Um Himmels Willen: Die Wunden der Gesellschaft

Silke Kleinschmitt (c) Berthold Kleinschmitt
Silke Kleinschmitt
Mo 30. Mär 2020
Silke Kleinschmitt

Zu Beginn der österlichen Bußzeit begegnete mir ein Bild des sogenannten „Arma-Christi-Kreuzes“, bei dem Jesus der Gekreuzigte auf die Symbole seiner durchbohrten Hände, Füße und Seiten sowie die Dornenkrone reduziert dargestellt wird. Ergänzt durch das biblische Motto der Darstellung „Durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jesaja 53,5).

 

Tatsächlich? „Durch seine Wunden sind wir geheilt“, das ist die Zusage. Sie hallt in mir nach. Aber sind denn die Wunden unserer Gesellschaft und jedes einzelnen tatsächlich geheilt. In Tagen, in denen ein Virus unsere wesentlichen Grundrechte sowie gesellschaftliche Strukturen hart einschränkt und uns Nachrichten wie über die Taten von Hanau und Volkmarsen ereilen. In denen unschuldigen Menschen-Kinder und Erwachsene- gewaltsam mitten aus dem Leben gerissen werden. In denen Despoten menschliches Leid als politisches Druckmittel missbrauchen. In denen Machtstreben, Menschlichkeit und Mitgefühl vernebelt. Sind denn die Wunden nicht tiefer denn je und reißen nicht täglich an einer anderen Stelle der Welt wieder neu auf?

 

Wo und wie können wir dieser Tage die Heilszusagen finden und transportieren? Als Antwort erscheint es mir so aktuell denn je, dass eine jede und ein jeder in Vertrauen auf die Heilszusage Gottes, dass er uns nicht verlässt und sein Geist in jedem von uns wohnt, lebt. Und dass wir in Vertrauen auf diese Zusage mit Mut und Entschlossenheit den Samen von Toleranz, Respekt und sozialem Miteinander säen und hegen und mehren und bewahren.