Um Himmels Willen: "Scherben bringen Glück"

Stefan Röser ermuntert uns auch die Unebenheiten unseres Lebens zu akzeptieren.

Stefan Röser, Gemeindereferent in Armsheim, Sulzheim, Spiesheim und Wörrstadt Präventionsbeauftragter für Prävention von sexuellem Missbrauch an Kindern & Jugendlichen im Dekanat Alzey / Gau-Bickelheim.
Stefan Röser, Gemeindereferent in Armsheim, Sulzheim, Spiesheim und Wörrstadt Präventionsbeauftragter für Prävention von sexuellem Missbrauch an Kindern & Jugendlichen im Dekanat Alzey / Gau-Bickelheim.
Sa 5. Okt 2019
Stefan Röser

„Scherben bringen Glück" das mag für die Wühltischtasse gelten, dachte ich ärgerlich, aber nicht für die tolle Teeschale vom Töpfermarkt in Alzey, die mir die Tage aus der Hand gefallen ist.

Es gelang mir die Tasse wieder mit Sekundenkleber zusammen zu setzen.  Dabei  war es mir  wichtig, dass man anschließend so wenig wie möglich vom Schaden erkennt.

Ganz anders gehen die Japaner mit Scherben um. Kintsugi heißt die Technik Scherben mit Lack aneinander zu fügen und dann die Risse mit Goldstaub zu veredeln.  Damit wird der Makel nicht vertuscht, sondern das Beschädigte bewusst hervorgehoben. Es hat etwas Tröstliches,  in Bruchstellen und im Fehlerhaften eine Faszination zu entdecken, die es wert ist sogar mit Gold gewürdigt zu werden. Zugleich  ist es  eine radikale Absage an die Wegwerfmentalität. Kintsugi zeigt, dass Wertigkeit und Ausstrahlung  nicht nur in Perfektion  begründet ist, sondern im achtsamen Umgang mit Sprüngen und Rissen.

Dabei musste ich auch gleich an Jesus denken. Hat er doch die Menschen begeistert mit seiner Botschaft von einem Gott, der alle Menschen mit ihren Wunden, Narben, Brüchen und Verletzungen annimmt. Dieser Gott blickt uns liebevoll an und sieht in dem Zerbrochenen, in den  Splittern und Macken unseres Lebens eine Schönheit,  die uns selbst oft verborgen bleibt. Lernen wir davon, vielleicht gelingt es dann auch uns Kratzer und Dellen in unserem  Leben  und bei unseren Mitmenschen  anders und gelassener zu sehen.