Unser spiritueller Impuls zum 2. Sonntag nach Weihnachten – 04. Januar 2026:3 Minuten für dich und Gottes Wort

Liebe Schwestern und Brüder,
Der Text des heutigen Evangeliums klingt geheimnisvoll. Der Evangelist Johannes beginnt mit diesen für uns heute so schwer zu verstehenden Worten den Bericht über das Leben, den Tod und die Auferstehung Jesu. Er macht das ganz anders, als die anderen Evangelisten: er erzählt nichts von der Geburt, also vom Anfang des Lebens Jesu auf Erden. Trotzdem ist es eine ‚Anfangs-Geschichte’: Johannes will gleich zu Beginn sagen, wer dieser Jesus ist, von dem er berichtet.
Evangelium (Joh 1, 1–5.9–14))
1Im Anfang war das Wort
und das Wort war bei Gott
und das Wort war Gott.
2Dieses war im Anfang bei Gott.
3Alles ist durch das Wort geworden
und ohne es wurde nichts, was geworden ist.
4In ihm war Leben und
das Leben war das Licht der Menschen.
5Und das Licht leuchtet in der Finsternis
und die Finsternis hat es nicht erfasst.
9Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet,
kam in die Welt.
10Er war in der Welt
und die Welt ist durch ihn geworden,
aber die Welt erkannte ihn nicht.
11Er kam in sein Eigentum,
aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
12Allen aber, die ihn aufnahmen,
gab er Macht, Kinder Gottes zu werden,
allen, die an seinen Namen glauben,
13die nicht aus dem Blut,
nicht aus dem Willen des Fleisches,
nicht aus dem Willen des Mannes,
sondern aus Gott geboren sind.
14Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt
und wir haben seine Herrlichkeit geschaut,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.
Das ist unser spiritueller Impuls für den Alltagl

Liebe Schwestern und Brüder,
ein Kind als Zeichen – dieses Bild verbindet die Lesung des Jesaja mit unseren eigenen Erfahrungen. Wer eine Schwangerschaft begleitet hat, kennt die leisen Vorboten: Zunächst unscheinbar, doch unmissverständlich kündigen sie an, dass sich das Leben verändern wird. Mit der Zeit werden die Zeichen deutlicher, schließlich unübersehbar. Und wenn das Kind geboren wird, steht nichts mehr an seinem alten Platz. Ein kleines, verletzliches Leben bringt eine Kraft mit sich, die herausfordert, Hingabe fordert, Herzen öffnet. Ein Kind konfrontiert uns mit einer Liebe, der wir uns kaum entziehen können.
In der ersten Lesung wird genau ein solches Kind zum Zeichen: Immanuel – „Gott mit uns“. Dem bedrängten König Ahas gilt diese Zusage als Hoffnung mitten in Unsicherheit. Ahas sieht nur die Bedrohung, die ihn umgibt. Doch Gott schenkt ihm ein Zeichen, das nicht laut erscheint, sondern zart – ein Kind. Ahas muss entscheiden: Vertraut er allein auf das Offensichtliche? Oder öffnet er sich der Möglichkeit, dass Gott selbst im Chaos eine neue Zukunft wachsen lässt?
Der 4. Advent lädt uns ein, solche Zeichen wahrzunehmen. Gottes Kommen zeigt sich im Kleinen, im Anbruch neuen Lebens. Dieses Kind erinnert uns: Gott ist uns nahe. In seiner Zartheit zeigt sich seine Kraft. Wir dürfen neu Vertrauen lernen: Wir sind nicht allein.
Dieses Vertrauen brauchen wir auch jetzt, in einer Zeit großer Veränderungen. Am 1. Januar gründen wir die neue Pfarrei „Guter Hirte im Odenwaldkreis“, während zwölf vertraute Pfarreien enden. Viele spüren Unsicherheit, manche Schmerz über das Vertraute, das wir zurücklassen. Doch gerade hier gilt Gottes Zeichen: Er bewahrt nicht nur Altes, er lässt Neues entstehen.
Der Name „Guter Hirte“ erinnert uns: Christus führt uns. Deshalb dürfen wir mutig gehen. Wie ein Kind Zukunft eröffnet, kann auch dieser Schritt ein Anfang sein: für mehr Miteinander, geteilte Verantwortung und einen Glauben, der tiefer wird.
Immanuel – Gott ist mit uns. Und mit ihm gehen wir in das Neue.
Gedankenanstöße
• Wo entdecke ich in diesen Tagen die stillen Zeichen, dass Gott mir nah ist?
• Welche Unsicherheiten möchte ich loslassen, um Vertrauen wachsen zu lassen?
• Wie kann ich mich konstruktiv in den Neubeginn unserer Pfarrei einbringen?
• Wo fordert mich das Kind in der Krippe heraus, neu Hoffnung zu leben?
Segenswunsch:
Gott erfülle dein Herz mit der wachsenden Freude auf das Kind von Bethlehem.
Er schenke dir Vertrauen in all das Neue, das in deinem Leben und in unserer Kirche entsteht.
Er behüte deine Gedanken, wenn dich Unsicherheit berührt, und stärke deinen Mut zum Weitergehen.
Er lasse in dir den Frieden wachsen, der tiefer ist als alle Fragen.
So segne dich Gott in diesen letzten Tagen des Advents – und auf dem Weg zum Weihnachtsfest.
Mit herzlichen Segenswünschen,
Diakon Volkmar Raabe