Zum 90. Geburtstag von Theo Schneider

Von Prof.in Dr. Dorothea Sattler

Prof. Dr. Theodor Schneider (c) Akademie Erbacher Hof
Prof. Dr. Theodor Schneider
Fr 22. Mai 2020
Prof. Dr. Dorothea Sattler

Geburtstage sind Tage des Dankes für das von Gott geschenkte Leben. Theodor Schneider kann am 22. Mai 2020 auf 90 Jahre seines Lebens zurückblicken, in denen er sich von Gott geführt und begleitet erfahren hat: 1930 zeichnete sich bereits schemenhaft ab, was seine
Kindheit und Jugend in einer mit dem Bergbau verbundenen Familie in Ruhrpott bevorstand.
Seine Eltern und Geschwister waren und sind ihm bis heute sehr nahe. Die Wege führten nach dem Krieg in die theologische Ausbildung in Bonn, Freiburg, Münster und Bochum. Der 1971 erfolgte Ruf an die Fakultät in Mainz als Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie in der Nachfolge von Karl Lehmann hat sein Wirken geprägt. Die christliche Ökumene liegt ihm bis heute am Herzen. In geistlicher Verwandtschaft mit Karl Rahner nimmt er lebensnahe Fragen von Menschen auf und versucht eine gläubige Antwort im Sinne des Evangeliums zu geben. Die Nähe zur biblischen Tradition ist ihm eigen. Immer wollte er „Pastor“ werden – bis heute ist er in der Seelsorge an seinem Wohnort in Armsheim und in der Umgebung tätig.
Die theologische Doktorarbeit hat Theodor Schneider über Herman Schell geschrieben, von dem ein geistliches Wort überliefert ist: „Pfingsttag kennt keinen Abend, denn seine Sonne, die Liebe, kennt keinen Untergang“. Wie kaum ein anderer Theologe in seiner Zeit hat Theodor Schneider die Theologie des Heiligen Geistes mit hoher Wertschätzung bedacht. In einem seiner vielen Bücher ist zu lesen: „Immer, wenn vom Geist Gottes die Rede ist, ist von Gott selbst die Rede, und zwar von Gott in der besonderen Weise seiner liebenden Zuwendung zu uns, von Gott in der liebenden Weise seiner bleibenden Vereinigung mit uns. Der Heilige Geist ist die ‚Liebe Gottes‘. Aber Gott selbst ist die Liebe. Der Heilige Geist ist ein wesentlicher Name des Gottes, der die Liebe ist. Der Heilige Geist ist Gott, wie er sich uns mitteilt, Gott in der Weise der Gemeinschaft mit uns, Gott in der Weise der liebenden Vereinigung mit uns, der ‚Kuss der Liebe‘, das Band der Einheit, Gott in uns. Vielleicht kann man das Gemeinte so zusammenfassen: Der Heilige Geist ist Gott als Gabe, Gott selbst als Gabe, er selbst in der Weise des Sich-Schenkens, er selbst als die Liebe.“ (Theodor Schneider, Gott ist Gabe. Meditationen über den Heiligen Geist, Freiburg-Basel-Wien 1979, 100f).
Mit seinen theologischen Intuitionen hat Theodor Schneider eine große Zahl an Schülerinnen und Schülern geprägt, die heute in kirchlichen Bereichen in Ämtern und Diensten tätig sind. Wir verdanken unserem theologischen Lehrer sehr viel - nicht zuletzt die wache Perspektive auf die immer der Reform bedürftige kirchliche Institution, die sich beständig vom Geist Gottes verwandeln lässt. Vor diesem Hintergrund werden wir - zeitlich verschoben angesichts der Corona-Krise – eine Tagung vorbereiten, die das Lebenswerk von Theodor Schneider in den Blick nimmt und zugleich unter einem aktuellen Thema steht: „Die Kirche(n) – immer der Reform bedürftig. Herausforderungen in Geschichte und Gegenwart“. Diese Tagung ist für den 7. bis 10. Januar 2021 im Erbacher Hof in Mainz geplant. Stimmen aus der Ökumene werden sich mit Perspektiven auf dem Synodalen Weg verbinden.