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Verkündigung des Herrn in Reichelsheim

Datum:
23. Dez. 2025
Von:
© Dr. Jutta Reisinger-Weber M.A. (Kunsthistorikerin-Historikerin), 2025

Lage

64385 Reichelsheim (Odenwald), Krautweg 26

Datierung

Erster Spatenstich 11. Juni 1974, 18. Dezember 1977 Grundsteinlegung, Konsekration der Kirche 17. Juni 1979

Architekt

Horst Römer (1928-2008) aus Kaiserslautern-Krickenbach und Helmut Baumgart, der während des Projektes verstarb. Die Architekten Philipp Dingeldein und Gerhard Seiler begleiteten Horst Römer bis zur Vollendung des Kirchenbaus.

 

Beschreibung

Verkündigung des Herrn, Reichelsheim

Die Reichelsheimer Kirche ist die jüngste Kirche in der Pfarrei. Ihr äußeres Erscheinungsbild ist bis auf den Turm mit Schiefer geschindelt.

Der holzsichtige Innenraum mit einem Dach in Zeltform in drei Absätzen erreicht über dem Altar seine größte Höhe. Der Altar aus Reichelsheimer Rosenquarz ist mittig so angeordnet, dass zu drei Seiten Bänke gestellt sind. Damit folgt die Anordnung des Innenraumes der Liturgiereform, angestoßen durch das Zweite Vatikanum.

An weiterer Innenausstattung sind im Kirchenraum der Jerusalem-Leuchter über dem Altar, Tabernakel, Osterleuchter, Ambo und Kerzenständer, Taufsteindeckel und Apostelleuchter in Aluminiumguss ausgeführt, zu nennen. Sie stammen von dem Speyrer Maler und Bildhauer Georg Günther Zeuner (1923–2011).

Im Jahr 1983 kam ein Kreuzweg mit 14 Stationen hinzu, der ebenfalls von Zeuner gefertigt wurde, wobei er die Darstellungen der einzelnen Stationen in Aluminiumguss vor einen farbigen Emailhintergrund setzte.

Fenster

Das Fenster in der Ostwand thematisiert das Handeln Gottes an Maria: mittig die Mondsichelmadonna (apokalyptische Frau), links davon die Verkündigung und rechts die Geburt des Heilandes.

Orgel

Die heutige Orgel ist das zweite Instrument und wurde 1998 von der Orgelbauwerkstatt Bosch in Niestetal gebaut mit 11 Registern.

Die Register: I. Manual: Principal 8', Flöte 8', Gedackt 8', Octave 4', Holzflöte 4'. II. Manual (Brustwerk) Option Schwellwerk): Salicional 8', Rohrflöte 8', Holzflöte 4', Waldflöte 2', Scharf III-IV-f. 1 1/3', Schalmey 8', Tremulant. Pedal: Subbass 16'. Koppeln: II/I, I/P, II/P.

Glocken

Der Glockenturm wurde für ein vierstimmiges Geläut geplant, das seit 1986 besteht. Dabei wurde auf zwei Glocken aus Restbeständen der Karlsruher Glockengießerei zurückgegriffen und die Marien- und Michaelsglocke wurden am 26. September 1986 dort gegossen: Marienglocke (Ton e'-3, 940 kg), Michaelsglocke (Ton g'-4, 610 kg), Laurentiusglocke (a'-4, 417 kg) und Josefsglocke (Ton c''-3, 311 kg).

Bildstock

Aus dem auseinandergenommenen ehemaligen Sandsteinalter der alten Kirche schuf 1993 der Kunstbildhauer Joachim Erwin Götz aus Klein-Gumpen einen Bildstock, der nahe der Kirche Aufstellung fand. Er zeigt ein Halbrelief der Maria mit Kind (orthodoxe Vorlage der Glykophilusa = Zärtliche, süß Küssende) und unterhalb des Marienbildes eine Ablageplatte für Blumen bzw. die Monstranz bei Prozessionen. Der Bildstock hat mittig ein Band mit aus Blättern, Früchten und Blüten. Am Fuß verweisen Weintrauben und Brote auf die Herkunft der Platte als ehemalige Altarplatte.

Bemerkenswertes

Erst seit dem 1. Februar 1949 besteht die katholische Kirchengemeinde Reichelsheim. Die Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten führte zu der Gründung einer eigenen Pfarrgemeinde. Überwiegend Sudetendeutsche kamen mit Kriegsende ins obere Gersprenztal.

Literatur

Volker Stroh: Die neue Pfarrkirche Verkündigung des Herrn in Reichelsheim, in: 50 Jahre Katholische Pfarrgemeinde Reichelsheim im Odenwald 01.02.19149-01.02.1999, 20 Jahre Weihe der Pfarrkirche Verkündigung des Herrn am 17.06.1979. Festschrift, hg. Katholisches Pfarramt Verkündigung des Herrn Reichelsheim, Fränkisch-Crumbach 1999, S. 102-107. Hans Peter Loos: Auch die Pfarrkirche erhält ein neues Geläut, u.a., in: 50 Jahre Katholische Pfarrgemeinde Reichelsheim im Odenwald …, Fränkisch-Crumbach 1999, S. 108-124.

© Dr. Jutta Reisinger-Weber M.A. (Kunsthistorikerin-Historikerin), 2025