Westgiebel im Stil des sog. Bauernbarock.
Zu den ältesten Kunstwerken gehören die Figuren der „Schwarzen Madonna“ (aus Schöllenbach, um 1425), die hl. Ottilie und der hl. Jodokus, die auf dem rechten Seitenaltarblock vor dem gemalten Stuckaltar angeordnet sind.
Ein Geschenk der Abtei Amorbach war der Hochaltar von Franz Nagel (1635–1701) aus Miltenberg, die eine prächtige Furnierarbeit von 1692 bis 1695 darstellt, aus der Karnerkapelle von St. Michael in Amorbach stammt und eine geschnitzte Altargruppe „Tod des Hl. Josef“ zeigte. Der Hochaltar wurde zum Sakramentsaltar verändert. Anstelle der Figurengruppe erhielt er einen Tabernakel, darüber das Lamm Gottes mit Strahlenkranz sowie die Wolke mit dem Auge Gottes. Nach oben schließt der Altar mit der Figur des Erzengels Michael ab. Mit diesem korrespondieren zu beiden Seiten die Engelfiguren, die auf das Allerheiligste im Hochaltar hinweisen. Die ehemalige Figurengruppe mit dem hl. Josef auf dem Sterbebett und Maria und Jesus zu dessen Seiten, fand vor dem gemalten Stuckaltar auf dem Altarblock des linken Seitenaltars Aufstellung.
Die Kanzel stammt aus der Erbauungszeit, das Ambo mit großem Engelkopf gehört ebenfalls dazu. Die Empore ist aus Schlossau.
An den Wänden ist ein Kreuzweg mit 14 Stationen angebracht. Die beiden Wandnischen im Chorraum wurden nach der Renovierung einer neuen Verwendung zugeführt. Dort fanden Reliquiare ihren Platz. Über dem Opferaltar mit gotischen Elementen hängt heute eine Kopie des Hesselbacher Kreuzes (1997, Original im Hessischen Landesmuseum Darmstadt) von der Decke. Das Original wurde aus einem Grab innerhalb der Kirche geborgen.
Die Fenster des Kirchenschiffs zeigen die vier Evangelisten. Eine Statue der zweiten Patronin der Kirche, der hl. Luzia, befindet sich auf der Südseite des Kirchenschiffs.
Gemälde
Das Fürstenhaus Leiningen schenkte der Kirche ein Gemälde der Kreuzabnahme Christi. Der Historienmaler Anton Hasslacher (1859 Bas Ems–1925 Rom) kopierte ein Gemälde von Giovanni Bellini, das er unten links wie folgt bezeichnet: Copia dal Mantegna in Pinakotheka Vaticanus Anton Hasslacher 1896. Wurde das Gemälde Ende des 19. Jahrhunderts noch Andrea Mantegna zugeschrieben, so ist heute die Autorschaft von Giovanni Bellini gesichert. Wegen des ursprünglich hohen Aufstellungsortes als Abschluss des Hochaltares in der Kirche „San Francesco“ in Pesaro ist die Komposition Bellinis auf eine starke Untersicht angelegt.
Orgel
Die Orgel wurde 1995 von der Licher Orgelwerkstatt Förster & Nicolaus gebaut und besteht aus sechs Registern und Subbass.
Bemerkenswertes
Die Pfarrkirche Hesselbach, die seit 1426 Mudau untergeordnet war, hat durch ihre Zugehörigkeit zur Benediktinerabtei Amorbach als einzige im Odenwaldkreis die Reformation ohne Glaubensspaltung überstanden.
Ein mittelalterlicher Vorgängerbau wurde 1969 in seinen Resten ergraben. Dieser Rechteckbau mit eingezogenem Chor, war der Hl. Ottilie und dem Hl. Jodokus geweiht.
Nach dem Reichsdeputationshauptschluss wurde Hesselbach 1803 vorübergehend dem Fürstentum Leiningen zugeschlagen und war seit 1806 Bestandteil des Großherzogtums Hessen. Seit 1812 gehört Hesselbach zum Bistum Mainz.
Früher entsprang in der Kirche eine Quelle, deren Wasser heilende Kräfte zugesprochen wurden. Hesselbach war somit bis zum frühen 19. Jahrhundert eines der am stärksten frequentierten Quellheiligtümer des Odenwalds und Ziel von Wallfahrten. Heute befindet sich die Quelle wenige Meter unterhalb des Kirchportals.
Literatur
Katholische Pfarrkirche St. Luzia und St. Odilia, Hesseneck-Hesselbach, Festschrift, Hesselbach 1998 – Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen II: Der Regierungsbezirk Darmstadt, bearb. von Folkhard Cremer u.a., München-Berlin 2008, S. 439f. – http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/11145 [Abruf: 2025-07] – Giovanni Bellini (Venedig ca.1432-1516), Beweinung des toten Christus, ca. 1475, Öl auf Holz, 107 x 84 cm. Inv. 40290, ULR: https://www.museivaticani.va/content/museivaticani/de/collezioni/musei/la-pinacoteca/sala-ix---secolo-xv-xvi/giovanni-bellini--compianto-sul-cristo-morto.html [Abruf 2024-08-16].
© Dr. Jutta Reisinger-Weber M.A. (Kunsthistorikerin-Historikerin), 2025