Um Himmels Willen: Solidarisch ist man nicht alleine!

Hans-Georg Orthlauf-Blooß (c) Orth (Ersteller: Orth)
Hans-Georg Orthlauf-Blooß
Sa 2. Mai 2020
Hans-Georg Orthlauf-Blooß

Zum ersten Mal seit Gründung des DGB gab es am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, auf den Straßen und Plätzen keine Kundgebungen und keine Mai-Feiern. Als Betriebsseelsorger ist normalerweise mein Platz an diesem Tag bei einer der Kundgebungen in Alzey, Worms oder Mainz. Mir ist dort das Gespräch mit den Kolleginnnen und Kollegen aus den Gewerkschaften, den Betrieben und Einrichtungen wichtig und auch Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen. Gemeinsam ist dabei das solidarische Eintreten für gerechte Löhne und faire Bedingungen in der Arbeitswelt. Durch Corona ist das in diesem Jahr anders. Der Slogan der Gewerkschaften: "Soldarisch ist man nicht alleine! Denn in Zeiten von Corona heißt Solidarität : mit Abstand Abstand halten". Mit einem deutschlandweiten Livestream - digital und in den sozialen Netzwerken - waren Absprachen, Talks, Interwies und Solidarbotschaften zu verfolgen.             

Auch die Kirchen und viele Gläubige gehen unter den veränderten Rahmenbedingungen neue Wege. Es gibt Online-Gottesdienste, virtuelle Gemeindetreffs usw. Sie zeigen ein hohes Maß an kreativem Engagement, um Gemeinschaft und Solidarität zu leben und den Mitmenschen irgendwie erfahrbar zu machen. Ich beispielsweise telefoniere viel mehr als früher und versuche so, mit Betriebs- und Personalräten unterstützend in Verbindung zu bleiben. Diese sind in den Betrieben meist die ersten Ansprechpartner, wenn Arbeitnehmer verunsichert sind und sich Sorgen über ihre Zukunft machen.

Beileibe nicht alle können im Homeoffice arbeiten und "dürfen" ihre Kinder betreuen und bei deren Hausaufgaben helfen. Viele, die im Gesundheitswesen, in Alten- und Pflegeheimen, bei der Müllabfuhr oder bei Speditionen allzu oft unter schlechten Bedingungen und zu niedrigen Gehältern tätig sind, werden plötzlich zu "Helden des Alltags". Nach Corona gibt es also sehr viel aufzuarbeiten, neu zu bewerten und vielleicht anders zu machen. Beispiel: Abschaffung prekärer Beschäftigungverhältnisse, bessere finanzielle und personelle Ausstattung von Kitas und Schulen, mehr Unterstützung für zivilgesellschaftliches Engagement in Vereinen und Nachbarschaftsinitiativen, Bekämpfung des Klimewandels.

Gewerkschaften und Kirchen bleiben dran an den Sorgen der Menschen bringen sie jeder auf seine Weise ins Gespräch, tragen sie solidarisch mit und setzen sich für gute Bedingungen ein. Allerdings können gekonnt zusammengeschaltete Livestreams zum Tag der Arbeit, genauso wie auch die Online-Gottesdienste vor leeren Kirchenbänken, nur digitale Notbehelfe sein. Ich freue mich darauf, wenn wir uns in vielleicht naher Zukunft wieder in den Kirchen zu Gottesdiensten treffen können und schon heute auf die Mai-Feiern im kommenden Jahr auf dem Alzeyer Rossmarkt, dem Wormser Marktplatz oder dem Mainzer Liebfrauenplatz.

Setzen wir uns für eine solidarische Gesellschaft, für Demokratie und Wohlfahrt aller ein!