Das Alzeyer Kardinal-Volk-Haus

Das Kardinal-Volk-Haus gehört zum Gemeindezentrum der Alzeyer Pfarrei St. Joseph. Es beherbergt neben den Räumlichkeiten der Pfarrei die Katholische öffentliche Bücherei (KÖB) und das Dekanatsbüro. Hier haben der Dekanatsreferent und die Dekanatssekretärin.

Das Gebäude wurde am 30.11.1985 eingeweiht. Es wurde 1994 in Erinnerung an den berühmten Mainzer Kardinal Hermann Volk (1903-1988) in „Kardinal-Volk-Haus" umbenannt.

Hermann Volk war von 1927-1931 als Kaplan in Alzey tätig. Vor dem Haus befindet sich als Gedenkstätte eine Büste des Kardinals. Sie wurde durch Bildhauer Karlheinz Oswald noch zu Lebzeiten Volks gefertigt und ist ein Geschenk des Altstadtvereins Alzey an die Pfarrgemeinde. Die Stele wurde im Jahr 2000 in einer Feier übergeben und eingeweiht.

Herrmann Volk wurde am 27. Dezember 1903 in Steinheim am Main geboren. Die Priesterweihe empfing er 1927 durch Bischof Hugo. Als Kaplan wirkte er vom Mai 1927 bis August 1931 in Alzey. Nach weiteren Kaplansjahren in Mainz - St. Ignaz und Jahren des Weiterstudiums in Freiburg/Schweiz und Münster in Westfalen sowie seinem Wirken als Pfarrer in der oberhessischen Diasporagemeinde Nidda während des Krieges (1941-45) wurde Hermann Volk 1946 als Professor für Dogmatik nach Münster berufen. 1962 ernannte Papst Johannes XXIII. Hermann Volk zum Bischof von Mainz. Das Bischöfliche Leitwort Volks hieß „Damit Gott alles in allem ist." (1 Kor 15,28) Die Kardinalswürde wurde ihm 1973 durch Papst Paul VI. verliehen. Bischof Volk nahm als Konzilsvater am Zweiten Vatikanischen Konzil teil. Er äußerte sich dort insbesondere zu Fragen der Ökumene, der liturgischen Erneuerung und einer zeitgerechten Verkündigung des Glaubens.

Seit 1966 war Bischof Volk Mitglied des Sekretariats für die Einheit der Christen in Rom. In seinen beiden Doktorarbeiten hatte er sich als Wegbereiter der Ökumene intensiv mit der protestantischen Theologie in den Schriften Karl Barths und Emil Brunners beschäftigt (1938/39) und jahrzehntelang in verschiedenen Kommissionen der Evangelischen und der Katholischen Kirche an den Einigungsbemühungen mitgewirkt.

Während des Drei-Päpste-Jahres 1978 wirkte Kardinal Volk nach dem Tod Paul VI. an der Wahl seiner Nachfolger Johannes Paul I. und Johannes Paul II. mit. Weitere Höhepunkte seines Bischofsdienstes waren die Teilnahme an der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland (1971-75), das 1000-Jahr-Jubiläum des Mainzer Doms (1975) und seine Polenreise im Herbst 1977 mit Predigten und Vorträgen im Dienst der deutsch-polnischen Versöhnung. Die Stadt Mainz ehrte Kardinal Volk im Jahr 1975 durch die Ernennung zum Ehrenbürger, der Staat im Jahr 1978 durch die Verleihung des Großkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Auch nach der Annahme seines dritten Rücktrittsgesuchs von seinen Aufgaben als Bischof von Mainz im Jahr 1982 durch Papst Johannes Paul II. diente Kardinal Volk dem zentralen Anliegen seines Lebens, einer glaubhaften Verkündigung der christlichen Botschaft weiter intensiv durch Predigten, Vorträge und Exerzitien. Kardinal Volk starb am 1. Juli 1988 im Alter von 84 Jahren an schwerer Krankheit. Der Tod des populären, durch seinen bescheiden-natürlichen Umgang mit jedermann sehr beliebten Altbischofs, löste bei den Gläubigen im ganzen Bistum tiefe Betroffenheit aus. Er, der auch ein besonderes Herz für die Obdachlosen und Kranken hatte, war für viele ein Bruder im Glauben und väterlicher Freund. Sein Grab befindet sich in der Bischofsgruft unter dem Altar des Westchores im Mainzer Dom.