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St. Karl Borromäus in Breuberg-Neustadt

Von:
Dr. Jutta Reisinger-Weber M.A. (Kunsthistorikerin-Historikerin), 2025

Lage

64747 Breuberg-Neustadt, Erbacher Straße 41

Datierung

Grundsteinlegung 15. Mai 1849, Konsekration der Kirche 6. November 1849

Architekt

Bautechniker Sylvester Stockh (1774–1855), Erbach

Renovierungen

1955, 1970 mit Anbau einer Sakristei, 1980 Außenrenovierung, 1982 Innenrenovierung, 1999 Innenrenovierung (Auffrischung des Apsisgemäldes)

 

Beschreibung

St. Karl Borromäus, Breuberg-Neustadt

Für den Kirchenbau wurde ein schlichtes Gebäude im Rundbogenstil gewählt, dessen Langhaus mit den fünf Rundbogenfenstern mittels eines Rundbogenfrieses gegliedert ist. Der Glockenturm mit quadratischem Grundriss ist dem Langhaus mittig vorgelagert, das sich durch ein Flachsatteldach auszeichnet, während die halbrunde Apsis ein halbes flaches Kegeldach aufweist. Der Turm besitzt über der Eingangstür ein Rundfenster, sein oberes Geschoss mit Glockenstuhl weist an drei Seiten zwei Rundbogenfenster auf, die mit Schalllamellen versehen sind, um den Glockenklang weiterzuleiten.

Der heutige Innenraum geht auf die Renovierung von 1968/70 zurück, als man versuchte, die Gedanken des Zweiten Vaticanums umzusetzen. Aus dieser Zeit stammen der Altar aus italienischem Marmor, der nun vor den Rundbogen rückte und der Tabernakel in der Apsismitte.

Die von vielen Gemeindegliedern empfundene Kargheit erfuhr in den nachfolgenden Jahrzehnten einige Veränderungen. Im Juni 1974 wurde ein Kreuzweg aus versilbertem Holz mit 15 Stationen gekauft, der an der rechten Seite im Kirchenschiff angebracht wurde. Ende der 1970er Jahre kam ein handgeschmiedeter Opferlichtständer in Form eines Rosenkranzes hinzu, den Josef Geweiler in ca. 200 Stunden per Hand schmiedete. Dieser steht heute vor einer Kopie der Madonna aus Fatima, die die portugiesischen Gemeindeglieder spendeten, im hinteren Bereich des Langhauses unter der Orgelempore.

Die fehlende Farbfassung des Innenraumes und die als „leer“ empfundene Apsis erhielten 1980 eine Struktur. Die Fensterlaibungen wurden mit einer Schattenkante in der Farbe des roten Sandsteins eingefasst und der Triumphbogen bekam eine rote sandsteinfarbene Fassung mit Beistrich. Der Tabernakel erhielt drei Goldbänder und die Apsis eine Kreuzigungsgruppe des Kirchenmalers und Restaurators Werner Honisch aus Köln.

Vier holzsichtige Statuen ergänzen die Innenausstattung. Rechts und links an der Seitenwand zur Apsis eine Mondsichelmadonna sowie der Hl. Carl Borromäus, Patron der Kirche. An der linken Langhauswand sind es die Hl. Elisabeth von Thüringen und der Hl. Antonius von Padua.

Glasfenster

Sämtliche Kirchenfenster wurden gestiftet und entsprechen ganz der Zeit des Historismus und der darin vertretenden Neoromanik der letzten beiden Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts. Die Chorfenster sind thematisch gestaltet und zeigen die Taufe Christi und die Segnung der Kinder. Die Langhausfenster weisen eine teppichartige ornamentale Gestaltung auf, wobei jeweils zwei Fenster motivisch gleich gestaltet sind. Gefertigt wurden die Glasfenster in der Glasmalerei Albert Zentner in Wiesbaden.

Orgel

Die Orgel wurde 1972 durch den Orgelbauer Eduard Wagenbach (1903–1986) bzw. seinen Sohn Peter Wagenbach aus Limburg umgebaut und renoviert. Nach einer Generalüberholung 2018 hat die Orgel nun 15 Register in zwei Manualen und Pedal.

Die Register: Manual I: Prinzipal 8', Gedackt 8', Oktave 4', Flöte 4', Sifflöte 2', Mixtur 4 fach 1/3'. Manual II: Liebl. Gedackt 8', Salizional 8', Rohrflöte 4', Prinzipal 2', Quinte 1 1/3', Oboe 8'. Pedal: Subbass 16', Flöte 4', Oboe 8'. Koppeln: II/I, I/P, II/P. Spielhilfen: zwei freie Kombinationen, Tutti, Auslöser.

Glocken

Die Kirche hat als Geläut ein „Tedeum-Motiv“ mit drei Bronzeglocken: Die Bonifatiusglocke 1884 stammt aus der Glockengießerei Andreas Hamm in Frankenthal (Ton d''). In der Glockengießerei Gebrüder Bachert in Karlsruhe wurde 1955 die Josephsglocke gegossen (Ton c'', 237 kg). Die Marienglocke aus der Glockengießerei Rincker in Sinn komplettiert seit 1990 das Geläut (Ton a', 445 kg).

Bemerkenswertes

Im Jahr 1821 wurde die Pfarrei Neustadt gegründet und ihr erster Pfarrer, Dr. Bernard Würschmitt, gab 1822 das „Christkatholische[s] Gesang- und Gebetbuch zum allgemeinen Gebrauche bei dem öffentlichen Gottesdienste mit 454 Seiten heraus, da in der Gemeinde keine Gebetbücher vorhanden waren.

Landesweit wurde über ein Jahrzehnt gesammelt und ein Kirchenbaufonds gegründet, zu dem Fürstin Sophie von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg 400 Gulden hinzustiftete. Ein geeignetes Grundstück gab es dann am Ortseingang von Neustadt, zu dem die Standesherrschaft Erbach-Schönberg einen Teil des Grundstückes beisteuerte. Der Bau konnte 1849 realisiert werden und die katholischen Beamten des Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg bekamen ihre Pfarrkirche. Die Kirche erhielt als Dank das Patrozinium St. Carl Borromäus nach dem Namenspatron des Fürsten Karl Thomas zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (1783–1849), der drei Tage von der Konsekration der Kirche starb.

Literatur

Jutta Reisinger-Weber: St. Karl Borromäus (1849-2019). Aus der Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde Neustadt (Breuberg), hg. von Kath. Pfarrgemeinde Neustadt, Breuberg-Neustadt 2019 – http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/11853  [Abruf: 2025-07].

© Dr. Jutta Reisinger-Weber M.A. (Kunsthistorikerin-Historikerin), 2025