St. Bonifatius in Lützel-Wiebelsbach
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Lage |
64750 Lützelbach, Bonifatiusweg 10 |
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Datierung |
Konsekration 27. September 1899 |
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Renovierungen |
1974 Neugestaltung des Innenraums und Anbau der Sakristei, 1984 |
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Architekt |
Derzeit nicht zu ermitteln. |
Beschreibung

Die Kirche ist über eine mehrläufige, verzweigte Treppenanlage zu erreichen, die als bewusster städtebaulicher Akzent für die Wiebelsbacher Dorfhälfte errichtet wurde. Der schlichte neugotische Kirchenbau hat als Grundriss ein lateinisches Kreuz. Der Turm mit Spitzhelm wurde an der rechten Langhauswand 1955/56 angebaut und weist im oberen Geschoss Schalllamellen für die Glocken auf.
Die Apsis besitzt einen 3/8 Schluss, Vierung und Chorraum haben ein Gewölbe und sind zwei Stufen erhöht vom Kirchenschiff. Im mittleren Feld der Apsis ist eine Kreuzigungsgruppe, bestehend aus drei farbig gefassten Figuren zu sehen. Unterhalb der Kreuzigung ist der Tabernakel auf einem Marmorfuß an der Wand angebracht.
Altar und Ambo sind vom Material und Motiv gleich ausgeführt und korrespondieren so miteinander. Die Umgestaltung des Innenraums 1974 versuchte der Liturgiereform Rechnung zu tragen, die durch das Zweite Vatikanum angestoßen wurde. Rechts und links des Altars sind seitdem Bankreihen gestellt. Bemerkenswert ist der 14 Stationen Kreuzweg, der an den Langhauswänden, aber auch im Chorraum bis an die Apsis angebracht ist.
An den Stirnwänden zur Apsis hin ist auf der linken Seite der Erzengel Michael und rechts der Patron der Kirche, der hl. Bonifatius als farbig gefasste Holzskulptur in expressiver Ausführung zu sehen. An den gegenüberliegenden Wänden sind Halbreliefs des hl. Karl Borromäus sowie des hl. Petrus Canisius zu sehen, die vom alten Hochaltar stammen.
An der Stirnwand des Langhauses steht links eine Maria mit Kind und rechts eine Figur des hl. Josef auf einer Marmorkonsole, die in die Zeit der Umgestaltung der Kirche zu datieren sind.
Glasfenster
Die Fenster in der Apsis sind ein Marienfenster sowie ein Joseffenster und wurden wohl 1899 wie auch die Fenster des Kirchenschiffes, die schlichter gehalten sind, eingesetzt. Die beiden Fenster verwiesen ursprünglich auf die Seitenaltäre: es gab einen Marien- und einen Josefaltar. Die Fenster des Langhauses weisen einen farbigen Rand auf sowie im Spitzbogen einen Vierpass mit floralen Elementen. Die Ähnlichkeit zu den Fenstern in St. Karl Borromäus zu Breuberg-Neustadt legen nahe, dass es sich um die gleiche Glasmalerei, nämlich Albert Zentner in Wiesbaden, handeln könnte.
Orgel
Im Jahr 1919 erhielt die Kirche eine Orgel des Orgelbauers M. Körfer aus Gau-Algesheim mit acht Registern, die 1973 renoviert und auf zehn Register durch die Orgelbaufirma Wagenbach aus Limburg erweitert wurde.
Die Register: I. Manual – C-f''': Prinzipal 8', Saliconal 8', Oktave 4', Blockflöte 2', Mixtur 4 f. 1 1/3'. II. Manual – C-f''': Gedackt 8', Rohrflöte 4', Prinzipal 2', Quinte 1 1/3'. Pedal – C-f': Subbass 16'. Koppeln: II/I, I/P, II/P. Spielhilfen: 2 freie Kombinationen, Tutti, Auslöser.
Glocken
Die Kirche hat ein „Tedeum“ Geläut, das am 16. März 1956 in der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe gegossen wurde: Marienglocke (Ton fis, 675 kg), Josefglocke (Ton ais, 370 kg) und Cäciliaglocke (Ton cis, 240 kg).
Bemerkenswertes
Von 1872 bis 1873 bestand in Lützel-Wiebelsbach eine Notkapelle in der katholischen Schule, in der alle 14 Tage eine Messe gefeiert wurde. Das alte Schulhaus wurde verkauft, weil die Gemeinde ein neues katholisches Schulhaus nun ohne Kapelle errichtet hatte. So gab es weiterhin Bemühungen, eine Kirche zu errichten.
Der Erwerb des Grundstücks sowie der Kirchenbau wurde durch Spenden finanziert, so gaben u. a. der Fürst und die Fürstin zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg 3.000 M., Pfarrer Seebacher von Breuberg-Neustadt 1.500 M. sowie die Bonifatiusvereine Mainz, Trier, Köln, Münster, Linz und Prag zusammen 4.800 M. Auch Gewinne aus Aktien kamen hinzu und zahlreiche Spenden.
Das Kirchengebäude hatte 1899 über dem Eingang einen Dachreiter mit zwei Glocken, der im Zuge des Anbaus eines Turmes1955/56 rückgebaut wurde. Heute trägt die Giebelspitze ein Kreuz.
Im Jahre 1927 war Lützel-Wiebelsbach von der Pfarrei Neustadt abgepfarrt worden und eigenständig.
Literatur
100 Jahre St. Bonifatius 1899-1999, hg. v. Katholische Kirchengemeinde St. Bonifatius Lützel-Wiebelsbach, Lützelbach 1999 – Joseph Klein: Heute Kirche bauen. Zur Geschichte der katholischen Pfarrei Seckmauern/Odenwald …, Lützelbach 21998, S. 116f. – http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/11275 [Abruf: 2025-07]
© Dr. Jutta Reisinger-Weber M.A. (Kunsthistorikerin-Historikerin), 2025