Manche Leute haben an den Türen vor Freude fast geweint:Die Sternsinger sind wieder zurück!

Am Samstag trafen sich rund 30 Sternsingerinnen und Sternsinger aus der Pfarrei Guter Hirte im Odenwaldkreis in der katholischen Gemeinde Reichelsheim, um gemeinsam einen festlichen Rückkehr- und Dankgottesdienst zu feiern. Die seit 2004 bestehende Tradition bietet jedes Jahr Raum für Begegnung, Austausch und gemeinsames Erleben und bildet einen würdigen Abschluss der Sternsingeraktion.

Eingeladen hatte die Regionaljugendseelsorgerin des katholischen Jugendbüros Südhessen, Lena Giel, die den Nachmittag gemeinsam mit Vera Encarnacao von der Kindergruppe Reichelsheim gestaltete. Im Mittelpunkt des Treffens standen das gegenseitige Kennenlernen sowie der Austausch über die Erfahrungen, die die Kinder und Jugendlichen während der Sternsingeraktion gesammelt hatten.
Passend zum diesjährigen Motto „Schule statt Fabrik – Sternsinger gegen Kinderarbeit!“ setzten sich die Teilnehmenden auch inhaltlich mit dem Thema auseinander. Im Entscheidungsspiel „Was ist fair?“ beschäftigten sich die Kinder mit verschiedenen Alltagssituationen, in denen Kinder arbeiten oder mithelfen. Anhand konkreter Beispiele überlegten sie, ob eine Situation gerecht ist oder ob Kinderrechte verletzt werden. Im gemeinsamen Gespräch lernten sie, ihre eigene Meinung zu formulieren, andere Sichtweisen zu respektieren und zwischen harmloser Mithilfe und ausbeuterischer Kinderarbeit zu unterscheiden.
Neben den inhaltlichen Impulsen kam auch der Spaß nicht zu kurz. Kreative Bastelangebote luden zum Mitmachen ein, und ein übergroßes Jenga-Spiel sorgte für viel Freude – auch wenn daraus schnell ein fröhliches Bauen mit großen Holzklötzen wurde. Auf die Frage, warum sie bei der Sternsingeraktion mitmachen, waren sich viele Kinder einig: „Weil es Spaß macht, mit Freunden unterwegs zu sein und neue kennenzulernen.“ Ebenso wichtig war ihnen aber auch der Gedanke, anderen zu helfen und Spenden für Kinder in Not zu sammeln. Rita Germann aus der katholischen Gemeinde Am Odenwaldlimes berichtete, dass viele Kinder schon seit Jahren dabei seien und die Begeisterung von Jahr zu Jahr wachse.
Auch im anschließenden Gottesdienst, den Lena Giel leitete, wurde das Thema der Sternsingeraktion aufgegriffen. In diesem Jahr stand Bangladesch als Beispielland im Mittelpunkt, um auf das weltweite Problem der Kinderarbeit aufmerksam zu machen. Ein Rollenspiel bildete den Einstieg in die Ansprache: Drei Kinder stellten unterschiedliche Arbeiten dar – vom Fegen über das Verpacken von Snacks bis hin zum Polieren einer Metallschüssel. Die Szenen machten eindrücklich sichtbar, unter welchen Bedingungen viele Kinder weltweit arbeiten müssen.
Im weiteren Verlauf traten drei Sternsingerinnen und Sternsinger gemeinsam mit einem Sternträger nach vorne. Sie brachten einen Schulranzen, ein Schulbuch und einen Erwachsenen mit und erklärten, dass die Kinder nun zur Schule gehen dürften. Der Erwachsene stand symbolisch dafür, dass gefährliche Arbeiten von Erwachsenen übernommen werden sollen. Zunächst äußerten die Kinder im Spiel ihre Sorge, da ihre Familien auf das Einkommen angewiesen seien. Der Sternträger machte jedoch deutlich, dass die Sternsingeraktion Hoffnung schenkt: Durch die Unterstützung vieler Menschen werde Bildung möglich und damit die Chance auf eine bessere Zukunft eröffnet.
In Predigt und Fürbitten griff Lena Giel diese Gedanken erneut auf und stellte den Zusammenhang zwischen Engagement, Solidarität und Kinderrechten her. Der leitende Pfarrer der Pfarrei „Guter Hirte im Odenwaldkreis“, Harald Poggel, dankte ihr und allen Mitwirkenden für die gelungene Gestaltung der Rückkehrfeier. Besonders hob er den gemeinschaftsstiftenden Charakter der Aktion hervor.
Ole und Lennard aus Bad König ergänzten diese Aussage durch ihre Erfahrungen: Ole - „Ich fand es toll, dass sich so viele Menschen über unseren Besuch gefreut haben.“ Lennard – „Manche Leute haben an den Türen vor Freude fast geweint.“
Dass dieses Engagement Wirkung zeigt, belegt auch das Spendenergebnis: In der Pfarrei Guter Hirte sind bislang 41.300 Euro zusammengekommen, die nun in Projekte gegen Kinderarbeit und für Schulbildung investiert werden. Ein starkes Zeichen der Solidarität und ein wichtiger Beitrag, um Kindern weltweit Bildung und eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Zugleich äußerte Poggel die Hoffnung, dass dieses Engagement auch in der neu entstandenen großen Pfarrei weitergeführt werde – zum Wohl der Kinder weltweit und für den Zusammenhalt vor Ort.