Heilig Geist in Vielbrunn
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Lage |
64720 Michelstadt, Kettelerstraße 1 |
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Datierung |
Erster Spatenstich 6. August 1972, Richtfest 8. Juni 1973, Konsekration 8. Juni 1974 |
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Architekt |
Erwin van Aaken (1904–2008) – vgl. Christkönig in Höchst (1965), St. Margaretha Seckmauern (1982) |
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Renovierung |
1999 Innenanstrich |
Beschreibung

Der Grundriss der Kirche ist ein Quadrat an dessen Seiten Trapeze angeordnet sind. Das zeltförmige Dach gipfelt mittig in einem Dachreiter mit Schalllamellen für die beiden Glocken, auf dem ein gen Himmel weisender langer, spitz zulaufender Strahl zu sehen ist.
Die Decke des Innenraumes ist holzsichtig und Licht erhält der Innenraum durch zwei Eckfenster, die die Gesamthöhe der Wand einnehmen und vom Würzburger Kunstmaler Lukas Gastl (1924–2010), der mit dem Architekten van Aaken zusammenarbeitete, gestaltet wurden.
Der Altar ist, eine Stufe erhöht, mittig angeordnet sowie analog dazu der Ambo. Altar und Ambo korrespondieren in der Wahl des Materials. An drei Seiten sind Bänke gestellt, womit die Anordnung des Innenraumes der Liturgiereform, angestoßen durch das Zweite Vatikanum, folgt.
Hinter dem Altar ist eine Trennwand zu sehen, in die der Tabernakel integriert ist und die 1999 durch den Kölner Künstler Werner Honisch neu gestaltet wurde. Dahinter ist der Raum genutzt für die Orgel, deren Prospekt sich oberhalb der Wand harmonisch in den Innenraum einfügt.
Das bronzene Kreuz über dem Altar sowie den 15–Stationen Kreuzweg aus Bronze gestaltete 1984 Lukas Gastl (1924–2010).
Orgel
Die Orgel mit 13 Registern, zwei Manualen und Pedal wurde vom Orgelbaumeister Erich Breitmann in Nieder-Olm über Mainz gebaut. Im Jahr 2016 wurde die Orgel generalüberholt und elektronische Bauteile durch neue ersetzt.
Die Register: Manual I: Rohrflöte 8', Prinzipal 4', Quinte 2 2/3', Waldflöte 2', Mixtur 4 fach 1 1/3'. Manual II: Holzgedackt 8', Spillflöte 4', Sesquialter 2 f. 2 2/3', Prinzipal 2', Zimbel 3 fach 2/3', Tremulant. Pedal: Subbass 16', Choralbass 4'. Koppeln: II/I, I/P, II/P. Spielhilfen: zwei freie Kombinationen, Tutti, Auslöser.
Glocke
Die Kirche hat ein Geläut von zwei Glocken, die in der Heidelberger Glockengießerei wohl 1973 gegossen wurden. Die größere Glocke ist die Marienglocke und die kleinere die Martinusglocke, die gespendet wurden.
Im Jahr 1972 hatte die Heidelberger Glockengießerei folgende Geläute angeboten: Ton gis'', 85 kg und Ton h'', 50 kg oder Ton a'', 70 kg und Ton c''', 45 kg. Ein Paar davon wurde in Heidelberg abgeholt und im Glockenstuhl des Dachreiters angebracht.
Bemerkenswertes
Vielbrunn gehörte zur Pfarrei Neustadt, die 1821 gegründet wurde und die Herrschaft Breuberg umfasste. Im Jahr 1905 wurden Vielbrunn und König abgepfarrt und die Pfarrkuratie Vielbrunn-König errichtet. Die Vielbrunner nutzten die Kapelle in Hainhaus für ihre Gottesdienste. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Pfarrei auf Grund des Zuzugs von Heimatvertriebenen an, so dass Ende der 1940er Jahre eine Kapelle errichtet wurde, die 1954 geweiht wurde. Im Jahr 1966 wurde ein Kirchenbauverein gegründet und so begannen Vorplanungen für den Bau einer Kirche, der Anfang der 1970er Jahre umgesetzt wurde.
Mit Gründung der neuen Pfarrei „Guter Hirte im Odenwald“ im Januar 2026 wird diese Kirche als „Musikkulturkirche“ einen neuen Schwerpunkt innerhalb der Pfarrei erhalten.
Literatur
Kirchengemeinde „Heilig Geist“ Vielbrunn. Festschrift 50 Jahre Pfarrkirche „Heilig Geist“, hg. von Kirchengemeinde „Heilig Geist“ Vielbrunn, Inhalt und Layout Werner Gebhard u. Volkmar Raabe, o.O. 2024 – Pfarrarchiv.
© Dr. Jutta Reisinger-Weber M.A. (Kunsthistorikerin-Historikerin), 2025